Tanzende Blechbüchsen

Steinheimer CCSW mit furiosem Sitzungsprogramm - und neuem Star in der Bütt

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Der heimliche Star des Abends: Die 13-jährige Emelie Horch bei ihrem Vortrag.

Steinheim - „Fantaich, Fantadu, Fantasie“, lautet das Motto der Sitzungen des Carneval-Clubs Schwarz-Weiß (CCSW) Steinheim diesmal. Bei der Premiere am Samstag in der ausverkauften Kulturhalle jagte ein Höhepunkt den anderen. Von Dieter Kögel

Fantasievoll war das Programm allemal, mit dem die Aktiven mehr als vier Stunden ihr Publikum rundum begeisterten. Sitzungspräsident Andreas Sticher hielt das CCSW-Narrenschiff in bewährter Weise auf Kurs und steuerte die Haltepunkte der karnevalistischen Kreuzfahrt zielsicher an. Tanz, Gesang und Büttenreden wurden in angenehmem Wechsel geboten. Und allein schon die selbst geschneiderten Kostüme bei einigen Darbietungen waren ein optisches Ereignis.

Wie etwa bei der Ermittlerparade der „FlyPots“, die gerade noch verhindern können, dass eine räuberische Fee die Steinheimer Fastnacht zu Fall bringt. Da wird alles aufgeboten, was Slapstick, Bühnentricks und handarbeitliches Geschick hergeben. Mit beachtlicher optischer Wirkung. Auf die wird beim CCSW fast durchweg gesetzt: Ob beim Hexentanz der Lollipops, beim tänzerischen Aufmarsch der Piccolinos als Glücksbärchis, beim Durchstarten der Musical Familiy in den Orbit oder bei der von Spotlight gefeierten Walpurgisnacht. Ganz bunt treiben es die Paradiesvögel der Tanzgruppe „Las Estrellas“, und beim Ensemble Scrabble schwebt gar der fliegende Teppich mit hübscher Sultanin durch den ganzen Saal.

Allein schon die Kostüme bei etlichen CCSW-Nummern waren ein optisches Ereignis.

Überraschungen in jedem neuen Bild. Die Blauen, die Männertanzgruppe des CCSW, verdienen sich in den Kostümen der legendären Blechbüchsen-Armee aus der Augsburger Puppenkiste dabei einen Sonderapplaus. Und was die strammen Jungs von „Flasche leer“ auf die Bühen zauberten, hätte von Qualität und engagierter Darbietung her auch Platz in einschlägigen Nachtclubs. Die gibt es in Steinheim halt nicht. Hier gibt es ohnehin nicht viel, ließ Äppelwoikönig Klaus Schmidt singend wissen. „Auf der Ludwigstraß’ nachts um halb eins, wenn du kein Mädel hast, kriegst du auch keins...“ Und schlimmer noch: Zu Trinken gibt es auch nirgendwo mehr was, „alles is discht.“

Dicht gemacht wird, global gesehen, anscheinend auch die Vernunft, resümierte Protokoller Thomas Franz, der von Trump über Erdogan bis hin nach Steinheim die gleichen Symptome ausmacht, durch die Vernunft am Blühen gehindert wird.

Schön, wenn einen dann, wie Raimund Möser, andere Sorgen plagen. Eigentlich hat er es satt, alljährlich in der Bütt zu stehen, sich immer wieder was für die Sitzungen auszudenken. „Hast du für Fastnacht nix parat, dann setz dich in den Elferrat.“ Doch bei genauem Hinsehen scheint das aufgrund der harten Prüfungen fürs Komitee doch keine Lösung. Gut so, denn da bleibt „Rajo“ der CCSW-Bütt auch in der nächsten Kampagne erhalten.

Ein optisches Highlight: Die CCSW-Männertanzgruppe „Die Blauen“ als Blechbüchsen-Armee aus der Augsburger Puppenkiste.

Ebenswo wie der heimliche Star des Abends, Emelie Horch, die mit ihren 13 Jahren einen perfekten Büttenvortrag präsentiert und alle Herzen erobert mit ihren Betrachtungen des Do-it-yourself-Papas, dem Heimwerker mit Köpfchen „und zwei linke Händ’.“ „Ich freue mich auf die nächsten Jahre“, kommentierte Sitzungspräsident Andreas Sticher diesen Beitrag. Emelie Horch mit gewinnendem Lächeln in den Saal: „Ich mich auch!“

Wenn einem so viel Gutes widerfährt... - solche Werbesprüche hatten Wolfgang Zoppe Müller und Frank Diwisch im letzten Jahr durch die Mangel gedreht. Diesmal widmeten sie sich Redewendungen und Sprichwörtlichem, aus dem närrisches Kapital zu schlagen ist.

Bilder: Sitzung des CCSW Steinheim

Neben den alten Hasen gab es mit Pfarrer Lukasz Szafera auch einen Neuling in der Bütt. Als Minnesänger trat er auf an der Seite der Küchenfrau des Steinheimer Schlossses (Hannelore Sticher) und dem Hellebardenträger (Christa Grünbecken). Ein Klamauk mit leisen und herzlichen Zwischentönen. Und ein Moment, in dem der Karneval für Sekunden den Atem anhält, um dann mit großem Applaus Pfarrer Szaferas Ankunft auch auf der Fastnachtsbühne zu würdigen.

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