Abschied vom „Häppchen-Bürgermeister“

Siebenstündiger Sitzungsmarathon der Örtlichen Vereine und Verbände

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Begeisterten einmal mehr: Die Hofsänger vom Frohsinn mit dem aktuellen Prinz Bernd in ihrer Mitte.

Krotzeborsch am Moa - "Hat das mit dem Sitzungsknigge geklappt? fragte gestern Nacht zwischen eins und zwei ein Bekannter auf der Straße. Gerade war der fast siebenstündige Sitzungsmarathon in Klein-Krotzenburg über die Bühne gegangen. Von Bernhard Koch

Tolle Vorträge, tänzerische Glanzleistungen und viel Gesang. Aber Sitzungsknigge? Mit „Disney-Songs“ eröffnete ein bunt gekleideter Klein-Krotzenburger Kinder- und Jugendchor, ein Gemeinschaftsprojekt von Frohsinn und Volkschor, unter der Leitung von Andreas Schwab die Premieren-Sitzung der Örtlichen Vereine und Verbände (ÖVV) in der Radsporthalle. Schon gleich nachdem Sitzungspräsident Wolfgang Barth mit angeschlagener Stimme die Narren im Saal begrüßt und das Duo Larissa Schrauder und Maike Staab mit einem Showtanz für offene Augen sorgten, hielt das mit Spannung erwartete Prinzenpaar samt Hofstaat und Garde Einzug in die voll besetzte Narrhalla.

Musikalisch stellten sich Prinzessin Eva II. und Prinz Bernd II. den närrischen Untertanen vor, und in der Radsporthalle war eines schon klar: Die Hainstädter Delegation um das Prinzenpaar Tobias und Carolin werden auch diesmal wieder für die nötige Stimmung im Publikum sorgen. Nach dem „Krotzeborjer Lied“ mit Klaus Kemmerer vom Frohsinn und dem überaus gelungenen tänzerischen Einstieg der „Schneehasen“, der Girlie-Power-Group von der Turnerschaft Klein-Krotzenburg (TKK), ließ Protokoller Gottfried Frickel in seinem 30. Bühnenjahr weder ein gutes Haar an der Welt- noch der deutschen Politik, sinnierte über die Fußball-Europameisterschaft, den Brexit, die Türkei und Donald Trump. „Mein einziger Kommentar zu diesem Mann?“ Stille. Kein Kommentar!

Glossierten gesanglich aktuelle Themen: die „Piraten“ des Volkschors.

Auch zum nunmehr 40 Jahre währenden „Zwangszusammenschluss von Hainstadt und Klein-Krotzenburg gab es nur eine Aussage: „40 Jahre Hainburg, das ist kein Grund zu feiern!“ Heftige Worte fand der Protokoller zum scheidenden Bürgermeister Bernhard Bessel, dem er zwar für sein „jederzeit offenes Ohr für Vereine“ dankte, ihm aber auch Stillstand in den zurückliegenden Monaten vorwarf. Wegen seiner regelmäßigen Besuche bei Jubilaren und Geburtstagskindern kürte der Protokoller Bessel zu „Hainburgs Häppchen-Bürgermeister“, was dem Noch-Rathauschef minutenlang das Lachen vermieste und einen bekannten Krotzenburger nach dem Protokoll zur Aussage verleitete: „Wir stehen jetzt nicht auf, wir bleiben sitzen.“

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Prinzessin Eva und Prinz Bernd regieren die Narren

Klar, dass auch die Flüchtlingsproblematik Thema war ebenso wie der neue Bürgermeister Alexander Böhn, der wie der Gemeindevertretervorsitzende Oliver Möser aus Hainstadt kommt. Frickel abschließend: „Da wechselt nun die politische Macht von Krotzenburg nach Hainstadt und isch saach Gud Nacht!“

Einige Gräben scheinen da auch nach 40 Jahren noch nicht überwunden, auch wenn es „nur“ Fastnacht ist. Weiter ging’s im Programm mit der Prinzengarde unter Leitung der aktuellen Prinzessin Eva Weih und Maren Eisner, dem Funkenmariechen Nicole Puth, dem „Zirkus-Tanz“ der Young Diamonds und „Oberlehrer“ Stefan Bonifer, der die Zweideutigkeit und die Probleme der deutschen Sprache gekonnt aufs Korn nahm. Oder wissen Sie, weshalb ein Feuerwehrmann, der 40 Jahre Brände gelöscht hat, eine goldene „Ansteck“-Nadel bekommt? Horror hat der „Oberlehrer“ auch vor Trennungen, nicht dass es dann irgendwann heißt „Narrhall-am-arsch“.

„Geheimnisvolles Indien“ präsentiert die Dance Company der TKK.

Brillant einmal wieder die „Cross Voices“ mit Stefan Weih vom Volkschor, diesmal als „Piraten“, für die bei der Zugabe noch lautstark Zugabe gefordert wurde, sowie der „Knüller des Abends“ zum Abschluss des ersten Sitzungsteils: „Dinner for one“ als närrisches Geburtstagsdinner mit Frau Mariechen (Carola Staab) und Butler Johann (Klaus Assenheimer). Wir nehmen nichts vorweg, man muss es gesehen haben vom Kreppel mit Lewwerworscht als Vorspeise bis zum Mattekuche.

„Kölsch“ wurde es dann mit dem Duo Diamonds (Selina Rohe und Katharina Reutlinger) und den „Hofsängern“ vom Frohsinn, die politische Themen ebenso gesanglich glossierten wie Lokales. Zwischendurch ein Dank an alle Aktiven hinter den Kulissen und an Alleinunterhalter Holger M., Augen auf fürs TKK-Männerballett, das als „Sangria Senioritas“ auftrat und Applaus für Handwerker Thomas Blumör, der zum einen „gute Nerven“ fordert, wenn man Handwerker braucht, aber denen auch Lob ausstellt. Bevor das Urgestein der Krotzeborjer Fastnacht, Elke Werner, allerlei lustiges übers Tanken, die Männer und eine russische Waage (Poweronoff) zum Besten gab, durfte Sabrina Salg zum dritten Mal an diesem Abend eine ihrer Tanzgruppen, diesmal die „großen“ Diamonds mit „geilem Leben“ präsentieren und Dunja Petzold mit der „Dance Company“ das „Geheimnisvolle Indien“.

Sitzung der ÖVV Klein-Krotzenburg: Bilder

Apropos geheimnisvoll. Der „Sitzungsknigge“ ist nicht vergessen. Erst noch das „Korz-Lang-Fett-Quartett“, dann das große Finale mit allen Aktiven und die Gewissheit, dass die Narren im Saal den erstmals veröffentlichten Sitzungsknigge beherzigt haben: Kaum Fremdspeisen und -getränke, die Bar im Kolleg blieb dicht, und besonders zu registrieren: Wesentlich mehr Ruhe und Aufmerksamkeit bei den Programmpunkten. Ein Helau der ÖVV!

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