Schwangerschaft: Doppelbelastung für die Venen

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Während der Schwangerschaft ist die Belastung für die Venen besonders hoch. Eine häufige Folge sind Krampfadern, und auch das Risiko einer Thrombose steigt um das Drei- bis Fünffache. Tipps zur Vorbeugung geben Dr. Detlev Debertshäuser, Dr. Josef Degel und Dr. Cüneyt Arkan.

Tag für Tag leisten unsere Venen Schwerstarbeit: Rund 7.000 Liter Blut müssen sie – meist entgegen der natürlichen Schwerkraft – zum Herzen transportieren. Während der Schwangerschaft ist die Belastung für die Venen besonders hoch: Um die Gebärmutter und das Baby optimal zu versorgen, nimmt die zirkulierende Blutmenge um rund 20 Prozent zu. Außerdem produziert der Körper vermehrt das Hormon Progesteron, was dazu führt, dass die Venen ihre Elastizität verlieren und sich schneller weiten. Mit fortschreitender Schwangerschaft drückt zudem die wachsende Gebärmutter mehr und mehr auf die Beckenvenen und erschwert so den Rückfluss des Blutes zum Herzen. Eine häufige Folge sind Krampfadern. „Während der ersten Schwangerschaft leiden ca. 30 Prozent aller Frauen an Krampfadern. Bei weiteren Schwangerschaften sind es sogar bis zu 70 Prozent“, weiß Dr. med. Detlev Debertshäuser, Facharzt für Chirurgie, Gefäß- und Viszeralchirurgie sowie Proktologie des Netzwerks Chirurgie Rhein-Main. „Und auch das Risiko einer Thrombose steigt um das Drei- bis Fünffache.“

Bewegung ist das A und O 

Zur Vorbeugung und um bereits bestehende Krampfadern nicht zu verschlimmern, empfiehlt Dr. med. Josef Degel, Facharzt für Chirurgie, Viszeralchirurgie und Proktologie des Netzwerks Chirurgie Rhein-Main: „Bewegung ist das A und O. Vermeiden Sie langes Sitzen und Stehen. Gehen Sie stattdessen regelmäßig Spazieren, fahren Sie Fahrrad oder machen Sie spezielle gymnastische Übungen. Das kräftigt die Muskulatur und regt die Blutzirkulation an. Auch Wechselbäder und häufiges Hochlagern der Beine können helfen. Und natürlich Kompressionsstrümpfe. In der Regel genügt bereits die Kompressionsklasse 1. Bei bereits bestehenden Venenproblemen oder starken Wassereinlagerungen kann auch die Kompressionsklasse 2 zum Einsatz kommen. Die Strümpfe sollten vom dritten Schwangerschaftsmonat bis zwei Monate nach Entbindung oder bis zum Ende der Stillzeit getragen werden.“

Operieren erst, wenn das Baby da ist

Während der Schwangerschaft und der Stillzeit ist eine Operation nicht ratsam. „Zum einen ist die Belastung für Mutter und Kind zu groß. Zum anderen bilden sich Krampfadern, die erst in der Schwangerschaft entstanden sind, nach der Entbindung häufig von alleine zurück“, erklärt Dr. med. Cüneyt Arkan, Facharzt für Chirurgie, Viszeralchirurgie und Proktologie des Netzwerks Chirurgie Rhein-Main. Stellt sich nach der Stillzeit heraus, dass doch eine Operation notwendig ist, so stehen heutzutage eine Vielzahl an Verfahren zur Verfügung.

Laser- bzw. Radiowellentherapie besonders schonend

„Eine besonders schonende Methode ist die Laser- bzw. Radiowellentherapie“, sind sich die Experten einig. „Über einen winzigen Schnitt im Knöchel- oder Unterschenkelbereich wird eine dünne Sonde in die große Stammvene eingeführt und nach oben bis in die Kniekehle oder die Leiste vorgeschoben. Ist die Sonde an der richtigen Stelle platziert, wird die Spitze entweder mittels Laserlicht oder Radiowellen erhitzt. Die Hitze führt dazu, dass beim Zurückziehen der Sonde die Veneninnenwand verklebt, die Krampfader sich verschließt und im Verlauf einiger Wochen vom Körper abgebaut wird.“

Die Vorteile dieser Behandlungsmethode sind vielfältig: Da nur ein minimaler Hautschnitt erforderlich ist, entstehen keine großen Wunden. „Die Patienten können in der Regel schon am Tag nach der Operation wieder ihren gewohnten Alltagsaktivitäten nachgehen, was gerade für Mütter mit kleinen Kindern sehr wichtig ist“, wissen die Experten. „Hinzu kommt, dass die Behandlung gut ambulant erfolgen kann, sodass die Patientin noch am selben Tag wieder nach Hause zu ihrem Sprössling kann.“

Kosten werden auch von vielen Krankenkassen getragen

Lange Zeit wurden die Kosten für die Laser- und Radiowellentherapie nur von den privaten Krankenkassen übernommen. „Im Rahmen der so genannten Integrierten Versorgung hat unsere Praxis vor einiger Zeit jedoch mit zahlreichen gesetzlichen Krankenkassen spezielle Vereinbarungen getroffen, die es uns ermöglichen, nun auch viele Kassenpatienten zuzahlungsfrei mit dieser modernen und schonenden Methode zu behandeln“, so die Ärzte von Chirurgie Rhein-Main.

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