Machtlos gegen Mollbach

Sturm auf Städte- und Gemeindebund: Schlips hat keine Chance

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Mühlheim - Zum dritten Mal haben die Narren den Hessischen Städte- und Gemeindebund (HSGB) im Sturm erobert. Närrische Regenten aus dem ganzen Rhein-Main-Gebiet besetzten den Bau in der Roten Warte und empfingen Stars und Sternchen. Von Michael Prochnow 

Bei Monika Noll muss die undichte Stelle gelegen haben. Die HSGB-Mitarbeiterin stellte sich mit einem guten Dutzend Kolleginnen schützend vor den Verwaltungsbau mit der Hausnummer 13. Doch da trug sie schon den gelb-grünen Schal, der sie als Gesandte der anderen Seite verriet: Die Tanz- und Karnevalsgesellschaft Sonnau mit ihrem Sprachrohr Stefan Mündelein als Speerspitze hatte sich mit Tollitäten aus Nah und Fern verbündet, um den kommunalen Spitzenverband als Sündenbock für die nicht einzunehmenden der 404 Rathäuser im Hessenland zu stürmen.
Direktor Karl-Christian Schelzke hatte sich Verstärkung angelacht. Neben der Damenriege seiner Verwaltung waren sein Nach-Nachfolger, Bürgermeister Daniel Tybussek, und Stadtverordnetenvorsteher Harald Winter angerückt. Aus Fenstern versuchten sie, die Narrenschar mit faden Witzchen abzulenken, unten hatten sich Models, Hexen, Hippies und Cowgirls eingehängt, bereit zum Schunkeln.

Doch soweit sollte es nicht kommen. Gabi Mollbach, 52. Ritterin der Sonnau, ergriff die Initiative und warf sich mit all ihren körperlichen Argumenten gegen die Wand der Schönen. Prinzenpaare und Kanoniere rückten nach. Da halfen auch die Süßigkeiten aus Tybusseks Schatztruhe nicht mehr.

Im Beute-Bau begrüßte Mündelein Hoheiten und andere Regenten aus Frankfurt, Offenbach, Groß-Gerau, Büttelborn, Obertshausen und der Mühlenstadt. Conny I., Frankfurter Lieblichkeit, Melissa I., Prinzessin aus dem Hause der Katholischen Karnevalisten der Mühlenstadt, und Ritterin Gabi griffen zur Schere und den herabhängenden Symbolen der Männlichkeit. Auch wenn den Gelb-Grünen das Werkzeug fehlte; Hausherr Schelzke musste der Angreiferin seine Nagelschere überlassen!

Die Gaudi war eingebettet in hochklassige Unterhaltung. Da wetterte Protokoller Ralf Falkenstein vom Kostheimer Carneval-Verein über Trump, GroKo und „Obergrenzen“. Den Augenschmaus brachte eine amtierende Europameistern in den Saal – Tia Hildenhagen vom Turnverein Hausen gab das Tanzmariechen.

Narren stürmen Städte- und Gemeindebund: Bilder aus Mühlheim

Macher Mündelein kündigte auch Markus Moerl an, den nicht nur Angehörige der 80er-Generation verehren, weil er mit seinem Maserati 210 fährt. Er will „Spaß“ und und kriegt ihn endlich auch. Zum Taschenlampen-Lied schwenkten Prinzessinnen Handylichter.

Uli Ackermann mit DJ-Ötzi-Kappe und Diana Eitel mit Schlitz im Kleid schmetterten die ersten Stimmungslieder. Zum Finale legte sich Sonnau-Röhre Reinhard Paul in Ballermann-Manier ins Zeug. Schelzke verabschiedete sich begeistert. Er habe ja nie was mit Fastnacht am Hut gehabt... „Aber mit der Tradition können wir uns mit unserer Heimat identifizieren!“

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