Sitzungen der Karneval-Gesellschaft Egelsbach:

Lachen von Trump bis Weltstar Mach-Mal-Hell

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Mit dem Showtanz „Hollywood“ brachten die Fire Stars Schwung auf die Bühne.

Egelsbach - Mit zwei Karnevalssitzungen und einem Seniorennachmittag am Sonntag zelebrierten Egelsbachs Karnevalisten am Wochenende die Narretei. Von Timo Kurth

Die KGE kann stolz auf ihre zahlreichen Eigengewächse auf der Bühne sein, die die Sitzungen seit Jahren mit einem vielseitigen Programm füllen. Zwei voll besetzte Sitzungsabende in der Dr. -Horst-Schmidt-Halle mit jeweils gut vier Stunden Laufzeit sprechen für sich. „Herzlich willkommen“ heißt Sitzungspräsident Alexander Höhme die närrische Zusammenkunft mit dem KGE-Prinzenpaar an der Spitze. Im zweiten Teil der Veranstaltung trägt Höhme dafür sogar einen Turban auf dem Kopf – schließlich lautet das Kampagnenmotto der Karnevalisten „1001 Nacht“. Auf der Karte im Hintergrund ist Egelsbach kurzerhand zum Zentrum einer orientalischen Wüstengegend avanciert. Auch das Publikum spiegelt das Motto wider: Mumien, Bauchtänzer und der eine oder andere Scheich haben an den langen Tafeln in der karnevaltauglichen Sporthalle Platz genommen.

Neben vielen unterschiedlichen Gardetänzen sind es nicht zuletzt die Wortbeiträge, die die Vielseitigkeit einer KGE-Sitzung ausmachen. Seit nunmehr 18 Jahren verliest Thomas Geiß sein Protokoll, in dem er sich sowohl an der kleinen als auch an der großen Politik abarbeitet. Als Flaschengeist „mit Waschbrettbauch im Speckmantel“, blickt er auf das vergangene Jahr zurück. „Ein Jahr Trump in USA – so lange ist der Mann schon da! Der Mann, der meint, dass nur er kann’s: “I know how the bunny runs!”, persifliert Geiß. Neben „Schenkelklopfern“ findet Geiß wie üblich auch ernstere Töne: So schallt sein Appell für ehrenamtliches Engagement durch den Saal. „Wer unzufrieden ist und will alles kritisieren, der soll auch mal was machen und sich engagieren. Meckern ist einfach, draufhauen auch – doch etwas errichten, das ist’s was es brauch.“ Bei der Bürgermeisterwahl dürfe kein Bürger daheimbleiben – „egal, auf wen die Wahl fällt“.

„Gibt es denn zufällig eine Freiwillige, die die Toiletten putzen möchte“, fragt sodann Sitzungspräsident Höhme. Verhaltene Reaktionen im Publikum, aber siehe da: Carina Werner springt ein, und zwar als büttenredende Putzfrau. Mit viel Wortwitz berichtet sie von ihrem Arbeitsalltag. „Ich will nicht mehr voll schaffe geh’n. Da hab’ ich keine Lust mehr drauf. Weil: Nüchtern geht’s doch auch, oder?“ Das Publikum freut sich über das junge Büttentalent und klatscht Beifall zum von Werner verkündeten Abgang: „Ich muss jetzt wieder gehen, denn mein Mann hat Fliesen verlegt. Mal gucken, ob wir die zusammen wiederfinden.“

Monique Theuerkauf hat sich für die Sitzungen kurzerhand das Bauchreden angeeignet. Sie erweckt eine Puppe zum Leben, die freilich ihrem Mann Pierre verdächtig ähnlich sieht. Apotheker Theuerkauf gibt Stoffpuppe Knuti – das Tandem sorgt für einen der Höhepunkte des Abends. So schildert Knuti etwa seine Fahrprüfung, bei der er leider durchgerasselt ist: „Ich sollte in einen Kreisel fahren und da stand ein Schild mit einer 30 drauf. Tja, dann bin ich eben 30 Mal im Kreis gefahren.“ Als wäre das nicht genug, fügt Knuti hinzu: „So ein Mist, ich hab’ mich auch noch verzählt.“ Als Knuti und Bauchrednerin Monique auch noch ein Klaviersolo zum besten geben, wird die erste Rakete im Publikum gezündet.

Bilder: KGE-Sitzung in Egelsbach

Im zweiten Teil des Programms zu Gast ist schließlich auch ein indischer Weltstar des Schattenspiels. Herr Mach-Mal-Hell, in Egelsbach eher bekannt als Andreas Schweitzer, weiß „Only with the help of my two hands“ das Publikum zu begeistern. Mit dem trommelspielenden Kollegen Rasma (Markus Ehrenhöfer) und klischeehaftem „Denglisch“ inklusive hessischem Akzent wirft er Schattenfiguren wie beispielsweise den zahnlosen „Schäferdog“ an die Wand. Die hohe Kunst des Schattenspiels bringt Schweitzer sodann per Crashkurs dem begeisterten Auditorium nahe – nicht ohne sich permanent bei seinen beiden Händen, der Glühbirne und der Leinwand zu bedanken. „Thank you shadow, thank you wall“ heißt es da immer wieder.

Zum Abschluss der Sitzung stehen Reiner und Olaf, alias Timo Kurth und Bastian Schächer, auf der Bühne. Aus der Videoaufzeichnung der Egelsbacher Sitzungen 2017 des lokalen Fernsehsenders OF-TV wurde das Duo aus bisher unbekannten Gründen herausgeschnitten. Sichtlich verletzt darüber hinterfragen beide die Gründe. „Olaf, nimm’s mir net übel, aber du hast halt doch eher ein Gesicht für’s Radio“, lautet Reiners spontane Einschätzung.

Das große Finale vereint sämtliche Darsteller, Elferrat und Prinzenpaar auf der Bühne. „Wir freuen uns, dass das hier jedes Jahr so fantastisch funktioniert“, kommentiert der Vorsitzende der Karneval-Gesellschaft, Michael Lama, nach der Veranstaltung zufrieden.

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