Besondere Osternacht in Obertshausen

Glocken für den Glauben

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Gut verstecktes Glockenrad: Noch hängt das spanische Mitbringsel verhüllt überm Kopf von Pfarrer Norbert Hofmann.

Obertshausen - Zum katholischen Lockruf braucht’s nicht immer die bronzenen Boten hoch im Turm. Manchmal tut’s auch schon der Klang im Kleinen. Von Peter Back 

In der Osternacht enthüllt Pfarrer Norbert Hofmann ein außergewöhnliches Mitbringsel aus Spanien – das einzige seiner Art in Deutschland, sagt der Geistliche. Ein bisschen aufgeregt ist Pfarrer Norbert Hofmann schon. Schließlich verspricht er „eine Osternacht voller Überraschungen“ für Gläubigen von Herz Jesu und Thomas Morus. „Vor allem ein in Deutschland einzigartiges Glockenrad wird für Verwunderung und Begeisterung sorgen“, ist sich der Geistliche sicher. Trotz eingehender Recherche habe er kein zweites Exemplar in der Bundesrepublik finden können. Anders in Frankreich und Spanien: Dort gehören die runden Klangkörper zum Alltag.

Unvergessen ist für Pfarrer Hofmann seine erste Begegnung mit einem Glockenrad. Am 30. April 2012, während des Besuches einer Gruppe in der Pfarrkirche El Salvador der im Südosten Spaniens gelegenen Stadt Caravaca, hatte er es oberhalb der Kanzel erspäht und sogleich gedreht. Der Klang ging ihm durch und durch, aber die Funktionsweise faszinierte den Pfarrer. Ein zweites Exemplar sei in der auf einem Berg gelegenen Basilika Caravacas in Gebrauch, erfuhr er auf Nachfrage. Gedreht würden die Räder immer dann, wenn der Segen mit dem Kreuz erteilt werde – seine Neugierde war geweckt.

Alles zum Osterfest

Auf den Tag genau zwei Jahre später weilte Pfarrer Hofmann erneut in Caravaca. Die 66-köpfige Reisegruppe aus der Pfarrei Herz Jesu war am Ende der Führung in der Kirche El Salvador so angetan von dem Glockenrad, dass sie noch in Spanien beschloss, ein solches Kunstwerk in der Kirche Herz Jesu zu installieren. Nachdem die Idee durch die Räte der Pfarrei abgesegnet worden war, machte sich Pfarrer Hofmann auf die Suche nach einem entsprechend talentierten Künstler. Fündig wurde er in einem Zimmermann aus der Nähe der spanischen Stadt Catagena, der Holz und Glocken kunstvoll miteinander verband und mit der Aufschrift „Basilika Herz Jesu“ versah.

Seit vergangenen Donnerstag ziert das Glockenrad, dessen Stifter ungenannt bleiben will, den Altarraum über dem Eingang zur Sakristei. Bei der Generalprobe in Herz Jesu am Karsamstag wird das mit einem Tuch verhüllte Mitbringsel von Ministranten enthüllt und eingeläutet, um dann während der Osternacht gesegnet zu werden. Schmücken wird es anschließend das Mauerwerk über dem Eingang zur Sakristei. Das Rund mit acht Speichen und einem Durchmesser von etwa einem Meter, wird von 24 goldfarbenen Glocken ergänzt. 16 größere sind nach außen gerichtet, acht kleinere nach innen. Zukünftig soll es zu besonderen kirchlichen Anlässen klingen, etwa an Feiertagen oder bei Goldenen und Silbernen Hochzeiten. Premiere hat es in der Osternacht, die um 21 Uhr in Herz Jesu beginnt und von der Bläsergruppe Musici di Roma mitgestaltet wird.

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