Hausgemacht, aber nicht hausbacken

Karnevalisten des KSV bestreiten Sitzung überwiegend mit eigenen Akteuren

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Hänsel und Gretel in einer Orwisch-Impro-Version – ein schließlich der Thomashütten-Problematik.

Das Markenzeichen für die Urberacher Fastnacht ist der KSV, ohne den es keinen Rosenmontagszug gäbe und keine „Fremdensitzungen“. Wobei diese Bezeichnung beim KSV falsch ist, denn dort sind Freunde auf der Bühne, wie man auf jeder Sitzung spüren kann.

Urberach – Der eher urwüchsige Zauber und kraftstrotzende Charme der vielen Gruppen liegt hier eindeutig im unvergleichlichen Spaß, den die Akteure selber haben und den sie auch brühwarm vermitteln. Sie machen sich selber gerne „zum Affen“, lachen selbst am meisten über kleine Pannen, präsentieren sich wie eine große Familie, wo jeder sein darf, wie er ist.

Viele der Bühnengruppen hatten diesmal eine Verjüngungskur hinter sich: sowohl die junge Garde von „Spirit of Music“ als auch die drei Tanzgruppen. Von der Mini-Garde über die „Red Diamonds“ bis zum „Gardeteam Red“ war manches neu im Team, ebenso bei den „Ladykrachern“, die mit einem Totentanz beim mexikanischen „Dia de los Muertos“, begeisterten.

Zu Jubelstürmen unter den Zuhörern rissen aber auch die Montagsfrauen hin: sowohl mit ihrem Mülltonnen-Manamana als vor allem mit ihrem wunderbaren Quartett samt Gitarrenbegleitung, das sich einig war: „In jeder Frau steckt ein Stück Hefe! Das kleine Luder tut, als ob es schliefe!“ – nicht nur die Damen im Saal kannten das...

Schillernde Playback-Show auf der Bühne. Ein Thema natürlich: die Liebe. Fotos: ziesecke

Allseits bekannt waren auch die Fakten beim neuen „Hänsel und Gretel“ eines Impro-Teams des KSV im Orwischer Mischwald rund um die just geschlossene Thomashütte („...diese vielen Handys: mer konn heitzudach net emol mehr a Kind im Wald aussetze – des find ja wieder hoam!“) Immer ein großer Spaß: die Duette etwa zwischen den zwei Damen am Strand (Helga Maaß-Bender und Claudia Bahnen), die ausgesprochen lokal koloriert mit einem Liegestuhl und einer Umkleidevorrichtung kämpfen: „Der Jörg, der Burjermoaster, der guckt schon dauernd so bleed her...“ 

Auch das Dummgebabbel von Renate San Nicolas und Lydia Suderleith auf dem Weg zum Pfandautomaten, um die vielen Sektdosen zu entsorgen, zeugte von viel interner Kenntnis – etwa über die Kaffeeorgien bei den oft traurigen Heimspielen der KSV-Kicker. Zwei ungleiche Schwestern (Maria Herzog und Ute Justen) suchten händeringend einen Mann. Und auch Sitzungspräsident Lars Löbig trat mit Holger Behnicke herzerfrischend als Ordnungsbeamter vor dem Rosenmontagszug auf. Akustisch wie optisch spannend wurde es mit einem Solo von Anna Maria Pavlicek und mit einem Auftritt des Tanzmariechens Nadesh Steiger.

Gäste aus „dem Ausland“ waren die Musikgruppe „Einmalig“ aus Egelsbach mit einer Schlagerrevue und die Tanzgruppe „Amaya“, die in ihrer Heimat Hergershausen keine Auftrittsmöglichkeit haben und hier viel Beifall ernteten. Wieder einmal von den Einen mit schrillem Kreischen belohnt, von Anderen eher als kaum erträglich empfunden: Bernd Kosellek als „ganzer Kerl“ – der Titel lässt den Rest erahnen.

Ganz großen Stil dagegen hatte das Protokoll, wie alle Jahre von Präsidiumsmitglied Bastian Lamprecht gehalten – keine Tiefschläge, sondern nachvollziehbare Rückschau auf die außenpolitischen Ereignisse im letzten Jahr, dazu lokale Highlights wie Bürgermeisterwahl oder Zebrastreifen-Schildbürgerei.

Optisch brachte es neben den glanzvoll verkleideten Außerirdischen Ute Steiger und ihrer Tochter Nisha mit den entführten Künstlern der neuen Deutschen Welle vor allem das Dibbehäuser Hofballett: Die Trainingsstunde ohne Trinkpause, in rosa Tutus und mit unvergleichlicher Grazie; reizte zu Lachtränen im Saal. Ein Lob allen, die sich selber so wunderbar auf den Arm nehmen können! Nochmal gibt’s dies zu erleben am Samstag, 8. Februar, dann schon seniorenfreundlich um 18.33 Uhr.

VON CHRISTINE ZIESECKE

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