Mögliche Nebenwirkungen im Überblick

Muskel- und Kopfschmerzen nach Corona-Impfung: Wie sicher ist die Immunisierung gegen Covid-19?

Der in der EU zugelassene Impfstoff von Biontech/Pfizer „Comirnaty (BNT162b2)“ wird seit Ende Dezember 2020 in Deutschland verimpft. Bis Sommer 2021 soll jeder, der sich impfen lassen möchte, gegen Corona immunisiert werden.
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Der in der EU zugelassene Impfstoff von Biontech/Pfizer „Comirnaty (BNT162b2)“ wird seit Ende Dezember 2020 in Deutschland verimpft. Bis Sommer 2021 soll jeder, der sich impfen lassen möchte, gegen Corona immunisiert werden.

Seit Ende Dezember 2020 steht die Corona-Impfung in der EU zur Verfügung. Um eine informierte Entscheidung dafür oder dagegen zu treffen, sollten Sie folgende Fakten kennen.

  • Allein in Deutschland sind bisher über 1,3 Millionen Menschen an Covid-19 erkrankt und mehr als 22.000 Menschen daran gestorben. Weltweit verzeichnet das Johns Hopkins Coronavirus Resource Center 87.323.709 Coronavirus-Infektionen und 1.885.869 Todesfälle (Stand 7. Januar 2021).
  • Corona-Impfungen sollen die Pandemie eindämmen und so auch wieder Normalität im Alltag einkehren lassen.
  • In Deutschland sind bislang zwei Impfstoffe zugelassen: Ein Präparat des Herstellers Biontech mit Pfizer und ein Vakzin des US-Konzerns Moderna. Die Entscheidung für eine Corona-Impfung ist freiwillig und birgt viele Vorteile. Doch auch Nebenwirkungen wurden beobachtet – die allerdings bei anderen Impfungen auch auftreten können.

Es gibt nicht ausreichend Impfstoffdosen für alle, die sich gegen Corona impfen lassen möchten. Entsprechend hat die Bundesregierung eine Corona-Impfverordnung herausgegeben, die eine Impf-Reihenfolge vorgibt*. Zuerst sollen demnach diejenigen geimpft werden, die das höchste Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf haben und auch Menschen, die einem hohen Ansteckungsrisiko ausgesetzt sind. Über 80-jährige Heimbewohner und auch Pflegepersonal fallen damit in die Gruppe mit „höchster Priorität“. Nach und nach wird dieser Kreis erweitert – davon abhängig, wie viel Impfstoff den Ländern zur Verfügung steht. Bis Sommer soll es dann für alle Deutschen das Angebot für eine Corona-Impfung geben, so Gesundheitsminister Spahn im ZDF-Interview.

Für eine Impfung spricht, dass sie zum einen Schutz vor schweren Corona-Krankheitsverläufen bietet. Zum anderen trägt sie zur Eindämmung der Pandemie bei. So soll der Weltgesundheitsorganisation WHO zufolge der Effekt der Herdenimmunität einsetzen, wenn sich rund 70 Prozent der Bevölkerung für eine Impfung entscheiden, wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland berichtet. Infolge würden Lockdowns und andere – wirtschaftliche und persönliche – Einschränkungen der Vergangenheit angehören. Doch eine Impfung kann – wie die Einnahme von Medikamenten oder andere medizinische Therapien – auch Nebenwirkungen zur Folge haben, wie Erfahrungsberichte zeigen. Es gilt also abzuwägen: Überwiegen die Vor- oder Nachteile einer Corona-Impfung? Das Robert Koch-Institut (RKI) als Bundesinstitut für Infektionskrankheiten und nicht übertragbare Krankheiten spricht sich für eine Impfung aus. „Durch die Impfung wird eine relevante Bevölkerungsimmunität ausgebildet und das Risiko schwerer Covid-19 Erkrankungen sehr stark reduziert“, heißt es auf den Seiten des RKI.

Corona-Impfung pro und contra: Was spricht für die Corona-Immunisierung?

