Wenn man Alkohol „braucht“

Expertenrat bei unserer Leseraktion: Vom Genuss zur Sucht

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Ein Glas guten Weins ist ein Hochgenuss, doch manche Menschen verlieren die Kontrolle – eine Sucht entsteht.

Offenbach - Sowohl Menschen, die sich Sorgen um ihre Angehörigen machen als auch Leser, die für sich selbst wissen wollten, ob ihr Alkoholkonsum noch im grünen Bereich liegt, meldeten sich bei unserer Telefonaktion.

Berater der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung standen Rede und Antwort. Hier das Wichtigste:.

Jetzt in der Fastenzeit will ich keinen Alkohol trinken. Aber ich ahne schon, dass mir abends mein Bier sehr fehlen wird … 

Vielleicht können Sie sich die Lust auf das Bier wie eine Welle vorstellen – sie flutet an, und wenn sie Sie nicht umwirft, ebbt sie auch wieder ab. Wenn man es viele Male geschafft hat, in diesen Augenblicken standhaft zu bleiben, verfestigt sich diese Erfahrung und man kann besser mit dem Verlangen umgehen. 

Mir fällt es schwer, nach der Arbeit nicht ein, zwei Gläser Rotwein zu trinken. Haben sie Tipps, wie ich die Abende auch mal trocken überstehen kann? 

Lenken Sie sich ab, indem Sie eine Kleinigkeit erledigen oder sich etwas gönnen. Rufen Sie einen Freund an oder hören Sie zur Entspannung etwas Musik. Bei innerer Unruhe hilft auch oft ein Spaziergang an der frischen Luft, eine Radtour oder ein Besuch im Fitness-Studio. Hunger und Durst können auch das Verlangen nach Alkohol verstärken. Trinken Sie etwas Alkoholfreies und überlegen Sie, ob Sie Appetit auf einen kleinen Snack haben.

Meine Frau und ich trinken abends gern Wein. Eine Flasche wird immer leer. Könnte das schaden? 

Wenn Sie auf Ihre Gesundheit achten möchten, sollten Sie als Mann nicht mehr als zwei Gläser Wein, Ihre Frau nur ein Glas trinken. Die Standard-Weingläser, die dieser Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation zugrunde liegen, fassen 0,125 Liter. Mit je einer halben Flasche liegen Sie weit über der empfohlenen Menge. Und: Zwei Tage in der Woche sollten alkoholfrei sein.

Ich war bereits bei einer stationären Suchttherapie. Das ist zwei Jahre her. Jetzt trinke ich aber doch wieder und, – ehrlich gesagt – es wird immer mehr. Was kann ich dagegen machen? 

Am sinnvollsten wäre es, sich beim Hausarzt eine Einweisung zur Entgiftung zu holen, parallel dazu sollten Sie eine Suchtberatungsstelle aufsuchen, um den weiteren Fortgang zu besprechen. Denn nach der Entgiftung muss möglichst sofort eine stationäre oder ambulante Therapie folgen. Rückfälle sind bei Suchterkrankungen keine Seltenheit. Ein zweiter Versuch kann sich durchaus lohnen. 

Mein Mann betrinkt sich seit mehr als zehn Jahren fast jeden Abend. Er reagiert schon gar nicht mehr auf meine Einwände. Mich bedrückt das sehr. Was kann ich noch tun? 

Man kann nur Menschen helfen, die sich helfen lassen wollen. Das ist bei Ihrem Mann offensichtlich nicht der Fall. Nun müssen Sie entscheiden, wie lange Sie sich das noch anschauen möchten. Vielleicht können Sie erst einmal zu ihm auf Distanz gehen und vereinbaren, dass sie nur etwas gemeinsam unternehmen, wenn er nüchtern ist. Auf jeden Fall sollten Sie Ihr eigenes Leben gestalten – mit allem, was Ihnen Spaß macht, damit Sie sich mit der Situation nicht zu sehr belasten. Hilfe bekommen Sie bei Angehörigenberatungen, die viele Suchtberatungsstellen anbieten.

Fasten? Einfach mal das Fernsehen weglassen

sjm

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