Wir essen uns krank

Kommentar: Vorsicht beim Fleischkonsum

Offenbach - Ob Gammel- und Pferdefleisch oder tricksende Hersteller: Frisch von der Leber weg lässt sich die Situation an der Ladentheke nicht beschreiben. Von Peter Schulte-Holtey

Über tierische Nahrungsmittel geraten ja regelmäßig erschreckende Erkenntnisse ans Tageslicht und werden wochenlang in der Öffentlichkeit diskutiert. Wie gut ist das Fleisch aus dem Supermarkt? Kann es mit der Metzgerware mithalten? Haben Produzenten aus den Skandalen gelernt? Wie ist das mit der Fleischproduktion als Klimafeind? Konsumenten haben viele Fragen, bekommen aber selten überzeugende Antworten.

Und jetzt folgt die nächste Verunsicherung: Forscher der Weltgesundheitsorganisation (WHO) setzen verarbeitetes Fleisch auf ihre Gefahrenliste. Wer zu viel Wurst isst, steigert sein Risiko für Darmkrebs. Anders gesagt: Wir essen uns krank. Wer sich den WHO-Bericht genauer anguckt, wird feststellen: Die Ergebnisse sind sicherlich bedenkenswert, aber nicht alarmierend. Denn das individuelle Krebsrisiko durch Fleischverzehr ist gering - auch das belegt die Untersuchung. Ernährungsforscher Heiner Boeing scheint recht zu haben, wenn er sagt: „Man kann jedes Fleisch bedenkenlos essen. Es kommt auf die Menge an.“

Die Studienergebnisse sollten vor allem als Appell verstanden werden. So könnten sie helfen, den Appetit auf Tiere zu zügeln. Gelänge es, die Menschen in den Industrieländern davon zu überzeugen, ihren unverändert recht hohen Fleischkonsum nur ein wenig einzuschränken, wäre schon viel erreicht. Denn für diese Essensgewohnheit zahlen wir einen sehr hohen Preis. Sie treibt den Land- und Wasserverbrauch in die Höhe und trägt massiv zum Ausstoß von Treibhausgasen bei. Und wir fördern damit die problematische Massentierhaltung.

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