Heimatbund-Narrenzug setzt sich am 8. Mai in Bewegung

Viel los am „Rosenmuttertag“: 20.000 Euro Mehrausgaben 

+
Noch ein Blick auf den nachgeholten RoMoZug 1990: Batmänner und -frauen mit dem Batmobil auf Tour.

Seligenstadt - Nach dem witterungsbedingten Ausfall des Rosenmontagszugs am 8. Februar hat der Heimatbund nun Fakten geschaffen. Die Dachorganisation der örtlichen Vereine und Verbände hat bei der Stadt eine Ersatzveranstaltung just am veranstaltungsintensiven 8. Mai beantragt.

Zwar stimmte der Magistrat zu, doch begeistert ist er nicht. Seine Bedingung: Kosten und die Verantwortung tragen Richard Biegel und Co. Spötter sprechen schon vom „Seligenstädter Rosenmuttertag“. Ausgerechnet am Sonntag, 8. Mai, will der Heimatbund seinen Fastnachtszug nachholen. Dabei kollidieren die Narren, die ihren Umzug wegen schlechten Wetters im Februar absagen mussten, mit Muttertag und Konfirmationen. Doch Heimatbundchef Richard Biegel sieht darin keine größeren Probleme. Druck lastet auf der Dachorganisation der Seligenstädter Vereine bestenfalls wegen der hohen Kosten, die der Heimatbund tragen muss. Für „mindestens 20.000 Euro“ Mehrausgaben - so schätzt Biegel - müsse der Heimatbund gerade stehen. Er hofft, dass zumindest ein Teil der Kosten durch den Eintritt reinkommt. Denn der wird am 8. Mai auf jeden Fall erhoben. „Das ist ganz wichtig für uns“, betont Biegel. Denn viele Rechnungen hätten trotz des ausgefallenen Umzugs bezahlt werden müssen. „Kulant“ wollen sich die Kontrolleure gegenüber den Besuchern Seligenstadts zeigen, die überzeugend nachweisen könnten, dass sie nicht wegen des Umzugs, sondern wegen eines Ausflugs zum Muttertag kämen. Dabei hofft Biegel auf die Ehrlichkeit des Einzelnen und auf die Solidarität und Unterstützung der närrischen Besucher.

Unter „Nachgeholter Rosenmontagszug“ läuft die Heimatbund-Veranstaltung am 8. Mai. Bereits im Wiebke-Jahr 1990 ließen’s die Fußgruppen beim Ausweichtermin Ende April (Foto) krachen.

Der Stadtverwaltung ist indes nicht allzu närrisch zumute. Stadträtin Bicherl spricht gar von einem „denkbar schlechten Veranstaltungstag 8. Mai“, erinnert an Muttertagsfeiern, Konfirmation, Sportveranstaltungen, Touristen und nicht zuletzt an den Tag der Befreiung (bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht/Endes des Zweiten Weltkrieges). Nach ihren Angaben hatte der Magistrat aber formal keinen Grund, die Veranstaltung abzulehnen. Bicherl betont, dass der Heimatbund ein Sicherheitskonzept vorlegen und vom Kreis Offenbach absegnen lassen müsse. Und da dürfe es keine Abstriche geben, weder für die Teilnehmer, noch für die Zuschauer. Auch das finanzielle Risiko müsse der Heimatbund tragen. Die Stadt, so die Stadträtin weiter, habe ihren Rosenmontagszuschuss schon im Februar zum größten Teil ausbezahlt, denn trotz Zugausfall seien reichlich Kosten angefallen. Schon zur Reinigung des Marktplatzes, der tags darauf „wie ein Schlachtfeld“ ausgesehen habe. Das damals übrig gebliebene Geld gehe an den Heimatbund, aber kein zusätzliches.

Bilder: Seligenstädter Narren feiern trotz Absage

Vergleiche mit dem am 29. April 1990 nach dem Orkan Wiebke erstmals nachgeholten Rosenmontagszug hinken, sagt Bicherl. Damals habe es weder ein Sicherheitskonzept, noch Eintrittsforderungen gegeben. Übrigens: Auch der 1991er Zug fiel aus - damals begann der Golfkrieg - der Zug wurde allerdings nicht nachgeholt. Der 2016er Mai-Umzug, so erläutert Richard Biegel, wird wesentlich kleiner ausfallen als gewohnt. Etwa ein Drittel weniger Zugnummern erwartet er in der Einhardstadt. „69 sind es aktuell. Üblicherweise sind es um die 100.“ Absagen kamen vor allem von Fuß- und Musikgruppen. Bei den Motivwagen sind es zwei weniger, und da die meisten mit Musikanlagen ausgestattet seien, müsse niemand fürchten, dass es an diesem Tag zu leise in der Einhardstadt werde.

So arbeiten die Wagenbauer in Seligenstadt: Bilder

Dabei hätte der närrische Lindwurm sich üblichen Dimensionen durchaus nähern können. Biegel berichtet, dass es zahlreiche Anfragen vor allem aus dem Odenwald gegeben habe. Aus Orten, in denen die Züge komplett gestrichen wurden, meldeten sich Teilnehmer mit Motivgruppen, aber auch Musiker. Doch habe der Heimatbund ihnen eine Absage erteilt. „Wir wollen unseren Umzug nur mit den Nummern, die auch gemeldet waren.“ Dass die Narren die Wege der Konfirmanden in Seligenstadt kreuzen, sei auch weitgehend ausgeschlossen. Die Gottesdienste beginnen um 9.30 Uhr, „wenn es dann noch einen Empfang gibt, ist bis 11.30 Uhr alles vorbei“, sagt der Heimatbundchef, der sich mit Pfarrerin Leonie Krauß-Buck diesbezüglich abgesprochen hat. Die An- und Abfahrt der Konfirmationsgesellschaften sei gewährleistet. „Wir starten ja auch erst um 14.31 Uhr und haben den Zugweg ein wenig verkürzt.“ So fehlen Graben-, Jahn- und Kapellenstraße in diesem Jahr auf der Route. Eine Tribüne auf dem Marktplatz sowie einen Prinzenempfang im Rathaus im Anschluss an den Umzug soll es allerdings geben. Das habe ihm Bürgermeister Dr. Daniell Bastian signalisiert, sagt Biegel.

Ärger, weil die Gastronomen auf dem Marktplatz ihre Sitzplätze im Freien wegräumen und so dem närrischen Lindwurm weichen müssten, sei nicht zu befürchten. Es habe bereits Gespräche zwischen Gewerbeverein und den Betroffenen gegeben. Letztlich sei das aber auch ein Thema, das die Stadtverwaltung lösen müsse.

Bilder: Kinderumzug in Seligenstadt

mho/sig

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare