Stand: A41

Müde durch Eisenmangel

+
Dr. med. Stephan Seeßle

Der Gesamtgehalt an Eisen im menschlichen Organismus beträgt zwischen 2 500 mg und 4 000 mg. Als Funktionseisen ist es im Hämoglobin und Myoglobin sowie in verschiedenen Enzymen enthalten.

Somit ist es von großer Bedeutung für zahlreiche biochemische Prozesse, wie Sauerstofftransport und -speicherung, Energiegewinnung, Blutbildung sowie die Regulation von Zellwachstum. Darüber hinaus ist Eisen an der Aufrechterhaltung einer intakten Nervenfunktion beteiligt. Als Kofaktor der Tyrosinhydroxylase ist Eisen unverzichtbar für die Synthese des Neurotransmitters Dopamin. Die Eisenspeicherung erfolgt im Ferritin vor allem in Leber und Milz.

Weitere Informationen gibt es in der Praxis von Dr. med. Stephan Seeßle, Eduard-Oehler-Straße 34, in Offenbach sowie telefonisch unter 069 864303.

Eisenmangel kann zu einer gestörten Blutbildung und somit zur Anämie führen. Mit der Abnahme der Erythrozytenzahl und der Hämoglobin (Hb)-Konzentration sinkt auch die Sauerstofftransportkapazität im Blut; allgemeine Schwäche, Sehstörungen, Ohrgeräusche, Kurzatmigkeit, Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, Kopfschmerzen und erhöhte Infektanfälligkeit sind die Folgen. Bereits ohne Beeinträchtigung der Erythropoese können leere Eisenspeicher zu erheblichen klinischen Konsequenzen und Einschränkungen in der Lebensqualität führen. Ein niedriger Hb-Wert kann daher als der Endpunkt eines Prozesses betrachtet werden, der mit der Entleerung der Eisenspeicher begonnen hat. Die Unterversorgung des Myoglobins und der am Energiestoffwechsel beteiligten Enzyme verringert die Leistungsfähigkeit der Muskulatur. Zudem werden auch neurologische Komplikationen mit einem Eisenmangel in Zusammenhang gebracht, wie beispielsweise die Entwicklung eines Restless-Legs-Syndroms, eines Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Syndroms (ADHS) oder eines Tourette-Syndroms. Eine Abnahme der Eisenspeicher und eine Beeinträchtigung der dopaminergen Neurotransmission treten bereits auf, bevor die Blutbildung eingeschränkt ist. Die hämatologischen und nicht-hämatologischen Folgeerscheinungen werden als Eisenmangel-assoziierte Gesundheitsstörungen zusammengefasst.

Patienten mit chronisch entzündlichen Erkrankungen wie Colitis ulcerosa, Morbus Crohn und Rheumatismus leiden oft unter Eisenmangel, weil Entzündungsbotenstoffe die Entstehung von Hepcidin bewirken. Dieses stört die Nahrungsaufnahme des Eisen aus dem Darm obwohl mit der Ernährung ausreichend Eisen zugeführt wird. Somit ist die Korrektur des Eisenmangels ein wichtiges Ziel in der Behandlung chronisch kranker Patienten. Während orale Eisenpräparate bei funktionellem Eisenmangel unwirksam sind, führt eine i.v.-Eisentherapie zu einer Korrektur.

Kommentare