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Kann jeder einen Top-Abschluss schaffen?

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Kann jeder einen Top-Abschluss schaffen?
Fordern, aber nicht überfordern: Auch Eltern tragen zum Lernerfolg ihrer Kinder bei. © Christin Klose/dpa-tmn/Illustration

Ein Schulabschluss mit Bestnoten: Viele Ratgeber suggerieren, dass sei für jede und jeden mit ein paar Tricks machbar. Aber ist dem wirklich so und vor allem: Muss das überhaupt sein?

Berlin/Düsseldorf - Der Leistungsdruck beginnt häufig schon in der Schule: Ein glänzender Abschluss gilt als Garant für Erfolg im Berufsleben. Ratgeber-Bücher mit Titeln wie „Die geheimen Tricks der 1,0er-Schüler“ oder „Schluss mit ungenügend“ versprechen die ultimative Formel für Bestnoten im Abschlusszeugnis. Also, alles ganz einfach mit den Einsern?

„Jeder Ratgeber ist nur so gut, wie der- oder diejenige, der oder die ihn liest“, sagt Heike Windisch, Kinder- und Jugendcoach in Düsseldorf. Die Bücher könnten den ein oder anderen guten Hinweis liefern. Aber letztendlich komme es beispielsweise darauf an, wie ambitioniert jemand beim Lernen ist.

Auch das Lernen will gelernt sein

Wobei auch das Lernen gelernt sein will, so die Ansicht des Berliner Diplompsychologen Klaus Seifried. Kinder und Jugendliche müssten angeleitet werden, wie sie ihren Alltag nach der Schule strukturieren, wie sie sinnvoll die Hausaufgaben erledigen und auf welche Weise sie sich auf Klassenarbeiten oder Klausuren vorbereiten.

Auch andere Faktoren spielen eine Rolle. Etwa die Haltung und Einstellung des Lehrers oder der Lehrerin, findet Heike Windisch. Wie motiviert er oder sie die Klasse, will er oder sie eine Elite heranziehen oder nicht?

Das Klima an der Schule im Allgemeinen und der Einfluss von Mitschülerinnen und Mitschülern im Besonderen kann aus Sicht von Seifried ebenfalls entscheidend sein. Genauso zählt oft das häusliche Umfeld für den schulischen Erfolg.

Für Bestnoten braucht es Grips - und Motivation

Neben diesen externen Faktoren seien aber auch die eigene Lernmotivation sowie die kognitiven Fähigkeiten eines Kindes oder Jugendlichen entscheidend, sagt Seifried. Dem Diplom-Psychologen zufolge braucht es für sehr gute schulische Leistungen neben Fleiß unter anderem auch eine ausgeprägte Konzentrationsfähigkeit und ein gutes Gedächtnis.

Kommt ein Kind oder ein Jugendlicher mit dem Lernstoff nicht zurecht, kann Nachhilfeunterricht „viel bringen“, sagt Trainerin Heike Windisch. Dabei könne es darum gehen, dass Jugendliche verschiedene Lernmethoden mit einer Fachkraft trainieren. Ein Coach könne auch dann helfen, wenn Tochter oder Sohn sinngemäß sagen: „Ich habe keinen Bock zu lernen“. Wer sich selbst nicht motivieren kann, schafft sonst im schlimmsten Fall unter Umständen gar keinen Schulabschluss.

Fordern - nicht überfordern

Anderswo passiert genau das Gegenteil: Da glauben Eltern, dass ihr Kind ein verkanntes Genie ist und treiben es dazu an, doch bitte für die Schule zu büffeln und Top-Noten zu erzielen. Womit sie aber ihren Sohn oder ihre Tochter oft nicht unbedingt fordern, sondern eher überfordern. „Eltern dürfen die Erwartungen, die sie einst an sich selbst hatten, nicht auf ihr Kind projizieren“, sagt Seifried.

Besser sollten Eltern versuchen, die Schwächen des Nachwuchses auf schulischer Ebene zu akzeptieren - und vor allem die Stärken zu fördern. „Es gibt ein großes Spektrum in Sachen Leistungsfähigkeit, dazu zählen beispielsweise handwerkliche Tätigkeiten“, so der Diplom-Psychologe.

Bastelt der Nachwuchs etwa gerne und ist handwerklich begabt, interessiert sich aber weniger für Algebra, Latein oder Geschichte, müsse er nicht zwingend das Abitur machen, „noch dazu mit Bestnoten“, sagt Windisch. In solchen Fällen sei es oft besser, wenn Schülerinnen und Schüler nach der zehnten Klasse eine Ausbildung absolvieren.

Rahmenbedingungen müssen stimmen

Wer nichtsdestotrotz seinen Notenspiegel für den Abschluss verbessern will, kann aus den einschlägigen Ratgeber-Büchern durchaus etwas mitnehmen. Etwa, wie man einen Zeitplan erstellt und sich strukturiert. Voraussetzung: „Der Schüler oder die Schülerin ist neugierig, hat Freude am Lernen und ist hochgradig motiviert“, sagt Windisch.

Ein aufgeräumter Schreibtisch gehört ihrer Meinung nach mit zu den guten Lernbedingungen. Und vor allem: „Handy weg, damit man sich voll auf die Hausaufgaben konzentrieren kann.“ Um eines wird man als Schüler oder Schülerin zudem nicht herumkommen: „Frühzeitig mit dem Lernen anfangen, sobald man weiß, dass eine Klassenarbeit oder Klausur ansteht - und eben nicht kurz vorher“, so Windisch.

Eltern haben als Wegbegleiter für ihren lernenden Nachwuchs einen wichtigen Part: Sie sollten darauf achten, dass ihr Kind genug schläft, sich gesund ernährt und ausreichend bewegt. „Auch das sind gute Voraussetzungen fürs Lernen und damit für den schulischen Erfolg“, so Seifried. dpa

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