Sicherheitskonzept für Umzug

Rosenmontag in Seligenstadt: „Rot“ für Randalierer

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Seligenstädter Rosenmontagszug: DRK, Feuerwehr, DLRG, Polizei und andere Hilfskräfte sorgen für Sicherheit.

Seligenstadt - Ein 60 Seiten starkes Sicherheitskonzept hat der Seligenstädter Heimatbund im Vorfeld des Rosenmontagszugs erarbeitet. Das Spektrum reicht vom Einsatz der Security über die Hubschrauber-Landeplätze bis hin zu deeskalierenden Maßnahmen.

Mehr als 350 Aktive sind hinter den Kulissen im Einsatz, 110 begleiten die Zugwagen. „Übermäßiger Alkoholgenuss führt nicht automatisch zu mehr Humor.“ Die Aussage von Heimatbund-Chef Richard Biegel im Verlaufe eines Pressegesprächs resultierte zwar nicht aus der Sicherheitskonferenz, von der er gerade aus dem Rathaus hinüber ins Einhardhaus kam, aber auch dieses Thema gehörte zu den wesentlichen Aspekten im Vorfeld des Rosenmontagszugs. Noch mehr als bisher dominiert das Thema Sicherheit bei der Großveranstaltung, bei der bis zu 40.000 Menschen in der Stadt sind.

Gleich mit sechs Vorstandsmitgliedern war der Heimatbund angetreten, um konkrete Schritte zur Planung des „höchsten Seligenstädter Feiertags“ zu erläutern und Aufschluss darüber zu geben, was „hinter den Kulissen“ des Rosenmontagszuges läuft, wie viele Helfer im Einsatz sind und welche Kosten das Großereignis verursacht.

Schon Mitte Dezember stellten die Verantwortlichen des Veranstalters ein 60 Seiten starkes Sicherheitskonzept zusammen, das dem Kreis Offenbach vorgelegt werden muss. „Vom Einsatz der Security über die Hubschrauber-Landeplätze bis hin zu deeskalierenden Maßnahmen, ist dort alles genau notiert“, erläutert Heimatbund-Vize Stefan Emge, und Vorsitzender Richard Biegel ergänzt: „Die Anforderungen werden ständig größer, und dadurch erhöhen sich die Kosten.“

„Wir wollen natürlich alle einen sicheren Rosenmontagszug“, macht Emge deutlich und erklärt die Aufgaben von Feuerwehr, DLRG, DRK, Polizei und anderen eingesetzten Mitarbeitern und Helfern. Dem zunehmenden Gewaltpotenzial, vor allem durch Gruppen von außerhalb, will man mit deeskalierenden Aktionen und persönlichen Ansprachen entgegentreten und „Kleinrandalierer“ schon im Ansatz dingfest machen.

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Bis zu 21.000 zahlende Besucher werden, wenn das Wetter gut ist, zum Rosenmontagszug in der Einhardstadt erwartet, und bereits an den zwölf Kassierstellen werden neben den Mitgliedern aus Vereinen auch Securitykräfte und Polizei ein Auge auf die Besucher und das Glasverbot der Stadt werfen, vor allem aber die Plaketten verkaufen, durch deren Erlös der Zug teilweise mitfinanziert wird.

3,50 Euro im Vorverkauf, vier Euro am Rosenmontag kostet die Plakette zum Eintritt in das geschlossene Veranstaltungsgebiet, Kinder bis 14 Jahre sind frei. Bei weitem können dadurch natürlich nicht die anfallenden Kosten gedeckt werden. Alleine für den Sanitätsbereich rund um die Zentrale Ambulanz (ZAB), werden 12.000 Euro fällig, mindestens genau so viel für die eingesetzten Securitykräfte aus zwei zusammenarbeitenden Firmen. Einige zehntausend Euro verschlingen zudem die Versicherungen, GEMA-Gebühr, Material, Toiletten, Reinigung, Musikkapellen von außerhalb, der TÜV und vieles andere mehr.

Kostenlos begleiten hiesige Musikkapellen den Zug mit rund 3000 aktiven Teilnehmern, und auch die Feuerwehr ist ehrenamtlich im Einsatz. Unterstützung erfährt der Heimatbund durch Mitarbeiter aus Bauhof und Ordnungsamt. Ein großes Lob sprechen die Heimatbund-Verantwortlichen auch Polizei und Notärzten aus, ohne deren Unterstützung eine solche Veranstaltung nicht zu stemmen sei. „Hundertprozentige Sicherheit können wir nicht garantieren“, verdeutlicht Christine Colombo vom Vorstand. Kein Lkw werde durch aufgestellte Poller an den Haupteinfahrtsstraßen gestoppt, aber im Notfall werde die Geschwindigkeit verringert. Auch für eine Notfall-Evakuierung stünden Räumlichkeiten zur Verfügung.

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Alleine mehr als 350 Aktive sind „hinter den Kulissen“ im Einsatz, 110 begleiten die Wagen eines werbefreien Zuges, bei dem die teilnehmenden Narren sogar selbst das Auswurfmaterial finanzieren müssen. Recht verwunderlich dann, wenn - wie Wagenbauer-Chef Uwe Edler erzählt - im Nachgang eines Zuges Besucher in E-Mails beklagen, „für vier Euro Eintrittsgeld nur 350 Gramm Gudsjer bekommen zu haben“. Auch jene, die vom Weckruf überaus alkoholisiert zum Rosenmontagszug kommen, dann entweder den Ablauf massiv stören oder an Nebenschauplätzen überhaupt keinen Anteil an der Veranstaltung nehmen, stoßen auf Kritik. „Wir wünschen uns mehr Verständnis dafür, was die aktiven Narren leisten“, sagt Michael Wolf, der als zweiter Rechner neu die Geschicke des Heimatbundes mit verantwortet, gemeinsam mit Pressesprecher Michael Eiles: „Wir freuen uns, wenn Menschen sich verkleiden und maskieren, in andere Rollen schlüpfen, aber Alkohol ist dabei, vor allem bei jungen Menschen, nicht unbedingt nötig.“ (beko)

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