Sitzung in Mühlheim

TKG Sonnau im neuen Gewand

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Das Heddernheimer Dreigestirn mischte mit flotten Verkleidungen den Saal auf.

Mühlheim - Mit Beiträgen von Eigengewächsen, von Senioren und Kindern sowie mit hochklassigen Auftritten von Vertretern befreundeter Vereine hat die Tanzsport- und Karnevalsgesellschaft (TKG) Sonnau ihr neues närrisches Gewand vorgestellt – und das steht ihr ausgesprochen gut. Von Michael Prochnow 

Auf der Suche nach einer neuen Identität, nach einem neuen Platz in der Welt der fastnachtsverrückten Mühlenstadt ist die Sonnau nun also in der Gut Stubb gelandet. Der Schritt erschien gewagt, doch er gelang, weil das Miteinander der Karnevalisten funktioniert. Die angekündigten Stars waren diesmal wirkliche Könner und keine Namen, die nur in Verbindung mit einer TV-Schmonzette wirken.

Udo Stalp, zum Beispiel. Der ist daheim in „Klaa Paris“ Sitzungspräsident des Karneval- und Tanzsportclubs Fidele Nassauer Heddernheim und eröffnete den Reigen mit einem geschliffenen Protokoll. Mit der Erkenntnis „wo Rechte sind, da sind auch Pflichten“, spielte er auf die Ängste gegenüber Zuwanderern an, verurteilte den „Brexit-Clown Boris Johnsson“ mit dem Fazit: „Verkauft wird Unsinn“. Auch aus Terrorgefahr und dem künftigen US-Präsidenten formte er ein paar deftige Zeilen. Mühlheim kennt der Nassauer freilich nicht so gut.

Aus demselben Frankfurter Stadtteil, vom Heimatverein Käwwern, kam das Heddernheimer Dreigestirn. Das mischte den großen Saal mit „kurzen Beinen“ so richtig auf, verbreitete Stimmung mit Musik und in Verkleidungen als Schlagergrößen wie Andrea Berg, Wolfgang Petry und Bläck Fööss. In guter Erinnerung bleibt auch die Showtanzgruppe Tanzrausch der Fastnachtsfreunde St. Wendelinus Hainstadt. Unter feuerroten Perücken oder ebensolchen Bärten trugen Frauen und Männer grüne Fracks, Fässchen und Tabletts mit irischem Bier. So zeigten sie ein flotte und akrobatische Choreographie.

Sitzung des Mühlheimer Karnevalsvereins Sonnau

Das gilt auch für die Solotänzerinnen Pia Zeiler-Bauer vom KJCSV Frankfurt und Fabienne Dußmann aus Mühlheim, die die rhythmische Fastnachtstradition vertraten. Die größte Gaudi bot „Hessens beliebtestes Ehepaar“, wie Stephan Mündelein die „Schwerdtfegers“ aus Frankfurt ankündigte. Die „Silber-Braut“ Brigidde ließ sich von „Ehemann“ Herbert fragen und filmen, um sich fürs Fernsehquiz zu bewerben. Mehr für die Optik tat das Männerballett Assenheim mit einer „Maschine zum Gedankenlesen“, um die sie als Schweizer Bergbauern tanzten – ein aufwendiger, witziger und sportlicher Auftritt.

Da hatte es das Bürgermeister-Kabarett zu später Stunde schwer. Bernd Klotz eröffnete mit Dichtkunst, das Duo präsentierte anschließend die Gießkanne als Kontaktbörse auf dem Friedhof und die Grünen zeigten sich als Baumschützer im Bürgerpark. Karl-Christian Schelzke drosch als schimpfender Rohrspatz „Gernot Hassknecht“, Kabarettist aus der ZDF-Heute-Show, auf den künftigen amerikanischen Präsidenten ein, Daniel Tybussek lispelte als Reich-Ranicki und fürchtete einen Lexit, Lämmerspiels Flirt mit Hausen. Zum talentierten Nachwuchs der Sonnau zählt Elias Schwemmler. Erstmals in der Bütt’ schilderte er flüssig und sicher die „Midlife-Crisis“ seines Opas. Mit großen Gesten und Worten plauderte Teenager Ilka Spruck.

Bilder: Fastnachtssitzung der Sonnau in Mühlheim

Roland Deiß schimpfte über die Unarten seines Enkels, Andy Franz ließ sich Untaten seiner Bauchredner-Puppen Konrad und Angelo auftischen. Stimmung verbreitete auch hier der Gesang, zum Beispiel: Hans Alberts’ „Auf der Reeperbahn“. Vornehmer, im Papageien-Frack, gewann Sonnaus Andy Sommer mit Partnerin Luana Joline das Publikum mit deutschen Schlagern. Das Finale leitete der Hanauer Reinhard Paul ein, der Elvis genauso authentisch kann wie Jürgen Marcus und Udo Jürgens. Da war’s dann aber schon um 1 Uhr in der Frühe …

Benefizgala der TKG Sonnau

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