Eine Vollmacht für den Notfall

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Wer sich gesund fühlt, denkt nicht gerne über schwere Krankheiten nach. Viele verdrängen daher den Gedanken an eine Vorsorgeregelung.

Wer sich gesund fühlt, denkt nicht gerne über schwere Krankheiten nach. Viele verdrängen daher den Gedanken an eine Vorsorgeregelung. An was Sie jetzt schon denken sollten:

Jeden kann es treffen: Durch einen Unfall, eine plötzliche Krankheit oder einfach durch im Alter nachlassende Kräfte ist man nicht mehr in der Lage, seine Dinge selbst zu regeln. Das eigene Schicksal liegt dann in der Hand anderer. Die meisten Menschen gehen davon aus, dass im Fall der Fälle automatisch die nächsten Verwandten sofort für sie handeln dürfen – ein verbreiteter Irrtum.

„Hat der Betroffene keinen seiner Angehörigen oder keine vertraute Person entsprechend legitimiert, begibt er sich im Ernstfall ungewollt in die Hände des Staates“, warnt der Münchner Rechtsanwalt Bernhard F. Klinger. „Und das oft ohne Berücksichtigung der wirklichen Interessen.“ Wer also will, dass im Ernstfall seine eigenen Wünsche realisiert werden, muss rechtzeitig handeln.

Vorsorgevollmacht

Mit der Vollmacht bestimmt der Verfasser – für den Fall, dass er betreuungsbedürftig wird – eine andere Person zu seinem Vertreter. Dort legt er fest, was seine Vertrauensperson für ihn regeln darf oder nicht: Führung der Rechtsgeschäfte, Verwaltung des Vermögens, Wahrnehmung der Gesundheitsfürsorge, Regelung des Aufenthaltsortes und aller Wohnungsangelegenheiten. Diese Vollmacht gibt dem Bevollmächtigten sofortige Handlungsfähigkeit. Die automatische Einleitung eines Betreuungsverfahrens entfällt damit. Auf jeden Fall sollte man die Regelungen immer schriftlich festhalten. Achten Sie dabei darauf, dass die Vollmacht so präzise wie möglich formuliert wird.

Die Justizbehörden bieten umfangreiche Formulare mit Ankreuzmöglichkeiten und individuellen Ergänzungen an (Zu beziehen über den Publikationsversand der Bundesregierung, Postfach 481009, 18132 Rostock oder über das Servicetelefon 01805/77 80 90 (14 Cent/Minute. Oder im Internet unter www.bmj.de). Eine Änderung oder ein Widerruf einer Vollmacht ist jederzeit möglich. Es kann auch verfügt werden, dass die Vollmacht über den Tod hinaus gilt. Manche Geldinstitute akzeptieren keine normale Vollmacht – oft ist es hier notwendig, bankinterne Kontovollmachten zu verwenden. Gerade für Kleinunternehmer, wie etwa einen Familienbetrieb, ist eine rechtzeitige Vorsorgeregelung besonders wichtig.

Denn ist der Geschäftsbetrieb längere Zeit blockiert, drohen existenzielle Verluste. „Der Unternehmer muss hier in zweierlei Hinsicht vorsorgen“, rät Anwalt Klinger. „Einmal für die Firma und ebenso für seinen persönlichen Bereich. Für beide Bereiche müssen nicht zwangsläufig die gleichen Personen in Frage kommen.

Betreuungsverfügung

Mit dieser Verfügung legt der Verfasser fest, wer im Krankheitsfall oder bei Behinderung sein Betreuer werden soll und ob er zu Hause oder in einem Pflegeheim versorgt werden möchte. Im Gegensatz zur Vorsorgevollmacht macht die Betreuungsverfügung ein gerichtliches Betreuungsverfahren nicht entbehrlich. Sie bestimmt nur, wen das Gericht als Betreuer ernennen soll.

Patientenverfügung

Auch für seine medizinische Versorgung sollte jeder klare Richtlinien vorgeben. „Nur mit einer juristisch unangreifbaren Patientenverfügung kann eine Person in Deutschland ihr Selbstbestimmungsrecht auch dann wahrnehmen, wenn sie als Patient zu eigenen Willensäußerungen nicht mehr in der Lage ist“, betont Rechtsanwalt Klinger. Hierbei legt man die Art und Weise ärztlicher Maßnahmen fest, zum Beispiel ob man durch Apparate künstlich am Leben erhalten werden will oder Verfügungen über Transplantationen und Organspenden. Damit die Verfügung auch wirklich respektiert wird, sollte man diese mit einer Vorsorgevollmacht verbinden. So ist sichergestellt, dass der geäußerte Wille im Zweifel auch von jemandem zur Geltung gebracht werden kann, der mit Rechtsmacht für den Betroffenen sprechen darf.

Aufbewahrung

Wichtig ist, dass mehrere Personen von den Verfügungen Kenntnis haben und die Schriftstücke aufzufinden sind. Gegen eine geringe Gebühr kann jeder seine Vorsorgeregelungen im Zentralen Vorsorgeregister registrieren lassen (Internet: www.vorsorgeregister. de, Telefon: 0800/ 3 55 05 00). Gerichte können so schnell, einfach und sicher online abfragen und klären, ob Informationen über eine Vollmacht vorliegen.

Mehr Informationen

Wichtigen Hinweisen gibt es unter der Fax-Abrufnummer 09001/25 26 65 52 (1 Minute = 62 Cent / 7 Seiten) bis zum 4. Mai. Das Fax-Gerät auf „Polling“ oder „Sendeabruf“ stellen, Fax- Service-Nummer wählen und Starttaste drücken. Alle neueren Geräte haben diese Funktion. Kein Fax? Dann senden Sie einen mit 0,90 Euro frankierten Rückumschlag plus 1,45 Euro in Briefmarken unter dem Stichwort „Vorsorgevollmachten 2012“ an: Versandservice, Lerchenstr. 8, 86938 Schondorf

Wichtig ist, sich als Laie nicht ohne Beratung etwa durch den Hausarzt an eine Verfügung zu setzen. Hilfe gibt es unter anderem bei der gemeinnützigen Bundeszentralstelle Patientenverfügung in Berlin (www.patientenverfuegung.de, Mo, Di, Do, und Fr von 10–17 Uhr Telefon: 030/ 61 39 04-11, -12 Telefax: 030 613904-36).

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Patientenverfügung: Das müssen Sie wissen

Patientenverfügung: Die Lebens-Entscheidung

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