Regenten ohne Standesdünkel

Prinzenpaar gibt sich gern bodenständig und volksnah

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Ein Prost auf die Fastnacht: Prinz Robert II. und Prinzessin Kathrin wollen zeigen, was aus „einfachen Schlumbern“ werden kann.  

Seligenstadt - „Ich war raus aus den Gerüchten in diesem Jahr“, sagt Prinz Robert II. „Ich dagegen total im Gespräch“, berichtet Prinzessin Kathrin. Von Sabine Müller

Nach Weihnachten schießen die Spekulationen über das neue Prinzenpaar wild ins Kraut, berichten die frisch gekrönten Häupter, die das Seligenstädter Narrenvolk in dieser Fastnachtskampagne regieren. Dabei waren sie schon seit August „verlobt“. „Bodenständig, ehrlich, volksnah“ möchten Kathrin Kemmerer und Robert Wurzel in die Annalen eingehen. „Unser Spruch ist: Was aus einfachen Schlumbern werden kann…“ Die Tochter eines Schreinermeisters und der Sohn eines Zimmermanns haben keine Standesdünkel, sind auch nach ihrer feierlichen Inthronisation am 13. Januar „mitten drin und mit Spaß dabei“. Die Audienz aus Anlass der „Hofberichterstattung“ findet im Prinzess-Palais in Klein-Welzheim statt, wo nicht nur Ihre Lieblichkeit, sondern auch die Fassenacht zuhause ist. Ein Gläschen Sekt passt perfekt in diesen feucht-fröhlichen Tagen. Außerdem: Die Saison ist noch jung, die „70 plus“ Amtstermine müssten zu schaffen sein.

Wenn einem Seligenstädter gesagt wird: „Ich muss mal mit deiner Frau reden…“, sollte dieser hellhörig werden. Dann ist das entweder ein dreister Verführungsversuch – oder einer der Weisen des Heimatbundes klopft beim potenziellen Prinzen an. In der Vergangenheit sei mehrfach über ihn als möglichen Kandidaten geflachst worden, berichtet Elferratsmitglied Robert Wurzel. Beim letzten Mal fragten die beiden erwachsenen Söhne: „Was ist denn nun, Vadder: Bist du’s?“ Jetzt dagegen fragte seine Frau: „Schaffst du das?“

Tagsüber der Job, nachts Party – ein bisschen Kondition muss man schon mitbringen, das wusste auch der 55-Jährige, der in der Finanzdienstleistungsbranche tätig ist. Doch in weiser Voraussicht hatten die Prinzenpaarsucher schon im Hochsommer 2016 ihre Fühler ausgestreckt. So konnte der designierte Prinz seine beruflichen Termine koordinieren. „Wenn die Wahl auf einen fällt, macht das natürlich schon auch stolz.“

Die Holde, welche er sich ausgeguckt hatte, ließ wiederum ihn drei Wochen zappeln, bevor er ihr seine Aufwartung machen durfte. „Mein fastnachtlicher Schwiegervater, Winfried ‚Rasti‘ Kemmerer, ist mein Kollege beim Seligenstädter Trommelfeuer“, erläutert Prinz Robert seine Wahl. „Im Sommer probten wir bei Kemmerers im Garten, da hab ich die Kathrin gesehen: Besser geht‘s nicht!“ Tatsächlich sind beide Familien auf die fünfte Jahreszeit ganz närrisch und in vielen Vereinen engagiert. Robert kann auf seinen Schwiegervater im bürgerlichen Leben verweisen, der 1983 als Prinz Peter präsentiert wurde. Die 22-jährige Kathrin ist gar Spross einer Prinzendynastie – dem Vater und zwei Onkeln wurde schon die Ehre zuteil – und wusste, dass Adel verpflichtet. Beim Camping-Urlaub in Norwegen mit Freund Christoph hatte die angehende Augenoptikerin Zeit und Muße, um sich Gedanken zu machen, und zwar ohne rosarote Brille: „Ich muss mich auf meine Gesellenprüfung im Mai vorbereiten, und wollte immer lieber Page als Prinzessin werden.“ Doch wer hätte das Herz, einem rothaarigen Clown, der mit Minnegesang, Gitarre und einem Strauß bunter Luftballons bezirzt, einen Korb zu geben? Ende August wurde Verlobung gefeiert, die viele Monate lang vor neugierigen Nachbarn geheim gehalten werden musste.

Höhepunkt ihrer bisherigen Regenschaft waren die Überraschung und das begeisterte „Helau!“ der Schlumber, als in der ersten Galasitzung des Heimatbundes das neue Prinzenpaar vorgestellt wurde. In der Kampagne freuen sie sich vor allem auf die Antrittsbesuche in ihren Vereinen und den Rosenmontagszug.

Bilder: Gala-Sitzung der TGS Seligenstadt

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