Bretonisches Inselglück auf Belle-Île

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Sauzon liegt ganz im Norden der Insel.

Belle-Île - zu deutsch, schöne Insel - trägt ihren Namen wohl zu Recht: Traumhafte Strände, steile Klippen und charmante Hafenstädtchen. 

Ebbe und Flut: Der nördlichste Zipfel der Insel mit seinem weiß-roten Leuchtturm

Eine Polsterlandschaft aus Grasbüscheln scheint nur darauf zu warten, dass man sich der Länge nach ausstreckt. Am besten auf dem Rücken, um die Möwen in der Luft zu beobachten. Faul im Gras zu liegen und die Landschaft anzuschauen ist ein guter Weg, um sich dem Rhythmus von Belle-Île anzupassen. Auf der größten der bretonischen Inseln lebt es sich langsam. Wer schnell große Strecken zurücklegen will, ist hier falsch. Belle-Île ist nicht mal 20 Kilometer lang und an der breitesten Stelle knapp neun Kilometer breit.

Mit mächtigem Tröten kündigt sich die Fähre an, die Pendler und Urlauber in den Hauptort Le Palais bringt. Kurz vor der schmalen Hafeneinfahrt drosselt das Schiff seine Geschwindigkeit und gleitet zwischen den beiden kleinen Leuchttürmen hindurch, einer mit grünem, der andere mit rotem Hütchen.

Das Tor zur Insel: Le Palais

Nicolas Fouquet, der schwerreiche Finanzchef des Sonnenkönigs Ludwig XIV., hatte sich die Insel Mitte des 17. Jahrhunderts gekauft und zum Stützpunkt seiner Handelsflotte ausgebaut - ohne sie je zu besuchen. Doch Fouquet fiel in Ungnade, der König ließ ihn verhaften und konfiszierte die Insel. Ludwig XIV. schickte seinen Festungsbaumeister Vauban nach Belle-Île. Die Zitadelle auf sternenförmigem Grundriss zählt zu Vaubans Klassikern und birgt heute ein schickes Hotel.

Belle-Île lässt sich auf einem Küstenweg erwandern. In vier bis fünf Tagen käme man einmal um die ganze Insel herum. Der Weg ist gut markiert und ausschließlich Wanderern vorbehalten. Er schlängelt sich durch hochgewachsenen Farn oder durch kleine Pinienwälder, in denen es nach würzigem Harz duftet.

Gustave Monet liebte die Felsen im Meer an der Westküste der Belle-Île.

Um mehr von der Insel zu sehen, gibt es zwei Möglichkeiten: Fahrräder oder Mietwagen. Fahrräder sind eher für sportliche Menschen. Obwohl die Insel keine markanten Hügel besitzt, geht es häufig rauf und runter, und die Straßen sind schmal. Lustiger ist es im Spielzeugauto. Gleich am Hafen von Le Palais gibt es einen Autoverleih, der winzige Zweisitzer-Cabrios im Angebot hat, die an Autoscooter auf der Kirmes erinnern. Wir entscheiden uns für ein tiefliegendes Cabrio, das weder ein Dach noch Türen hat. Zwischen den Sitzen und der Straße beträgt der Abstand nur ein paar Zentimeter. Das quietschgelbe Auto lacht uns freundlich an: Die runden Scheinwerfer sind hochgestellt, darunter prangt ein aufgemalter grinsender Mund. Ja, es sieht albern aus - aber es macht fürchterlichen Spaß, damit durch die Gegend zu fahren.

Fangfrisches aus dem Meer: Eine Marktfrau verkauft in Sauzon Hummer.

Mit Wind im Haar geht es nach Sauzon, dem Ort im Norden der Insel. Die Entfernungen sind übersichtlich, kaum ist der vierte Gang getestet, rollt der gelbe Miniflitzer schon im Hafen ein. Weiße Jachten schaukeln auf dem Wasser, zartgrüne Fischernetze liegen am Kai. Eine einzelne Marktfrau verkauft fangfrische Hummer und Meeresspinnen, deren Scheren und Beine sich wie in Zeitlupe bewegen.

Der nördlichste Zipfel der Insel mit seinem weiß-roten Leuchtturm hat sich so weit ins Meer hervorgeschoben, dass er nur bei Ebbe zu erreichen ist. Die französische Schauspielerin Sarah Bernhardt (1844-1923) hatte sich die Pointe des Poulains zu ihrem Rückzugsort fern des Pariser Glitters und Glamours erkoren. Damals dauerte die Zugfahrt von Paris noch zwölf Stunden, vom Boot aus ließ sie sich von starken Helfern ans Land tragen.

Wenige Jahre vor Sarah Bernhardt hatte auch der Maler Claude Monet Belle-Île entdeckt. Zwei Wochen wollte er bleiben, doch daraus wurden zweieinhalb Monate. Vor allem die Westküste hatte es ihm angetan. Vor der Steilküste ragen Felsenformationen wie langhalsige Monster aus dem Meer. Die Aiguilles de Port Coton verdanken ihren Namen der Tatsache, dass die Gischt aus der Ferne an weiße Wattebäusche erinnert.

Ankunft auf Belle-Île

Das Spielzeugauto springt mit einem Rucken an, was eine Gruppe von Schulkindern amüsiert. Die Fahrten von einem schönen Ort zum nächsten dauern kaum länger als 20 Minuten. In Bangor, dem einzigen größeren Ort im Landesinneren spielen mehrere alte Männer Boule. Hier hatte der frühere französische Präsident François Mitterrand sich gerne aufgehalten.
Im Abendlicht erreichen wir Le Palais, wo auf den Terrassen der Cafés schon der Aperitif getrunken wird. Die übrige Abendunterhaltung besteht darin, sich erst zwischen den Restaurants und dann zwischen den Angeboten auf der Speisekarte zu entscheiden.
Frischer Fisch und salzige Butter sind die beiden Grundzutaten auf Belle-Île, und daraus lassen sich unglaublich leckere Gerichte zubereiten. Dazu ein frischer Rosé, zum Abschluss ein flambierter Crêpe - und das Inselglück ist perfekt.

Von Ulrike Koltermann, dpa

DIE REISE-INFOS ZU BELLE-ILE

REISEZIEL: Belle-Île-en-Mer liegt südlich von Lorient und ist die größte der bretonischen Inseln.

ANREISE: Die Anreise erfolgt in der Regel mit dem Schiff ab dem Hafen Quiberon. Dort stehen kostenpflichtige Parkplätze zur Verfügung. Die Insel verfügt nur über einen kleinen Flughafen.

BESTE REISEZEIT: Hochsaison ist im Juli und August. In den Monaten davor ist es zwar mitunter noch recht kühl, doch weniger überlaufen.

WOHNEN: Auf der Insel gibt es einige Hotels und Pensionen. Vor allem in der Hauptsaison sollte man aber vorab reservieren.

MOBIL AUF DER INSEL: Der eigene Auto kann mit auf die Insel genommen werden, die Fährüberfahrt muss jedoch angemeldet werden. Ansonsten gibt es auf der Insel Verleihstationen für Mofas, Autos und Fahrräder. Die beschriebenen Spielzeugautos verleiht Locatourisle.

MEHR INFOS: Tourismus Belle Ile im Internet unter www.belle-ile.com

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