Schuften im Akkord

Rund 200 Wagenbauer im Dauerstress

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Zauberwerkstatt Wagenbauerhalle: In der Endphase werkeln dort bis zu 200 Aktive an den rollenden Fastnachtsmotiven.

Seligenstadt - Das Seligenstädter Völkchen der Wagenbauer hat’s in dieser Kampagne richtig schwer. Die verschworene Gemeinschaft hatte nur wenige Wochen Zeit, um ihre Motivwagen für den großen Gaudiwurm am Rosenmontag zusammenzubauen. Von Armin Wronski

Die TÜV-Sachverständigen Tino Schwank und Nicolas Hayer attestieren Wagenbauerchef Uwe Edler (von links) die Verkehrstüchtigkeit aller Fahrzeuge.

In der Wagenbauerhalle am Bahndamm schuften derzeit 200 Aktive aller Altersgruppen im Akkord. „Wenn’s sein muss, dann arbeiten unsere Wagenbauer wegen der ultrakurzen Kampagne 2016 Tag und Nacht“, bringt es Heimatbund-Vorsitzender Richard Biegel auf den Punkt. Eine wichtige Hürde ist bereits genommen, nämlich die TÜV-Abnahme, in der die Verkehrssicherheit der Zugwagen bestätigt ist. „Wir haben alle Fahrzeuge einer Schnellbremsprobe unterzogen, um festzustellen, ob die Grundaufbauten der Pritschenwagen auch standfest sind. Ebenso ist der Unterfahrschutz vermessen worden, der 25 Zentimeter vom Boden bis zur Unterkante der Aufbauten betragen soll“, erläuterten die TÜV-Sachverständigen Tino Schwenk und Nicolas Hayer.

In der Heimatbund-Wagenbauerhalle am Bahndamm wuseln in wechselnden Schichten derweil gut 200 Aktive aller Altersgruppen - vom dreijährigen Finn Biegel bei den Seligenstädter Fastnachtsfreunden, der noch den Schnuller im Mund hat, aber schon kräftig mitpinselt, bis hin zu Gerhard Huwald, der mit seinen 72 Jahren als „Grandseigneur“ in der Halle durchgeht und am Wagen des TGM-Sängerchors mitwerkelt. Die Turngemeinde (TGM) ist übrigens seit 1949 mit einem Zugwagen dabei und damit die älteste Gruppe im traditionellen Seligenstädter Rosenmontagszug.

So arbeiten die Wagenbauer in Seligenstadt: Bilder

Für die aufwändig konstruierten Aufbauten werden wieder tonnenweise Materialien verarbeitet. Darunter 50 Rollen „Hasendraht“.

„Bewusst widmen sich die Motivwagen nicht der großen Politik, vielmehr werden lokale Ereignisse wie zum Beispiel die Bürgermeisterwahl oder auch Motive aus der Phantasie- und Märchenwelt dargestellt“, ist von Heimatbund-Chef Biegel zu erfahren. „Für die teilweise aufwändig konstruierten Aufbauten und Figuren werden von den Akteuren wieder tonnenweise alle Arten von Material verarbeitet. Zum Beispiel sind das 50 Rollen Hasendraht, fünf Tonnen Stahl in allen Abmessungen, drei Tonnen Papier sowie zweieinhalb Tonnen Farbe, 50 Kilo Nägel und Schrauben, diverse Maurerbohlen, über 250 Schachteln Tapetenkleister, etwa 800 Quadratmeter Hartfaser- und Spanplatten und fast drei Kilometer Bretter, Dachlatten und Kanthölzer“, hat Wagenbauerchef Uwe Edler ausgerechnet. Am Donnerstag, 4. Februar, ist in der Heimatbundhalle „Richtfest“ für die Wagen. „Danach gibt es nur noch kleinere Nachbesserungsarbeiten bis zum Auszug am Rosenmontag“, so Edler abschließend.

Video aus dem Jahr 2012

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