Offenbacher Senioren feiern ausgelassen Rosenmontag

Tanzende Bananen zum Frühstück

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Beim närrischen Leberkäs-Frühschoppen feierten die Offenbacher Senioren ausgelassen in der Stadthalle; Tanzgruppen wie die „Girlies“ von St. Wendelinus Hainstadt begeisterten nicht nur durch Akrobatik, sondern auch mit ihren ausgefallenen Kostümen.

Offenbach - Sie beweisen, dass sie noch lange nicht zum „alten Eisen“ gehören: Die Besucher des OKV-Seniorenvormittags schunkeln, singen und lachen am Rosenmontag kräftig mit, während die Aktiven auf der Bühne Tanz, Musik und Büttenreden darbieten. Von Julia Radgen

Dazu geben sich aktuelle und einstige Tollitäten die Ehre. Während anderswo an Rosenmontag Fastnachtsumzüge ins Wasser fallen, feiern bei der Traditionsveranstaltung des Offenbacher Karnevalvereins (OKV) Fastnachtsfreunde, Aktive und Politiker sturmgeschützt drinnen den Höhepunkt der fünften Jahreszeit. „Hoffen wir, dass das Dach der Stadthalle hält“, scherzt Michael I., der zusammen mit seiner Prinzessin Simone Andrea I. das Prinzenpaar bildet, über den Sechzigerjahre-Bau. Zahlreiche ihrer „Vorfahren“ sowie die Frankfurter René I. und Dani I. geben sich an diesem Vormittag die Ehre. Aktuellere städtische Bauprojekte sind hingegen Thema in der Bütt. Jürgen Kofink von der Gemaa, Chef des Protokolls, widmet sich neben Fifa- und Abgasskandal der Lokalpolitik. „Die Stadt hat beteuert, unser Hafen wird runderneuert“, sagt Kofink und lobt das Bauprojekt als „gutes Beispiel für moderne Stadtenwicklung“. Das andere Offenbacher Großprojekt, der Marktplatzumbau, wird von Kofink mit schärferen Worten – pardon Reimen – kommentiert: „Die Verkehrsführung ist abstrus, da geht man lieber zu Fuß.“ Schließlich richtet der Protokoller seine Frage an die anwesenden Magistratsmitglieder, OB Horst Schneider und Stadtrat Felix Schwenke: „Habt ihr das Bürgerwohl denn noch im Blick?“

Ebenfalls kritisch blicken Marktfrau Dagmar Winter und ihr Sohn Maxi von der Ranzengarde als Streichholzkarlchen im Zwiegespräch auf das Jahr zurück: von der Flüchtlingsaufnahme („Man überlegt, was wichtig ist – eine neue Heimat zu geben oder Sportunterricht“), den roten Zahlen der Stadtkasse bis zum Städtebau („die neue städtische Zier, dem Senefelder sein Quartier“). Neben aller Kritik wird’s auch fröhlich und ausgelassen in der Stadthalle. Dafür sorgen die Pretty Girls der Gemaa, die ihr Publikum nach Italien entführen und die Showtänzerinnen der Stadtgarde, die sich in rotem Jackett und Bärenfellmütze als britische Palastwachen geben. Die „Olle Dolle“ vom Verein Offenbacher 03 nehmen als Sherriffs, Indianer und Pferdchen „Country Roads“ in den Wilden Westen und bringen den Saal zum Tanzen.

Die Aktive des TSC-Fantasy tanzt krankheitsbedingt solo und die acht Damen der BWR als Cheerleader. Die „Girlies“ von St. Wendelinus in Hainstadt fallen in knallgelben Kostüme mit Bananen als Kopfschmuck auf und beeindrucken durch Spagat und Hebefiguren. „Nur bei uns gibt’s tanzende Bananen zum Leberkäs-Frühstück“, scherzt Moderator Simon Isser dazu. Die Musik während der gut dreistündigen Sitzung liefert das Blasorchester der Sportunion Mühlheim. Hausmann Klaus Vogl vom 1. Langener Karnevalverein erheitert mit ungewöhnlichen Küchenmethoden und Wolfgang Braun von den Kolpingelfern plaudert aus dem Biobauer-Alltag.

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Selbst die jüngsten Aktiven sind fester Teil des Programms: So zeigen die Sechs- bis Achtjährigen der Bürgergarde eine Tanzdarbietung, angelehnt an den Disneyfilm Frozen. Auch „Burgillas“ Kinderprinzenpaar hat schulfrei bekommen. Die Ranzengarde vertreten Prinz Niklas und Prinzessin Annika, die danach als gruselige Blutsaugerin mit den anderen Raga-Mädchen den „Tanz der Vampire“ aufführt. Um die Kappenfahrt müssten die sich nicht sorgen. Isser verspricht: „Wir haben eine Standleitung zum Wetterdienst“, demnach sehe alles gut aus. Zum Glück: Dann kann die Narretei weitergehen bis an Aschermittwoch alles vorbei ist, wie die „Randstaajodler“ der Kolpingelfer singen.

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