„Nein zum Krieg – abrüsten statt aufrüsten“

Für eine lebenswerte Zukunft

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Mit bunten Plakaten fordern die Friedensaktivisten beim Ostermarsch nach Frankfurt die Bundesregierung zur Abrüstung auf.

Unter dem Motto „Nein zum Krieg – abrüsten statt aufrüsten“ haben sich rund 120 Offenbacher zum Auftakt des Ostermarschs vor dem Rathaus versammelt. Die Friedensaktivisten demonstrieren unter anderem für einen Stopp deutscher Waffenexporte.

Offenbach – „Kommt, wir ziehen in den Frieden, wir sind mehr als du glaubst“, singt die Musikerin Conni Zeul den Refrain des gleichnamigen Udo-Lindenberg-Songs auf dem Stadthof. Zirka 120 überwiegend ältere Bürger sind dem Ruf der Offenbacher Friedeinsinitiative zum diesjährigen Ostermarsch gefolgt. Gerüstet mit Flaggen, Trillerpfeifen und Plakaten fordern sie die Bundesregierung zur Demilitarisierung auf.

„Abrüstung ist die Vorraussetzung dafür, dass wir eine Entspannung bekommen können“, erläutert die Sprecherin der Initiative, Christa Führer-Rößmann. Vor dem Hintergrund ernstzunehmender Konflikte zwischen den Weltmächten verzeichnet sie ein wachsendes Interesse der Offenbacher am Thema Abrüstung. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass viele Menschen besorgt sind.“

Sorgen macht sich auch Demonstrant Thomas Ewald-Wehner. Um seinen Hals hängt ein Plakat mit der Aufschrift „Rüstung: größter Klima-Killer“. Der dreifache Vater befürchtet einen dritten Weltkrieg, sollte sich an der derzeitigen politischen Lage nichts ändern. „Das würde Barbarei bedeuten und wäre das Ende der Menschheit“, mahnt er. Schon als junger Mann sei er deshalb auf die Straße gegangen. „In den 70ern haben wir keinen Ostermarsch ausgelassen“, erinnert sich eine Aktivistin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will.

Sie kritisiert, es hätten sich in diesem Jahr nur wenige junge Offenbacher mobilisieren lassen. Sie begrüße das Engagement der Schüler an den „Fridays for Future“-Demonstrationen für den Klimaschutz. Im gemeinsamen Kampf für eine lebenswerte Zukunft solidarisiert sich auch die Offenbacher Friedensinititative mit dem Nachwuchs. „Wir haben eine drohende Klimakatastrophe“, mahnt der Hauptredner der Auftaktkundgebung, Tobias Huth, bei seiner Ansprache an.

Als Kreisverbandsvorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) plädiert er an die Bundesregierung, für diplomatische Lösungen einzustehen, anstatt sich an Militärinterventionen zu beteiligen. „Es müsste Geld in die Kommunen statt in Aufrüstung gesteckt werden“, fordert Huth. Es gäbe viele strukturelle Probleme im Land: marode Schulen, zu wenig sozialer Wohnbau, Technologie sowie Kinder- und Altersarmut. Er beobachte in Offenbach immer wieder Menschen beim Pfandsammeln. „Das ist nicht menschenwürdig und widerspricht dem Grundgesetz“, bewertet Huth. Seine Kritik gilt auch einer „Politik der Spaltung und Ausgrenzung“ vonseiten der AfD und Mächtigen wie dem US-Präsidenten Donald Trump.

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Von der Bundesregierung fordert die Offenbacher Friedensinitiative den Abzug aller Atomwaffen aus Deutschland, den Beitritt zum Atomwaffengesetz der UNO und den Einsatz für den Erhalt und die Einhaltung des INF-Vertrags. Die 1987 unterzeichnete Übereinkunft von Russland und den USA über den Verzicht auf landgestützte atomare Mittelstreckenwaffen gilt als einer der wichtigsten Abrüstungsverträge der Welt. Weil Russland gegen Auflagen des INF-Vertrags verstoßen haben soll, kündigte Donald Trump im vergangenen Jahr den Rückzug aus dem Abkommen an. „Wenn jeder wie Amerika ‘first’ ist, gibt es keine Solidarität mehr“, fürchtet Huth.

Eine heitere Zusammenfassung der Themen Klima, Gerechtigkeit, Populismus, Krieg und Frieden trägt Jung-Lyriker Samuel Kramer als Gedicht vor. Dafür erntet er viel Applaus – auch wenn nicht jeder beim Zuhören mit seinem Tempo mithalten kann. „Wenn ich auch nur die Hälfte verstanden hätte, wäre ich glücklich – aber ich bin auch schon älter“, scherzt eine Dame.

Nach der knapp einstündigen Veranstaltung marschieren die Friedensaktivisten weiter nach Frankfurt, durch Oberrad und Sachsenhausen zur Großkundgebung auf den Römerberg. Unterwegs schließen sich ihnen viele weitere an.

VON TAMARA SCHEMPP

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