Vom Pinguin zur Prinzessin

Amelie Groha und Robin Löw regieren den närrischen Nachwuchs

+
Mit Kappe und Krönchen: Robin I. und Amelie I. in den Fastnachtsfarben, die sich so gut auf „Hellau“ reimen – Rot, Gelb, Weiß, Blau.

Jügesheim – Das gibt es nur in der Fastnacht: Wer als Tiger oder Pinguin klein anfängt, kann zehn Jahre später zu Prinz und Prinzessin werden. Dazu braucht man viel Talent und ein Quäntchen Glück. Von Ekkehard Wolf 

Amelie Groha (fast 13) und Robin Löw (14) haben es geschafft: Als Jugendprinzenpaar besteigen sie am 10. Februar den Thron. Wer das miterleben will, muss sich beeilen: Für die Jugendsitzung der JSK-Fastnacht gibt es nur noch zwei Einzelkarten.

Robin und Amelie kennen sich schon seit frühester Kindheit. Auch ihre Eltern waren schon als Kinder miteinander befreundet. Ihre Fastnachtskarriere führte von der Mini-Tanzgruppe „Minkas“ zunächst in die Rodau-Hippers. Dann teilten sich die Wege. Amelie wurde Gardetänzerin, Robin schloss sich den Junggugisheimern an, die als treue Gefolgsleute zum närrischen Hofstaat gehören. Sei zwei Jahren sitzt er auf der Bank der Jugendelfer. Außerdem trommelt er bei „Prösterchen“, der Jugendformation des „Prinzlichen Orchesters für Staatsbesuche“.

Die Tollitäten sind darin geübt, einander verbal die Bälle zuzuwerfen. In den letzten beiden Kampagnen standen sie gemeinsam in der Bütt. „Die Reden schreiben unsere Eltern“, verrät Robin. Er steuert nur den einen oder anderen Satz bei. „Es ist schwierig, Reime zu finden, die auch passen“, sagt Amelie.

Nach jahrelanger Bühnenerfahrung haben die beiden Fastnachter keine Angst vor Lampenfieber. „Wenn man auf der Bühne steht und alle applaudieren, ist es weg“, sagt Amelie. Robin ergänzt selbstbewusst: „Wir kriegen das schon ganz gut hin.“

Prinzenpaar zu sein bedeutet nicht nur schöne Erlebnisse, sondern auch Arbeit. Seit Anfang letzter Woche tingeln die beiden von Firma zu Firma, um Spenden zu sammeln. „In Jügesheim sind wir in fast jedes Geschäft gegangen“, sagt Robin. Dabei geht es in erster Linie um Wurfmaterial für den Fastnachtszug. Ein Unternehmen spendierte Gutscheine, die nicht ausgeworfen, sondern persönlich überreicht werden. Ein anderes packt Tüten als Gastgeschenke für die Staatsbesuche, zum Beispiel in Altenheimen. Als Dankeschön überreicht das Jugendprinzenpaar ein Foto für die Ladentheke oder das Schaufenster.

Etwa 15 sogenannte Staatsbesuche absolviert das Jugendprinzenpaar mit Hofstaat in den nächsten Wochen. Zu den Stationen zählen die Jugendsitzung der Sportfreunde, Kindergärten und Schulen, Seniorenclubs und Altenheime. Auch beim Prinzenpaar-Empfang im Kreishaus darf das Rodgauer Jugendprinzenpaar nicht fehlen. „Das ist immer ein großes Schaulaufen“, weiß Martina Berg von der Jugendleitung der JSK-Fastnachter.

Für die Jugendfastnacht sind Amelie I. und Robin I. ein Glücksfall. „Die beiden sind ein tolles Team“, sagt Martina Berg. Die Auswahl eines Jugendprinzenpaars ist das Ergebnis einer Beobachtung über Jahre hinweg. Dabei kommt es nicht nur auf Talent, Ausstrahlung und Bühnenpräsenz an, sondern auch auf Harmonie: „Wir finden eigentlich immer welche, die sich mögen und gemeinsam eine gute Zeit erleben.“ Auch zwischen den Eltern muss die Chemie stimmen.

Bilder: Narren stürmen Rathaus in Jügesheim

Wenn die Kinder das närrische Zepter in der Hand halten, machen ihre Eltern neue Erfahrungen. Wildfremde Menschen sprechen sie auf der Straße oder beim Einkaufen an. „Man muss ganz viele lustige Fragen beantworten“, erzählt Prinzessinmutter Jutta Groha. Auch in der Familie ergeben sich Situationen, die noch lange in Erinnerung bleiben werden – etwa, wenn der kleine Bruder vor Stolz fast platzt, weil seine Schwester Prinzessin ist.

Eine Herausforderung für die Eltern besteht darin, die vielen Termine zu koordinieren, wie Prinzenmutter Andrea Löw sagt. Zu den Aufgaben der Eltern gehört es auch, die vier bis fünf Meter langen Luftballonketten fürs Fotoshooting anzufertigen. „Da haben auch die Schwiegereltern gepustet und geknotet“, erzählt Joachim Löw. In Bettlaken eingetütet wurden die Luftballonketten ins Fotostudio gefahren. „Da braucht man im Auto keinen Airbag mehr“, witzelt Fastnachtspräsident Peter Otto.

Die Familien sind auch der Fanclub des Prinzenpaars. 26 Personen tragen die Fan-T-Shirts: Mütter, Väter, Tanten, Onkel, Cousins und Cousinen. „Da ist ja der halbe Saal schon voll“, meint Peter Otto. Tatsächlich sind die beiden JSK-Jugendsitzungen schon Wochen vorher praktisch ausverkauft. Das liegt nicht nur am Fanclub, sondern auch am Online-Vorverkauf. Seit zwei Jahren sind die Fastnachtskarten auch per Internet erhältlich. Zwei Drittel der Tickets gehen online weg.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare