Wie man die Frage aller Fragen stellt

„Heiratsantrag? - Oh, da musst du dir aber was ganz Besonderes ausdenken“, meint mein Kumpel als ich ihm das erste Mal von der Idee erzähle, die seit einiger Zeit meine allabendlichen Einschlafgedanken durchwandert. Von Thomas Holzamer

„Du weißt schon, so richtig spektakulär wie im Fernsehen“, redet er weiter. Sofort ist das innere Bild wieder da, wie ich 4000 Meter über dem Boden todesverachtend aus dem kleinen Flugzeug springe und am Fallschirm mit dem Sonnenuntergang im Rücken direkt auf den festlich gedeckten Tisch auf der einsamen Meeresklippe zuschwebe, wo meine Freundin schon auf mich wartet. Und dann, genau in dem Moment, in dem die untergehende Sonne am Horizont das Wasser berührt, hebe ich den Ring auf seinem Samtkissen vor mich und sinke auf die Knie.

„Naja, der Vorteil ist ja mit dem neuen EU-Recht kannst du den Ring wenigstens zwei Wochen später wieder zurück bringen wenn sie „Nein“ sagt“, reißt mich die Stimme meines besten Freundes aus den Gedanken und erinnert mich unsanft daran, dass wir hier eben nicht im Fernsehen sind. „Nein“ sagen – diese Möglichkeit hatte ich bis jetzt nicht einmal im entferntesten in Erwägung gezogen. Doch wenn ich ehrlich bin, ist das jetzt das Letzte, was ich hören will, bin ich doch von meinem Vorhaben überzeugt.

Im Nachhinein geben mir die Ereignisse nun Recht – sie hat natürlich „Ja“ gesagt. Und das obwohl ich kein Flugzeug chartern musste, der Tisch nicht an einem einsamen Stück Küste im Sonnenuntergang stand. Nein, passiert ist es schließlich spontan, nach einem gemütlichen Essen bei Kerzenschein. Im Schlosspark, genau an jener Stelle, an der immer die Hochzeitsfotos gemacht werden und wo auch wir in einem Jahr stehen, glücklich in die Kamera lächeln und uns dabei an diesen Tag zurück erinnern.

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