Kaninchen sind anspruchsvoll in der Haltung und keine Kuscheltiere

Als Spielgefährten ungeeignet

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Ein Kaninchen als Ostergeschenk will gut überlegt sein.

Ein Kaninchen im Osternest lässt Kinderaugen strahlen. Allerdings sind die Langohren in keiner Weise als Spielgefährten für Kinder geeignet.

Seligenstadt – Darüber und über die hohen Anforderungen für eine artgerechte Haltung haben wir mit Sabine Fuchs, Leiterin der Kleintiergruppe im Tierschutzverein Seligenstadt, gesprochen. Das Kaninchen zählt zu den beliebtesten Haustieren Deutschlands. Doch landen Hunderte von ihnen im Tierheim. Im schlimmsten Fall werden sie ausgesetzt, was sie zur leichten Beute für Raubtiere wie Fuchs, Marder oder Eule macht. Andere verhungern oder erfrieren im Winter, da sie sich auf die neue Situation nicht einstellen können.

Sabine Fuchs hat die Erfahrung gemacht, dass der erste Reiz für den Kauf eines Kaninchens darin besteht, dass sie niedlich sind und einem Kuscheltier ähneln, keinen Lärm machen, für wenig Geld zu haben sind und das nötige Zubehör auf den ersten Blick schnell angeschafft ist. „Wenn man nach dem Kauf anfängt, sich mit den Bedürfnissen des Tieres zu beschäftigen, ist die Überraschung oft groß. Viele schaffen sich ein Kaninchen mit einer völlig falschen Erwartungshaltung an“, stellt Fuchs fest.

Kaninchen sind keine Kuschel-, sondern Fluchttiere. Dies bedeutet, dass beispielsweise das Tragen oder Festhalten extreme Panik bei den Tieren auslöst. Es setzt sehr viel Geduld und Ruhe voraus, bis ein Kaninchen sich streicheln oder gar hochheben lässt. Kaninchen sind dämmerungsaktiv, dies bedeutet, dass sie um die Mittagszeit deutlich ruhiger sind. Somit ist das die beste Zeit, sich ihnen zu nähern und sie zu streicheln. Einen rücksichtsvollen Umgang sollten auf jeden Fall auch die Kinder lernen.

„Genießen werden es trotz allem die Wenigsten“, meint Fuchs weiter. Denn die hübschen Langohren bauen nie eine Bindung zu ihrem Halter auf, die der von Hund oder Katze gleicht. Sie lieben und brauchen unbedingt das Zusammensein mit Artgenossen, kuscheln stundenlang, kommunizieren über Gerüche und Gesten. Am besten funktionieren dabei gemischtgeschlechtliche Beziehungen, wobei der Bock natürlich auf jeden Fall kastriert sein sollte. Kaninchen sind schon nach wenigen Monaten geschlechtsreif und können sechs- bis zehnmal im Jahr Junge werfen.

Unterschätzt werden auch die Bedürfnisse bezüglich Gehege und gesunder Ernährung, erzählt Sabine Fuchs weiter. Empfohlen wird eine Stallfläche von zwei Quadratmetern pro Tier. Kaninchen sind Höhlenbewohner, deshalb sollte immer auch ein Schlafhäuschen vorhanden sein. Nicht zuletzt dazu, dass sich das Tier dort schnell verstecken kann, wenn es sich bedroht fühlt. Über ein Haus mit mehreren Ebenen freut sich jedes Langohr. Im Sommer sind sie gerne draußen, allerdings sollten sie einen schattigen Rückzugsort haben. Nicht zuletzt, betont Fuchs, brauchen sie ihren täglichen Auslauf. Kaninchen können bis zu 40 km/h schnell werden, da wird sofort klar, dass ein üblicher, im Handel erworbener Stall von einem Quadratmeter nicht einmal annäherungsweise groß genug ist. Haben Kaninchen nicht die mögliche Bewegungsfreiheit, verkümmert die Muskulatur, was zu starken Verhaltensstörungen bis hin zur Bissigkeit führen kann.

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Fehler werden auch bei der artgerechten Ernährung gemacht. Vor Trockenfutter sowie getrocknetem Brot warnt die Expertin ausdrücklich. Sie können zu erheblichen Organschädigungen führen. Eine ausgewogene Ernährung besteht aus einer Auswahl an Grünfutter, frischem Gemüse, etwas Obst und Kräutern. Im Sommer kann man die tägliche Gabe Grünfutter (Gras, Löwenzahn und Kräuter) sehr gut auf nicht gedüngten, straßenfernen Wiesen pflücken. Frisches, staubfreies Heu sollte rund um die Uhr zur Verfügung stehen.

Das Wasser sollte aus physiologischen Gründen nur in Töpfen bereitgestellt werden. Trinkflaschen verlangen den Tieren nicht nur eine unnatürliche Kopfhaltung ab, sondern sind auch schwierig sauber und keimfrei zu halten.

Sabine Fuchs würde sich wünschen, dass sich künftige Halter vor der Anschaffung ausführlich über die Bedürfnisse von Kaninchen informieren. Und den Gang zum Tierheim dem Kauf im Handel oder gar über das Internet bei möglicherweise unseriösen Züchtern vorziehen. Denn im Heim warten viele Tiere auf ein neues Zuhause. 

VON DORIS BECKER-HERR

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