Urlauber bringen neue Virusvariante

Corona-Mutant aus Südafrika seit 12. Januar auch in Deutschland: Heftigere Krankheitsverläufe möglich?

Eine Frau, die eine Schutzbrille, einen Mund-Nasen-Schutz und ein Gesichtsvisier trägt
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In Südafrika wurde erstmals der Coronavirus-Mutant 501.V2 nachgewiesen. Er breitet sich aktuell weltweit aus.

Zwei verschiedene Virus-Mutationen konnten bisher in Deutschland nachgewiesen werden, darunter der „Südafrika-Coronavirus“ 501.V2. Was das für den Impfschutz bedeutet.

  • B.1.1.7 und 501.V2: Diese Zahlen-Buchstaben-Folgen stehen für Virus-Mutationen, die nach aktuellem Kenntnisstand wahrscheinlich ansteckender sind als das „Original-Virus“. B.1.1.7 ist die erstmals in Großbritannien nachgewiesene Virus-Mutation. Eine Infektion mit dem Mutanten 501.V2 wurde zum ersten Mal in Südafrika diagnostiziert.
  • Das heißt dem Redaktionsnetzwerk Deutschland zufolge aber nicht, dass die Virusvarianten in den jeweiligen Ländern entstanden sind. Ihren Beinamen „Südafrika-Virus“ oder „Briten-Virus*“ tragen sie deshalb, weil die mutierten Viren dort zum ersten Mal nachgewiesen wurden.
  • Ansteckender sollen sie sein als das Virus-Original und seine bisherigen Mutationen, allerdings nicht gefährlicher. So fehlen Belege dafür, dass die beiden Mutationen einen schwereren Krankheitsverlauf zur Folge haben könnten. Eine Sorge jedoch bleibt.

Update vom 19.01.2021, 17.55 Uhr: Nicht nur in Baden-Württemberg wurde die erstmals in Südafrika nachgewiesene Coronavirus-Mutation 501.V2 nachgewiesen. Am 14. Januar bestätigte Martin Helfrich als Sprecher der Gesundheitsbehörde den ersten Fall in Hamburg. Es handelt sich dabei um eine Person, die am 17. Dezember aus Südafrika nach Hamburg zurückgekehrt war, wie der Norddeutsche Rundfunk berichtete. Sie sei in Quarantäne geschickt worden und drei Tage später hätten sich Symptome eingestellt, so Helfrich.

Artikel vom 19.01.2021, 12.11 Uhr: Im Dezember 2020 wurde in Südafrika zum ersten Mal über eine neuartige Virusvariante berichtet. Am 12. Januar hat diese Deutschland erreicht: Bislang haben sich sechs Menschen aus drei Haushalten in Baden-Württemberg mit der Virusvariante B.1.351 (auch: 501Y.V2) angesteckt (Stand 14.01.2021). Bei einer der Personen wurde bekannt, dass sie zusammen mit ihrer Familie von einem längeren Aufenthalt in Südafrika zurückgekehrt war, wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) berichtete. Kurz nach der Ankunft in Deutschland entwickelte die Familie leichte Krankheitssymptome, wie RND das Sozialministerium Baden-Württemberg zitiert.

Die „Südafrika-Virusvariante“ B.1.351 trägt ebenso wie die zuvor in Großbritannien entdeckte Variante die N501Y-Mutation – Mediziner sprechen daher vom britischen 501Y.V1- und südafrikanischen 501Y.V2-Mutanten. Bei letzterem handelt es sich Richard Neher vom Biozentrum der Universität Basel zufolge um eine Variante, bei welcher es eine „bemerkenswerte Konstellation vieler Mutationen“ gebe. Doch was bedeutet das in Hinblick auf den Krankheitsverlauf?

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Virus-Mutation aus Südafrika: „bislang keine konkreten Anhaltspunkte, dass dieses Virus gefährlicher ist“

In Südafrika beobachten Behörden seit dem Auftreten der neuen Virusvariante eine rasche Zunahme von Infektionen. Auch das veränderte Spikeprotein im Südafrika-Virus spricht dafür, dass das Virus ansteckender sein könnte als das Original-Virus. Coronaviren brauchen das sogenannte Spikeprotein, um in die Körperzellen eindringen zu können. Doch ein im Mutanten optimiertes Spikeprotein bedeutet nicht zwangsläufig, dass der Krankheitsverlauf schwerwiegender sein muss. Professor Wolfgang Preiser, Abteilungsleiter der Virologie an der Universität Stellenbosch in Südafrika und einer der Entdecker von 501Y.V2 sagte im Tagesschau-Interview: „Wir haben bislang keine konkreten Anhaltspunkte, dass dieses Virus gefährlicher ist, also dass man, wenn man infiziert wird, eine schwerere Krankheit bekommt. Wir wissen auch nicht, ob es infektiöser ist. Und wir wissen schon gar nicht, ob es dem Immunsystem besonders ausweicht und bereits früher infizierte Leute nochmal infizieren können. Aber wir haben gewisse Anhaltspunkte, die es dann doch geboten erscheinen lassen, das weiter zu untersuchen, und das wird auch gemacht.“

Die WHO gibt indes an, dass sich die britische und südafrikanische Virus-Mutation in Hinblick auf Ansteckungswege und Schwere der Erkrankung kaum oder gar nicht anders verhalten als das Ursprungsvirus, wie das RND berichtet. Auch in Hinblick auf die Impfung gibt es nach aktuellem Wissensstand Entwarnung. Eine Impfung gegen Corona mit in der EU zugelassenen Impfstoffen führt dazu, dass der Körper eine große Bandbreite an Antikörpern produziert, auf die auch Virus-Mutanten ansprechen würden. Davon ist auch Hajo Zeeb überzeugt, Leiter der Abteilung Prävention und Evaluation am Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie in Bremen. Sehr viel spreche dafür, „dass die Veränderungen bisher bei Weitem nicht so substanziell sind, dass die jetzt kommenden Impfstoffe nicht wirken“, wird er vom RND zitiert.

Virologe Christian Drosten zufolge sollte man allerdings wachsam bleiben, vor allem in Hinblick auf Reisen. „[…] Ich denke, es wäre jetzt eine Gelegenheit, die man nutzen sollte, zu verhindern, dass noch mehr dieser im Moment etwas unklaren Mutanten hier bei uns Fuß fassen“, sagte er im NDR-Podcast „Coronavirus-Update“. (jg) *Merkur.de gehört zum deutschlandweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerk.

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