„Hersteller helfen oft mit Aromen nach“

Luxus-Essen mit billigen Zutaten

Frankfurt - Hummersuppe ohne Hummer, Champagner-Törtchen mit einer nur homöopathischen Dosis Champagner: Luxuriös an vielen Feinschmeckerprodukten zu Weihnachten ist oft nur der Preis. Und auch beim Fisch sollten Verbraucher genau hinschauen.

Auf vielen Festtagstafeln sind sie ein Muss: Hummersuppe, Trüffelpasteten, Champagnerstollen und Co. Die Anbieter fluten den Markt in der Vorweihnachtszeit mit einem riesigen Sortiment an luxuriös aufgemachten Feinschmeckerprodukten. Doch die Verbraucherzentrale Hessen warnt: „Häufig sparen die Lebensmittelhersteller an den auf der Verpackung hervorgehobenen Edelzutaten und helfen mit Aromastoffen beim Geschmack nach.“ Das zeige eine aktuelle Untersuchung des Portals „lebensmittelklarheit.de“.

In einem Marktcheck überprüften die Mitarbeiter von „Lebensmittelklarheit“ 15 vermeintliche Luxuslebensmittel auf ihren Gehalt an den beworbenen edlen Zutaten. Das Ergebnis sei „ernüchternd“ gewesen: Die meisten vermeintlichen Gourmet-Produkte enthielten die beworbenen Zutaten nur in kleinsten Mengen: So habe die Hummer-Suppe der Firma „Old Commercial“ nur aus Garnelen und einer Paste aus „Krustentierextrakt“ bestanden. Die Champagner-Törtchen von „bofrost“ hätten gerade mal 0,6 Prozent Champagner enthalten. Und in den „Weihnachts-Schokis, zweifach gefüllt, Vanilletrüffel & Winterapfel“ von Reber seien weder Vanille noch Apfel zu finden gewesen.

Billige Aromen für den Geschmack

„Wenn Hersteller auf festlichen Lebensmittelverpackungen mit Luxuszutaten werben, dann müssen die Produkte auch den geweckten Erwartungen entsprechen“, beanstandet Andrea Schauff, Lebensmittelexpertin der Verbraucherzentrale. „Wo an hochwertigen Zutaten kräftig gespart wird, müssen häufig billige Aromen für den Geschmack herhalten. Das war bei zwei Dritteln der überprüften Produkte der Fall. Luxuriös sind dann meist nur noch die Preise dieser Lebensmittel.“

Verbraucher könnten das Fehlen der Luxuszutaten und den Einsatz von Aromen erst erkennen, wenn sie die Verkehrsbezeichnungen und Zutatenlisten auf den Verpackungen studierten. Diese seien aber meist nur kleingedruckt auf der Rückseite zu finden. Die Verbraucherzentrale Hessen fordert die Hersteller auf, die Verkehrsbezeichnung, die Menge der beworbenen Zutaten und einen Hinweis auf verwendetes Aroma gut sichtbar auf der Vorderseite zu drucken.

Auch beim traditionellen Fisch zu Weihnachten können Verbraucher leicht danebengreifen, zumindest aus ökologischer Sicht. Umweltschützer raten mittlerweile von vielen der etwa 80 Arten in deutschen Kühltheken ab. Die Bestände sind nämlich entweder überfischt, oder der Fang birgt andere schädliche Folgen für die Umwelt.

re

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