Neugierde auf Gesundheit

Offenbach - Bei der ersten Offenbacher Gesundheitsmesse „bleib fit!“ gab es viel zu entdecken: Jakob stochert konzentriert unter der Bauchdecke nach dem grünen Gummibärchen. Was die kleinen Zangen an den Stäben tun, die der Schüler in den Händen hält, verfolgt er auf einem Monitor. Von Katharina Skalli

Schwups! Endlich lässt er das kleine Naschwerk in die Plastiktüte fallen. Stünde Jakob in einem echten Operationssaal, wäre nicht nur alles steril, sondern das Bärchen eine Gallenblase und der schwarze Phantompatient ein Mensch aus Fleisch und Blut.

Doch auf der Offenbacher Gesundheitsmesse dürfen sogar kleine Nachwuchsmediziner ran und mal ausprobieren, wie die Ärzte minimal-invasiv operieren. Das heißt, ohne große Schnitte. „Man muss ganz schön geduldig und geschickt sein“, sagt Jakob und lässt das OP-Besteck sinken. Das Gummibärchen, also die Gallenblase, ist im Sack, der Patient so gut wie gerettet.

Zumba, Golf, Klettern oder Blutdruck messen

Mit Jakob bekamen einige Tausend Besucher auf der von unserer Zeitung organisierten zweitägigen Veranstaltung nicht nur informative und nicht ganz alltägliche Einblicke in das Thema Gesundheit. Nahezu 70 Aussteller luden zum Ausprobieren und Mitmachen ein. In der Aktiv-Zone lockten Fitnessstudios zur Trendsportart Zumba – eine Art Aerobic, gepaart mit feuriger Latinomusik. Aber auch Rückenfitness, Golf, Klettern und Pilates durften ausprobiert werden. Wer nicht mehr ganz beweglich unterwegs ist, nutzte die Gelegenheit, sich den Blutdruck messen zu lassen oder ergriff die Chance einer kurzen Handmassage oder Meditationsschulung. In allen Ecken der Offenbacher Messehalle wurde auf Liegen entspannt, in Sesseln gleichmäßig geatmet oder auf Betten Probegelegen.

Bei Jochen Kalmbacher ging es den kleineren Gebrechen tatsächlich zu Leibe. Der Matrix Energetics Berater und Reiki-Therapeut aus Offenbach hilft mit einer Methode, die den Selbstheilungsprozess der Patienten anstoßen soll. Ein alternatives Verfahren, das von der Existenz von Energiequellen in einem Paralleluniversum ausgeht in dem die Person ein zweites Mal existiert. Und zwar als pure Energie. „Die Energien werden ausgetauscht“, erklärt Kalmbacher. Er spürt es, wenn sich jemand innerlich gegen die Behandlung wehrt.

Impressionen der Gesundheitsmesse

Tausende bei Gesundheitsmesse „bleib fit!“

Ein Besucher möchte die alternative Methode ausprobieren. Kalmbacher hält seine geöffnete Hand vor sein Gesicht und konzentriert sich. Nach wenigen Sekunden ist alles vorbei. Bereits in den ersten vier Stunden behandelt er etwa 100 neugierige Besucher, bringt ihren Energiehaushalt ins Lot und informiert über weitere Angebote seines „Naturheilzentrums Morgana“. Zu ihm kommen Menschen mit Heuschnupfen, Gelenkschmerzen und Verspannungen. Viele sind mittlerweile offen für andere Wege der Heilung. „Wir ersetzen jedoch nicht den Arztbesuch“, stellt Kalmbacher klar.

Während an seinem Stand konzentrierte Ruhe herrscht, geht es gegenüber lebendiger zu. Das Fitnesscenter „World of Fitness“ hat seine Zelte aufgeschlagen und präsentiert sein Angebot. Trainer Joseph hat schwarze Gurte um seinen Oberkörper und die muskulösen Arme gespannt und schwitzt. Mehrere Minuten setzt er seinen Muskeln mit Stromstößen zu. „Bodytransformer“ nennt sich das Produkt der Fitnessindustrie, das noch mehr Trainingserfolge erzielen soll. „Viele Menschen haben immer weniger Zeit fürs Training“, sagt Studiochefin Michéle Wachtel. Mit dem Bodytransformer könne man in nur 20 Minuten die Intensität von einem etwa sechsstündigen Training erzielen. Josephs Bizeps zuckt. „Es ist ganz schön anstrengend“, sagt der trainierte Tester mit zittriger Stimme. „Dafür ist es aber schnell vorbei.“ Am Stand des Sonnenstudios Number One geht es gemächlicher zu. Hier arbeiten die Damen mit „Slimyonik“. Einer Hose, die mit Luft gefüllt wird. „Das ist wie eine Stunde Sport im Liegen“, sagt Mitarbeiterin Ceylan. Der Stoffwechsel soll angeregt und der Körperumfang reduziert werden. Ähnlich leicht funktioniert das gleiche mit der Methode von Hautarzt Dr. Jürgen Kunze. Im Vortragsraum spricht er über die Fettweg-Spritze.

Die Illusion, das man nach ein paar Injektionen von Kleidergröße 44 in 36 passt, zerstört er sofort. „Es ist keine Methode um abzunehmen“, sagt er. Vielmehr gehe es um kleinere Fettdepots, die durch Diät und Training nicht wegzubekommen seien. Dann zeigt er beeindruckende Vorher-Nachher Bilder von Patienten, die dank der Lipolyse ihr Doppelkinn oder ihre Tränensäcke losgeworden sind. Auch Polster an der Hüfte, an den Oberschenkel, über den Knien oder am Rücken sind behandelbar. Allerdings müssen die Patienten für die Behandlung tief in die Tasche greifen. 200 bis 400 Euro kostet eine Sitzung. „Wir haben ja alle irgendwo unsere Problemzonen“, meint eine Besucherin. Sie bleibt nach dem Vortrag von Dr. Kunze sitzen. Der nächste Vortragende spricht über Eisenmangel. Auch ein Thema, das bewegt. Innerhalb von wenigen Minuten sind alle Plätze besetzt.

In der Halle herrscht lautes Stimmengewirr. Auf den Tischen und Tresen präsentieren Gesundheitsexperten ihr Arbeitsgerät und Anschauungsmaterial. Vor Dr. Marius Mitrenca und seinen Kollegen stapeln sich Gebisse und Implantate. Gegenüber dürfen Neugierige einen Blick durch ein Mikroskop werfen und lernen, wie ein Bandscheibenvorfall an der Halswirbelsäule behandelt wird.

Die Mitarbeiter des Centrums für häusliche Intensivpflege haben ihre Patienten gleich mitgebracht. In zwei großen Rollstühlen sitzen Bewohner der Centrum-Wohngemeinschaft. Obwohl sie durch einen Schnitt in der Luftröhre beatmet werden müssen, sind sie nicht auf ein Heim oder gar eine Klinik angewiesen. Das Konzept ist recht neu. Bisher leben acht Patienten, die intensiv betreut werden müssen, in der Anlage in der Luisenstraße.

Gesundheitsschuhe, Energiesteine, Naturkosmetik, Entspannungsmethoden, Hygienematratzen und Elektrorollstühle: Wer wollte, verschaffte sich einen Überblick über das, was gesund macht oder hilft, gar nicht erst krank zu werden.

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