Die Corona-Impfung selbst gilt als sicher, verträglich und wirksam. Für eine Impfung spricht dem Bundesgesundheitsministerium zufolge außerdem, dass die Qualitätsanforderungen im europäischen Zulassungsverfahren sehr hoch sind. Wie das Bundesgesundheitsministerium weiter informiert, haben die bisher in Deutschland zugelassenen Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna die klinischen Studien erfolgreich in drei Phasen durchlaufen. Vor allem die klinische Phase III ist dem Bundesgesundheitsministerium zufolge sehr breit angelegt worden. Mehrere tausend bis mehrere zehntausend Freiwillige werden in dieser Phase geimpft und die Studienleiter erforschen, ob der Impfstoff gegen eine Infektion schützt und welche möglichen Nebenwirkungen auftreten.

Wie bei jeder Impfung kann man dem RKI zufolge auch bei den neuen Impfstoffen gegen Covid-19 Impf­reaktionen und Neben­wirkungen nicht gänzlich ausschließen. Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat den Impfstoff von Biontech/Pfizer, der seit Ende Dezember in Deutschland verimpft wird, in Hinblick auf Nebenwirkungen analysiert. Dabei wurde die Häufigkeit von Impfreaktionen und Nebenwirkungen, die innerhalb von bis zu 14 Wochen nach Verabreichung des Biontech-Impfstoffs auftraten, mit einer Placebogruppe verglichen, die mit Kochsalzlösung „geimpft“ wurde.

Lesen Sie auch: Corona-Impfung: So lange sollten Sie davor und danach auf Alkohol verzichten.

Überblick über mögliche Nebenwirkungen des Impfstoffes von Biontech/Pfizer

Folgende Nebenwirkungen und Impfreaktionen sind möglich, wenn Sie sich gegen Corona impfen lassen. In den allermeisten Fällen sprechen die körperlichen Beschwerden allerdings für eine unbedenkliche Reaktion des Körpers auf die Immunisierung.

  • Lokale Reaktionen: 83 Prozent der Geimpften berichten über Schmerzen an der Einstichstelle, sechs Prozent über eine Rötung und ebenfalls sechs Prozent über eine Schwellung an der Stelle. Bei den Ü-55-Jährigen kam es seltener zu lokalen Reaktionen.
  • Systemische Reaktionen: Nach der ersten Corona-Impfung klagten 47 Prozent der Geimpften über Abgeschlagenheit, 42 Prozent über Kopfschmerzen und 21 Prozent über Muskelschmerzen. Nach der zweiten Impfdosis kommt es ähnlich häufig zu diesen Reaktionen, wie die Stiko informiert. Eine interessante Beobachtung: Wo 47 Prozent der mit dem Biontech-Wirkstoff geimpften Personen über Abgeschlagenheit klagten, berichteten 33 Prozent der Menschen, die mit dem wirkungslosen Placebo geimpft wurden, ebenfalls über Abgeschlagenheit. Über Kopfschmerzen klagten 42 Prozent der mit Wirkstoff Geimpften und ganze 34 Prozent der mit Placebo Geimpften.
  • Schwere unerwünschte Ereignisse: Die Stiko berichtet über vier Fälle mit schwerwiegenden Schäden durch die Corona-Impfung mit dem Biontech-Pfizer-Wirkstoff. So wurde eine Schulterverletzung, eine axilläre Lymphadenopathie, eine paroxysmale ventrikuläre Arrhythmie und eine Parästhesie des rechten Beins auf die Impfung zurückgeführt. „Weder in der Verum- noch in der Placebogruppe traten Todesfälle auf, die auf die Injektion des Impfstoffs oder der Kochsalzlösung zurückzuführen waren“, heißt es auf den Seiten des RKI.

(jg) *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

Umfrage zum Thema Corona-Impfung

Mehr Quellen: https://coronavirus.jhu.edu/map.html; https://www.aerztezeitung.de/Politik/Comirnaty-kommt-die-Zulassung-fuer-die-sechste-Impfdosis-415946.html

Weiterlesen: Fast 13.000 Corona-Mutationen bekannt – Forscher kommen nach Analyse zu bedeutsamem Ergebnis.

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