Die Heiler der Leber

Behandlungserfolge des Leberzentrums am Uni-Klinikum

Frankfurt - Bundesweit leiden etwa 400.000 Menschen an chronischer Hepatitis C. Doch nur jeder Zweite weiß davon. Von Harald H. Richter

Das 2007 am Uni-Klinikum Frankfurt gegründete Leberzentrum behandelt Patienten mit drei wegweisenden Therapien: einer Wirkstoffkombination zur Heilung, einem operativen Verfahren zur Leberteilung und eine Thermotherapie zur Tumorbekämpfung. „Vor über 13 Jahren wurden bei mir unerklärlich hohe Leberwerte festgestellt“, schildert Manfred Tabler. Gegen Hepatitis A und B war er geimpft, eine Hepatitis-C-Infektion schloss er aus, zumal er sich weder Tattoos noch einen Seitensprung geleistet hatte. Bis 2007 stiegen seine Leberwerte so dramatisch, dass sein Arzt einen Test veranlasste, der den Verdacht auf eine Typ C-Erkrankung bestätigte. „Vor 1990 hatte ich bei einer Operation Bluttransfusionen erhalten, so dass die Infektion wohl da herrührte.“ Eine fünf Jahre dauernde Behandlung mit Interferon blieb wirkungslos.

Die Viren vermehrten sich, Toblers Kreislauf schwächelte, dazu Atemnot, Fieber und trockene Haut. 2012 erfuhr er von einer Studie unter Federführung des Leberzentrums am Uni-Klinikum Frankfurt und ließ sich aufnehmen. „Wir haben eine Wirkstoffkombination aus Sofosbuvir und Velpatasvir angewendet und Patienten für die Dauer eines Vierteljahres damit behandelt“, berichtet Prof. Stefan Zeuzem, Direktor der Medizinischen Klinik 1. Diese Abteilung bildet mit dem Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie sowie der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie das Leberzentrum. Tabler wurde täglich eine Tablette verabreicht. Gegenüber Interferon gab es kaum Nebenwirkungen. „Nach vier Wochen war ich virenfrei“, sagt der Offenbacher, der demnächst sein 77. Lebensjahr vollendet. „Dabei ist es bis heute geblieben, ich fühle mich vital.“

Für die Mediziner des Leberzentrums bedeutet ein solcher Behandlungserfolg einen großen Schritt nach vorn. Die Relevanz der Forschungsergebnisse ergibt sich vor allem aus der universellen Einsetzbarkeit. „Wir haben die schonende Wirksamkeit eines Medikaments nachweisen können, das bei allen Typen der Krankheit sehr effektiv ist. Das erlaubt uns die Heilung fast aller Hepatitis-C-Patienten weltweit. Denn in Zukunft können nicht nur spezialisierte Zentren diese Therapie einsetzen, sondern alle dezentralen Behandlungsstandorte“, betont Zeuzem und spricht von „einer Revolution“. Mehrere Länder mit einer hohen Durchseuchung hätten nationale Gesundheitspläne aufgelegt, um das Virus vollständig zu bekämpfen. Derartige Pläne gebe es in Deutschland nicht, weil das Medikament hier sehr teuer sei.

Dauermüde - Mit chronischer Erschöpfung leben

Bei der Behandlung von Leberkrebspatienten ist ebenfalls eine dauerhafte Heilung möglich und zwar durch die chirurgische Entfernung der Metastasen. Vorausgesetzt nach der Organteilung bleibt ausreichend funktionsfähiges Gewebe übrig. Das Leberzentrum setzt in diesen Fällen eine selbstentwickelte Methode ein. Das ALPPS abgekürzte Verfahren sieht zunächst vor, den befallenen Teil der Leber vom gesunden abzutrennen und die Blutzufuhr ins kranke Gewebe zu unterbinden. „Der intakte Teil wird dadurch stärker durchblutet und vergrößert sich in kurzer Zeit deutlich“, so Prof. Wolf O. Bechstein, Direktor der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie. Nach etwa zehn Tagen kann diese Neubildung die Aufgaben der Leber allein bewältigen. „Befallenes Gewebe lässt sich nun aus dem Körper entfernen, der Rest des Organs ist danach frei von Metastasen.“ Und Studien hätten bestätigt, „dass die ALPPS eine vielversprechende Therapie für Patienten ist, für die keine anderen Behandlungsoptionen bestehen“.

Pionierarbeit leisten die Frankfurter um Prof. Thomas Vogl, Direktor des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, auch mit einem neuen Verfahren, das Patienten hoffen lässt, bei denen Leberkrebs zurückgekehrt ist. Ein Thermo-Laser bekämpft die Zellen, in dem durch eine dünne Sonde unter lokaler Betäubung minimalinvasiv Strahlung auf den Tumor geschossen wird, was die Krebszellen kontrolliert erhitzt und zerstört. Das Verfahren fördert die körpereigene Immunabwehr für eine langfristige Heilung. „Die Methode belastet den Patienten kaum“, sagt Vogl.

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