Politische Themen als Randerscheinung

Rosenmontagszug: Glyphodreck und Willi ist weg

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Die Turmmänncher warnen vor „Glyphodreck“. Biene Majas bester Freund Willi ist dem Unkrautvernichter schon zum Opfer gefallen.

Schlumberland - Kein Konfetti, sondern Schneegestöber kommt da vom Himmel, im Wechsel mit schönstem Sonnenschein. Das Wetter ist aber, wie auch die große Politik, eher Randthema am höchsten närrischen Feiertag im Schlumberland. Von Katrin Stassig 

Sonne, Sturm oder Schnee: Brigittes Gruppe feiert Fastnacht bei jedem Wetter.

Farbenfroh und detailreich kommen Kostüme und Motivwagen beim Rosenmontagszug daher. Auch eine Art, der tristen politischen Wetterlage zu trotzen. Die große (Welt-)Politik lässt wohl inzwischen selbst die Fastnachter resignieren. Angela Merkel oder Donald Trump bleiben diesmal beim Rosenmontagszug im Schlumberland vor närrischen Attacken verschont – abgesehen vom verdächtig blonden Haaransatz des Zirkuselefanten in der Blockhausclub-Manege... Diesmal haben die lokalen Ereignisse des vergangenen Jahres den Wagenbauern und Kostümschneidern genügend Stoff geliefert. „Der neue Service auf der Fähr“ dient gleich zwei Gruppen als Stichwortgeber. Die Schlumber-Crew der Dalleshüpper stellt auf ihren Bauchläden nicht nur Auswurfmaterial, sondern ein ganzes Füllhorn an Wortspielen zur Schau: Fähr-Nascht, Fähr-Dorscht, Fähr-Spielt. „Solange die Bilanz net stimmt, wird die Fähre aufgepimpt“ titeln die Plattgedappte Ausschmeißgudsjer und schicken die altehrwürdige Dame mit Düsenantrieb über den Main.

Den Bogen vom Lokalen zum Globalen spannen die Turmmänncher mit einem Thema, das in aller Munde ist – und das am liebsten nicht im wörtlichen Sinn. Der „Glyphodreck“ hat das wohl bekannteste Bienenweibchen einsam gemacht: „Maja und Willi waren ein Paar, durch Glyphosat ist Willi nicht mehr da“. Vorschau auf die Fußball-WM in Russland halten die Pfläumscher und hoffen auf den fünften Stern: „Jungs, macht’s noch mal“.

An originellen Ideen mangelt es jedenfalls nicht. Spontanen Applaus spendet das Fußvolk den Waacheschiebern als Schlumber-Feuerwehr. Da steigt der Brandmeister einem Akrobaten gleich die Holzleiter hinauf; derweil sitzt der Nachwuchs im Miniatur-Einsatzfahrzeug, gefolgt vom Elefanten als Löschwagen. Die TuS holt das Spielerparadies nach Seligenstadt: „Welcome to Fabulous Froschhausen“. Beim Club der Gaudianer regieren Sisi und Franz das Schlumberland, bei den Einhardwiwwel erobert Cäsar mit seinen Gladiatoren die Fassenacht.

Ein Wort zum Wetter: Da hätte es Brigittes Gruppe mit ihrem Motto kaum besser treffen können. „Bei Sonne, ob’s stürmt oder schneit, für die Fastnacht sind wir immer bereit“. Der Sturm bleibt zwar aus, aber von Schneegestöber bis Sonnenschein ist am Nachmittag alles dabei.

Rosenmontagszug 2018 in Seligenstadt: Bilder

Seligenstadts Polizeichef Josef Michael Rösch zieht unmittelbar nach Veranstaltungsende ein überwiegend positives Fazit. Dank hoher Polizeipräsenz seien „einige Scharmützelchen“ schnell bereinigt worden. Weniger schön: Immer mehr Jugendliche, die keinerlei Interesse an Fastnacht haben, kommen in die Stadt, um ihren Lastern zu frönen. Resultat sind zahlreiche Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz. Die Polizei, die „Grabschern“ keine Chance lässt, findet hohe Akzeptanz im Publikum, vor allem von Frauen hagelte es dankbar Küsschen.

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