Brauchtum und Tradition bewahren

Österliche Symbolik aus der Backstube

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Osterlamm, Osterbrot, Osterkranz & Co. übernehmen zum Fest der Auferstehung die christliche Symbolik. Auch Bäckereiverkäuferin Birgit Göbel erfreut sich an den gehaltvollen Spezialitäten aus der Backstube.

Rodgau - Die kraftvolle Symbolik des Osterfestes spiegeln nicht nur viele kirchliche Darstellungen. Vielmehr bewahrt auch traditionelles Handwerk das österliche Brauchtum und dessen frohe Botschaft. Von Bernhard Pelka

Ein aus Hefeteig geflochtener Osterkranz als Symbol für die Unendlichkeit und das ewige Leben. Daneben liegt ein rundes Osterbrot, dessen Oberseite ein Kreuz dominiert: Bäckermeister Sascha Schäfer hält im elterlichen Betrieb Backtraditionen aufrecht, die schon 1929 die Firmengründer ins Leben gerufen hatten. Derzeit nehmen einige der meist gehaltvollen Leckereien aus der Backstube die Symbolik des Osterfestes auf. Da darf das Osterlamm natürlich nicht fehlen.

Für den Bäckermeister ist Ostern mit die schönste Jahreszeit. „Da sind die traditionellen Backwaren, die es nur zu speziellen Anlässen gibt, noch gefragt.“ Zu anderen Festen – etwa Silvester – herrscht hingegen kaum noch Nachfrage nach besonderer Ware. Zum Beispiel ist der Stutzweck, der früher immer in der Silvesternacht zum Jahreswechsel gegessen wurde, aus dem Bewusstsein der Kunden inzwischen so gut wie verschwunden. Nicht so die ausschließlich an Ostern angebotenen Backwaren. Schäfer versucht, sie durch kleine Modifikationen für eine breite Käuferschicht interessant zu halten. Wer Osterbrot, Osterlamm, Osterkranz & Co. nicht so sehr aus klerikalen Gründen und wegen der christlichen Symbolik kaufen mag, findet heute deshalb Zuckereier als Zierde auf den Kränzen.

Überdies bietet der Hainhäuser Familienbetrieb zwei Sorten Osterbrot an: einmal mit den sehr dominanten Zutaten Zitronat/Orangeat, die die Hoffnung auf ein fruchtbares Jahr

ausdrücken, und einmal ohne. Das ist dann ein Oster-Mandel-Stuten, der aussieht wie eine Bischofsmütze. Und das Osterlamm besteht heute nicht mehr aus einem von Puderzucker bestäubten Bisquitteig, sondern ist ein saftiger Marmorkuchen, veredelt mit einer Glasur von weißer Schokolade. Hinter diesem Konzept stecke auch die Frage: „Wie schaffen wir es als Handwerksbetrieb, uns von Massenware positiv abzuheben und trotzdem Traditionen aufrecht zu erhalten?“

Bilder: Frühlingsfest in Rodgau

Österliches Brauchtum und Symbolik haben in ganz Hessen Einzug gefunden in die Backstuben. Vieles davon ist heute allerdings verschwunden oder hierzulande nicht mehr bekannt. Zum Beispiel Umzüge, bei denen die Teilnehmer sogenannte Sommertagsstecken hielten, kennt man kaum noch. An den Stecken hingen Büschel immergrüner Pflanzen, eine Brezel und ein Ei. Natürlich ist das Ei der Klassiker unter den Ostersymbolen. Viele Bäckerein boten früher deshalb zum Fest der Auferstehung den Eierring an. Seinen Ursprung hat er wohl im Heidnischen – als Ausdruck für den Jahreslauf. Die Christianisierung wollte darin dann ein Symbol für die Dornenkrone Jesu erkennen. Überliefert ist auch, dass die zwölf Eier auf dem Teigkranz an die zwölf Apostel erinnern sollten. Immer spielte bei österlichen Backwaren deren hoher Nährstoff- und Kaloriengehalt eine große Rolle. Nach dem Ende der Fastenzeit konnten gar nicht genug Butter und Zucker in den Teig gemischt werden. Das ist auch heute noch so. Obwohl die Wenigsten zur Fastenzeit tatsächlich hungern.

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