Klinikum Hanau: Der Operationssaal – ein Ort zum Verlieben

+
„Im Rahmen der normalen Geburt wird Bonding seit Jahren in nahezu jedem Kreißsaal praktiziert. Für den Kaiserschnitt ist die Umsetzung eines intensiven, frühzeitig beginnenden Bondings vergleichsweise neu“, erläutert Chefarzt Dr. Thomas Müller.

Mutter-Kind-Zentrum Hanau bietet Kaiserschnitt-Bonding zur Stärkung der Eltern-Kind-Beziehung an

Das Mutter-Kind-Zentrum Hanau bietet nach eigenen Angaben als erstes Haus im Main-Kinzig-Kreis ab sofort das sogenannte Kaiserschnitt-Bonding an. Das Projekt wird gemeinsam mit dem Personal des Operationssaals und der Klinik für Anästhesie durchgeführt. Es soll den Babys, die per Kaiserschnitt geboren werden, und deren Eltern den optimalen Start ins weitere Zusammenleben erleichtern. Kaiserschnitt-Bonding bedeutet, dass die Mutter während des Kaiserschnitts ein bestimmtes Oberteil trägt, in welches ihr Neugeborenes unmittelbar nach der Geburt gelegt wird. „So können die Babys den direkten Hautkontakt mit ihren Müttern schon in den ersten Stunden nach der Geburt genießen“ erläutert der Chefarzt der Frauenklinik Privatdozent Dr. Thomas Müller.

„‘Bonding‘ beschreibt den ungestörten Körperkontakt des Babys mit seiner Mutter und bildet somit die Grundlage für eine gute Mutter-Kind-Bindung und -Beziehung“, erklärt die neue Bereichsleitung der Geburtshilfe, Hebamme und hessische Stillbeauftragte, Tatjana Nicin. „Im Rahmen der normalen Geburt wird Bonding seit Jahren in nahezu jedem Kreißsaal praktiziert. Für den Kaiserschnitt ist die Umsetzung eines intensiven, frühzeitig beginnenden Bondings vergleichsweise neu“, erläutert Chefarzt Dr. Thomas Müller. Stolz ist er auf die Mitarbeiterinnen seines Teams: „Gemeinsam mit der Oberärztin und Spezialistin für Geburtsmedizin, Dr. Luzie Massey Skatulla hat Tatjana Nicin, federführend das neue Projekt realisiert und mit großer Unterstützung durch das Hebammen-Team kurzfristig umgesetzt.“ Dem konkreten Angebot im Kreißsaal voraus, ging die Erstellung eines Artikels zum Thema Kaiserschnitt-Bonding für eine Hebammen-Fachzeitschrift. Im Rahmen einer im Februar in Hanau-Wilhelmsbad stattfindenden Fortbildungsveranstaltung für Hebammen und Ärzte gibt Tatjana Nicin ihr Fachwissen zum Thema weiter.

Die derzeitige Kaiserschnittrate in Hessen beträgt zirka 33 Prozent – „leider mit steigender Tendenz“ betont Tatjana Nicin. Ziel des Bondings, auch im Rahmen einer Kaiserschnittentbindung, ist die Vermeidung der Trennung von Neugeborenen und deren Eltern, insbesondere in den ersten Stunden nach der Geburt. „Kaiserschnitte werden heute fast immer in Teilnarkose also bei wacher Mutter und im OP anwesendem Vater durchgeführt“, erläutert Dr. Luzie Massey Skatulla. Der sofortige enge Kontakt zum Kind hat direkte positive Einflüsse auf die junge Familie. “Dazu gehören Entspannung und weniger Stresshormone, sowie eine optimale Vorbereitung auf das Stillen“, erklärt die Oberärztin. Auch für das Baby ergäben sich deutliche Vorteile, so Tatjana Nicin: „Stabilere Körpertemperatur - denn ein Baby wird auf der Mutterbrust schneller warm als im Brutkasten, ein stabiler Blutzuckerspiegel, weniger Schreien, seltenere Atemprobleme und schnellere Ausscheidung des ersten Stuhlgangs und damit seltener das Auftreten einer behandlungsbedürftigen Neugeborenengelbsucht“. Weiterhin würde Bonding das frühere und effektivere Saugen des Babys sowie eine längere Gesamtstilldauer fördern, fügt die Hessische Stillbeauftrage noch hinzu. „Das Baby hat sofort Blick- und Körperkontakt mit seiner Mutter: Das erleichtert die Kommunikation zwischen beiden und das erste Saugen an der Brust“, erklärt Tatjana Nicin: „Die beiden verlieben sich ineinander!“ Auch für die Mutter hätte der enge Kontakt zu ihrem Baby enorme Vorteile, wie eine schnellere Lösung des Mutterkuchens, einen besseren Schutz vor Nachblutung, die Erhöhung der Milchmenge, weniger Depressionen sowie eine deutliche Reduktion von Angst und Schmerzempfindlichkeit, so Dr. Luzie Massey Skatulla. Dem Vater kann durch die direkte Einbeziehung in die Versorgung und die Pflege des Kindes die Angst genommen und die Annahme der modernen Vater-Rolle erleichtert werden. Einer der frischgebackenen Väter betonte im Kreißsaal: “Es ist schön, dass ich meine Frau und mein Kind vor mir habe und beide beschützen kann.“

Diese Förderung der Eltern-Kind-Bindung stärkt den Teamgeist der jungen Familie. Das neue Verfahren führt auch zu mehr Flexibilität und zu einer Neugestaltung der Arbeitsabläufe im Mutter-Kind-Zentrum. „Kaiserschnitt-Bonding fördert und verstärkt unsere moderne, familienorientierte Geburtshilfe“ zeigt sich auch der Ärztliche Direktor des Klinikums Hanau Dr. André Michel begeistert. Im Klinikum Hanau ist man stolz auf sein offenes und modernes Geburtshilfe-Team. Als ihr Motto sehen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine individuelle und familienorientierte Geburtshilfe - „Liebe Baby`s, wir heißen euch willkommen im Leben“.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare