Als Prüfungsarbeit ein Rockfestival

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Sie liefern mit einem Wohltätigkeits-Rockkonzert am kommenden Samstag ihr Meisterstück als Veranstaltungsmanagerinnen ab: Melanie Hubert (25 Jahre, Frankfurt), Sarah Gehrig (27, Frankfurt) und Jana Rodewoldt (22, Neu-Isenburg, von links).

Frankfurt - „Es wird zunehmend schwieriger – und teurer – den Verbraucher allein über klassische Werbung zu erreichen. Schließlich will er nicht nur umworben, sondern auch unterhalten werden.“  Von Fabian I. El Cheikh

So lautet zusammengefasst die Theorie, mit der sich 28 Auszubildende der Frankfurter Stauffenberg-Berufsschule in den vergangenen drei Jahren beschäftigt haben.

Kurz vor Ende ihrer Azubi-Zeit geht es für sie jetzt in die Praxis. Sie müssen unter Beweis stellen, dass sie gelernt haben, Marketing und Entertainment erfolgreich miteinander zu verknüpfen.

Tickets für das Festival gibt es in der Batschkapp, Maybachstraße 24, Frankfurt-Eschersheim, außerdem im Internet und im Vorverkauf ab acht Euro.

Die Bornheimer Schülerinnen und Schüler sind angehende Veranstaltungskaufleute, und für ihr großes Abschlussprojekt haben sie sich ebenso Großes vorgenommen: „Wir wollen ein Charity-Rockfestival auf die Beine stellen“, verkündet Jana Rodewoldt, die in Neu-Isenburg lebt. Nicht irgendeines, sondern das größte Rockfestival des Jahres in Frankfurt. Nicht an irgendeinem Ort, sondern in den wohl angesagtesten Band-Locations der Stadt: der Batschkapp und dem Elfer Music Club.

Acht Bands, zwei Veranstaltungsorte, 600 Fans, Karaoke, „Pre-Chill-Area“, Gastronomie, Aftershow-Party – Rodewoldt und ihre Mitschülerinnen und Mitschüler haben Superlative vor Augen. Sie wollen das Abschlussprojekt ihrer Ausbildung zu einem der erfolgreichsten der Schule überhaupt machen. Dabei haben sie kein eigenes Budget, ja nicht einmal einen einzigen Cent zum Ausgeben: „Wir sind mit einem Null-Euro-Budget in das Projekt gestartet“, berichten die Organisatoren des Festivals, Jana Rodewoldt, Sarah Gehring und Melanie Hubert.
Deshalb mussten die drei Powerfrauen zusammen mit ihrer Klasse Klinken putzen gehen. Sowohl bei Bands als auch bei Sponsoren. Viel Zeit und Herzblut haben sie investiert, vor, während und nach der Schule – und sogar auf der Arbeit in ihren Ausbildungsbetrieben: „Wir haben zum Glück sehr kulante Chefs, die uns so weit es ging unterstützten – auch finanziell. Aber irgendwann ist natürlich auch mal Schluss“, meint Sarah Gehring, die neben der Schule bereits Events für den Fechenheimer Technotempel „Cocoon Club“ plant.
Um möglichst viel Geld in die Veranstaltungskasse zu spülen, haben die Schüler Kuchen gebacken, Waffeln verkauft und Frankfurter Unternehmen von der Fraport AG über die Messe Frankfurt bis zur „Meyer Catering und Service GmbH“ und „Best Worscht in Town“ um Spenden gebeten. Mit Erfolg: „Wir haben viele Sachspenden und teilweise auch Geldspenden erhalten“, freut sich Melanie Hubert. Als Gegenleistung bekamen die Firmen kostenfreie Werbeflächen im Internet sowie auf Flyern und Bannern.
Über die große Spendenbereitschaft waren Rodewoldt und Co einigermaßen überrascht: „Es ist schön zu sehen, wie groß die Hilfsbereitschaft ist. Wir mussten allerdings feststellen, dass die kleinen bereitwilliger spendeten als die großen Betriebe.“

Programm:

Das Rockfestival „How to Rock and Help“ startet am kommenden Samstag, 11. Juli, mit einem “Grill und Chill” um 16 Uhr. Unter dem Begriff „Actionpainting“ werden Künstler live vor den Augen der Gäste Leinwände gestalten, welche es in der begleitenden Tombola zu gewinnen gibt. Um 18.30 Uhr startet die erste Band, ab dann erwartet die Musikbegeisterten ein perfektes Line-Up mit Künstlern wie Sep7ember, YEN, Morning Boy, Ray Barracks und The Clinch.

Die Aftershow-Party findet ab 22.30 Uhr im Elfer Music Club statt. Dort wird die Band „Funkfragen“ funky Grooves mit Rockmotiven und einer Brise Pop zum Besten geben. Von Live-Musik geht es dann über zu Vinyl und es darf bis vier Uhr morgens weiter gefeiert werden.

Die Veranstaltungskaufleute in spe profitierten dabei auch von ihren eigenen Bekanntschaften und Beziehungen in die Wirtschaft, ebenso wie in die Veranstaltungsbranche: „Viele von uns arbeiten bereits für Firmen, vom Pharmaunternehmen über kleine Eventagenturen bis hin zu großen Veranstaltungshallen.“ Darüber hinaus profitierten die Schüler von ihren eigenen Erfahrungen: „Jeder konnte von den anderen noch etwas lernen. Auf diese Weise sind wir immer professioneller geworden.“
Größtes Argument bei den Sponsoring-Verhandlungen war der Wohltätigkeitscharakter des Konzertes. Sämtliche Einnahmen sollen und müssen für einen guten Zweck gespendet werden, dafür haben die Schüler den Offenbacher Verein „HOPEhelps“ gewonnen. Mit dem Gesamterlös wolle HOPEhelps den Bau eines Waisenhauses in Äthiopien unterstützen, so die drei Festivalveranstalter.
Mittlerweile haben die Stauffenberg-Schüler den so genannten break-even, also die Gewinnschwelle, erreicht: „Wir haben Platz für mehr als 600 Leute in der Batschkapp“, rechnet Sarah Gehring, „wenn 500 ein Ticket kaufen, dazu noch alle Ein-Euro-Lose für die Tombola verkauft sind, sind wir am Ende bei 6000 Euro Einnahmen. Wenn dann noch der Würstchen-Verkauf hinzu kommt, kommen wir auf 7000 Euro.“ Geschätzt oder kalkuliert? „Gewünscht“, meint Gehring und lacht. Es wäre schon ein Erfolg, wenn sie mehr als 2000 Euro einnähmen – soviel ist beim bislang erfolgreichsten Abschlussprojekt der Schule vor einigen Jahren heraus gekommen. „Diese Summe werden wir aber übertreffen“, sind alle zuversichtlich.
Die auftretenden Bands werden wegen des Charity-Gedankens ohnehin ohne Gage auf der Bühne stehen: „Es sind alles Newcomer-Bands aus dem Raum Frankfurt, die gerade am Aufsteigen sind, und für die ist es einfach cool, in der Batschkapp zu spielen.“
Damit der Abend auch wirklich ein voller Erfolg wird, müssen die Schülerinnen noch fleißig die Werbetrommel rühren. Musikmagazine wurden bereits angeschrieben, ebenso die Online-Infoportale wie „stadtleben.de“ oder „My Space“. Als Medienpartner haben sie das Fritz-Magazin gewonnen. Außerdem sollen Flyer in den einschlägigen Etablissements (Nachtleben, Cave, Final Destination) verteilt werden. „In der Endphase gibt es richtig viel zu tun, und wir sind froh, wenn das Projekt abgeschlossen ist. Zurzeit brauchen wir jede freie Stunde für die Organisation und müssen täglich bis zu 80 Mails beantworten.“ Gerade sind die ersten Flyer fertig geworden: „Wir haben uns riesig gefreut, endlich was in der Hand zu halten.“

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