Tempel wird zum Tollhaus

Olympische Fastnachtssitzung der Katholischen Jugend

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In Stadtteilfarben Gelb und Grün sieht manchen man des Weges ziehn. Die IGBiF folgt der KJB: Auch dann wird’s wieder wunderschee!

Bieber - Den Fastnachts-Olymp bestiegen am Wochenende die Aktiven der Katholischen Jugend Bieber (KJB) mit zwei ausverkauften Sitzungen. Von David Heisig

Göttlich geht es zu; ist das Thema „Bieber im Olymp“ doch der griechischen Mythologie entlehnt. Auch wenn die Jung-Karnevalisten das Pfarrheim von St. Nikolaus weniger in einen heiligen Tempel denn ein närrisches Tollhaus verwandeln. Nur bei den Aktiven gibt es einen Umbruch. „Vielleicht sind sie verwirrt“, sagt Sitzungspräsidentin Nina Dietermann zur Eröffnung. „Wer hat sich denn da in die Mitte verirrt?“ Nach 20 Jahren Männerdominanz in der Führung des Elferrats sei es „Zeit für eine weibliche Note“ gewesen. „Und das ganz ohne Frauenquote“, unkt Dietermann.

„Baby“ Anna Rieth

Vorgänger Sebastian Kurt hört nach zwei Jahren auf. „Ich werde im März 30“, spielt er darauf an, dass in der Abkürzung KJB das Wort Jugend enthalten ist. Dietermann macht die Nachfolge nicht bange. Zwar habe sie sich Gedanken gemacht, was schiefgehen könne. „Am schlimmsten wäre ein Stromausfall während der Sitzung.“ Dazu kommt es nicht. Man erneuert sich stetig. So sind die Bembel Five, Garanten für grün-gelbe Glückseligkeit, nicht mehr dabei. „Wir haben diesen Kreislauf“, sagt Dietermann. Es gebe immer wieder Nachwuchs. Zumal die Damen von Parapluie den Jungs in nichts nachstünden. Mit „Biebrer Frauen soll man küssen“ oder „Bieber, unser Heimatort“ bringen sie die Massen zum Toben.

Viele Alte treten nach Ende der Jugend bei der Interessengemeinschaft Bieberer Fastnacht auf. In dem Jahr, in dem man dort Nummern leihen müsse, „fallen Weihnachten und Fastnacht auf dasselbe Datum“, lacht Dietermann. Protokoller Lorenz Färber bläst ins selbe Horn, wenn er zum geplanten Aufzugeinbau im Pfarrheim meint, das sei „unbestritten auf die IGBiF zugeschnitten“. Wenn Färber in Anlehnung an den griechischen Ex-Minister Yanis Varoufakis betont, Oberbürgermeister Horst Schneider müsse „noch mehr sparen“, statt Motorrad könne er aber nur Klapprad fahren, hat das Klasse. Ein Rückkehrer in die Bütt ist Vorgänger Tobias Grün. Als Gleichstellungsbeauftragter kontert er den „Gender-Wahn“. Die Volkszählung beackern Manuel May und Florian Löthe. Das Publikum müssen sie nicht zählen, das ist fast vollständig angetreten, goutiert die Leistungen mit Beifall, Grölen und Raketen.

Da begeistern Anna Rieth und Florentin Jenschke, die sich als Babys über ihren Alltag unterhalten. „So doof wie du bist, kannst du nur aus Offenbach sein“, sagt sie. „Du heißt bestimmt Mustafa.“ „Ne, ich bin Yassim“, so er. Offenbach bekommt wenig Spott ab. Auch wenn beim „Aschenputtelsketch“ Stiefmutter und -geschwister aus dem Lauterborn kommen. Oder wenn Dietermann den Bieberer Berg ein Pendant zum griechischen Berg Olymp nennt.

Bilder: Fastnachtssitzung der katholischen Jugend Bieber

Die Buddies feiern ihr Comeback – für Dietermann ein Zeichen, dass viele Aktive der KJB die Treue halten. So steht nach einjähriger Abstinenz mit den Biebros eine weitere Boygroup auf der Bühne, die mit ihrem Testosteron kokettiert. Getanzt wird bei der Indienrevue „Bollywood“, der Uniform-Tanzgruppe Schokokuss, den Quietscheentchen oder den Farbenfrohen Fächer-Frauen in asiatischen Kostümen. Am Ende werden gelb-grüne Fahnen und Schals geschwenkt. Ein Moment holder Stadtteil-Glückseligkeit. Und für die IGBiF ist die Latte für das nächste Wochenende hoch gehängt...

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