Orkan statt Wirbelwind

Ulrike Eich ist neue Zugmarschallin beim Mühlheimer Karneval-Verein

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Wie es sich gehört, mit untertänigem Kniefall: Ulf Walther, in der vergangenen Kampagne Hofmarschall des Mühlheimer Karneval-Vereins, überreicht seiner Nachfolgerin Ulrike „Uli“ Eich die Insignien der Macht.

Mühlheim - Wo haben sie diese grandiose Fastnachtsnase die ganzen Jahre bloß versteckt. Ulrike „Uli“ Eich, bei Mühlheims Karneval-Verein (MKV) die neue Zugmarschallin, wäre der Titel närrischer Wirbelwind zu klein. Stattdessen machen sich die Spaßbeseelten besser auf einen Orkan gefasst. Die Chefin der Chefs wurde gerade gekürt. Von Michael Prochnow 

Andreas Sattler, Präsident der Feuerwehr-Sitzung und Nummer 12 unter den Zugmarschallen, stellte die 23. Inhaberin des höchsten Amts beim Mühlheimer Karneval-Verein (MKV) vor. Mit ihm und dem 6. Marschall Peter „Conno“ Nohl besuchte die Würdenträgerin die „legendäre Realschulklasse von Anita Ruhmann“ an der Friedrich-Ebert-Schule. Die zweite Tochter der Wirtsfamilie bei Kickers Victoria schloss sich schon früh dem Verein an, war 1977 eine der Majoretten und stellte ihr Können vor ihrer Kürung unter Beweis. Klassenkamerad Sattler lobte sie als „großes Organisationstalent, sie weiß, was sie will“.

Die Eltern waren bereits Prinzenpaar, „Schwester Renate hat’s ihr vorgemacht, war Prinzessin beim LCV und ebenfalls Zugmarschallin“, erfuhren die Gäste aus einem guten Dutzend Fastnacht treibender Vereine im Saal. Die neue Chefin der Fastnacht studierte Wirtschaft, wagte den Schritt ins Unternehmertum, führte Schülers Lädchen, die Weinstube Chalet, das Bistro Chaiselongue und jetzt ebenso erfolgreich den Kiosk im Stadtzentrum.

Die MKVler hatten Uli „schon lange als Idealbesetzung auf dem Radar – jetzt hat’s geklappt“, freute sich Sattler. Der Auserwählten waren „die Knie ganz weich“, gestand sie. Daheim im Unnerort komme sie „von Müllem net los: Ihr hab mich richtig sesshaft gemacht, ich bin und bleib’ e Müllemer Mädche’“, verkündete Ulrike Eich stolz. „In meinem Lade’ gibt’s viel, mancher von euch kauft auch den neuesten Playboy, rubbelt – aber net mich, sondern Lose“, amüsierte sie ihre Zuhörer. Sie schwimmt gerne, fährt Rad. Und wenn’s sein muss, fährt sie mit dem „Entchen“ durch die Gassen. Sie wünscht sich eine „richtige Fassenacht nach alter Sitte“, damit die Traditionen nicht verloren gehen. „Und denkt dran, „ich bin die Uli, und ich laaf vorneweg“.

Von ihrem Vorgänger Ulf Walther erhielt sie die Robe, „mit der ist sie vor jedem Wetter gefeit“, kommentierte Kanzler Thomas Lauf. Dann erhielt sie den Orden. Und viele gute Wünsche von Politikern und Karnevalisten.

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Zum Abschied würdigte Lauf den 22. Zugmarschall Ulf Walther, „er hat es genosse’, war wie befreit, ist nachts von einem Termin zum nächsten gehetzt und „ist ein Pfundskerl mit reichlich Humor“. Ein letztes Mal war er mit der Garde zu seiner Hymne „Hulapalu“ einmarschiert: „Ihr ward alle lieb und nett zu mir“, zählte er die Vereine aus Hanau, Obertshausen und Mühlheim auf. Und versprach, „ich bleib’ Müllem treu“.

Und zwar als „Jahrespraktikant“ im MKV. „Zugmarschall Dr. Bernd Kugler war ein Jahr lang Praktikant“, erklärte Kanzler Lauf. „Als Vizekanzler soll er uns nun begleiten, hier und da der Zugmarschallin den Weg bereiten.“ So wurde ein Praktikantenplatz frei.

Auch mit kleiner Besetzung eröffneten die Firedrums die Inthronisation lautstark. Fünf Crazy Kids ab sechs Jahren wirbelten über die Bühne, manche standen erstmals auf ihr. Nur Franziska Fuhl tat das das letzte Mal – vorläufig, als Trainerin. Das Männerballett präsentierte sich spektakulär und sportlich als Football-Spieler und Cheerleader. Und Ute Kraus-Jung legte mit ihrem Protokoll die Finger in Wunden.

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