Frankreich

Die Vogesen - Natur und Genuss

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In Orten wie Ribeauvillé am Fuß der Vogesen können Urlauber bei jedem Wetter Riesling und Gewürztraminer probieren.

Epinal - Schlechtes Wetter und dann noch mit der ganzen Familie unterwegs? Kein Problem, wenn Sie Ihren Urlaub in den Vogesen verbringen. Es gibt einfach kein schlechtes Wetter.

Warum ein Familienurlaub auch bei Regen durchaus gelingen kann. Die Interessen von drei Familien mit insgesamt fünf Kindern im Urlaub unter einen Hut zu bringen, ist an sich schon eine ziemliche Herausforderung. Wenn dann das Wetter obendrein nicht optimal ist, wird’s noch ein bisserl komplizierter. Doch mit ein paar Tricks und vielen Informationen vom Fremdenverkehrsamt kann man selbst Regentagen etwas Gutes abgewinnen, wie Reiseredakteur Volker Pfau in den Vogesen erlebte.

Feuchte Atlantikluft fällt hier als Niederschlag.

Es regnet an diesem Tag nur einmal – von morgens bis abends. Kein Wunder, dass die Laune von Stunde zu Stunde sinkt. Wir sind für eine Woche im Ferienhaus in den Vogesen, da schmerzt jeder Tag, den man nicht draußen in der Natur verbringen kann – vor allem, wenn fünf Kinder im Alter von drei bis elf Jahren dabei sind, die zuvor etliche Stunden im Auto sitzen mussten. Die wollen jetzt raus und sich bewegen und haben kein Verständnis dafür, dass dieses französische Mittelgebirge „wilder“ sein soll als der Schwarzwald, wie das Lexikon sagt. Die exponierte Lage der Vogesen ist schuld daran, dass die feuchte Atlantikluft hier im Westen als Niederschlag fällt, lesen wir in dem schlauen Buch. Das ist interessant, tröstet aber die nicht, die nass werden. Die geplanten Wanderungen oder gar ein Besuch im Abenteuerpark Bol d’Air müssen zuerst einmal leider ausfallen. Statt dessen suchen wir ein Ziel aus, das für die Kinder ebenso spannend ist, auch in der Natur liegt und sogar halbwegs regengeschützt: das Bergwerk in Le Thillot, im südöstlichsten Zipfel der Vogesen.

Schon die Ankleidezeremonie mit den Umhängen und Helmen auf dem Parkplatz ist ein Erlebnis. Wie eine Schar gelber Wichtelmänner folgen wir dann unserem Führer, ziehen am Stolleneingang die Köpfe ein und watscheln in gebückter Haltung in den Berg hinein. Vom 16. bis zum 18. Jahrhundert wurde hier Kupfer abgebaut, erfahren wir, das dann mit Zinn verschmolzen zur Bronzegewinnung diente. Die Förderung des Metalls war so lukrativ, dass hochbezahlte Bergleute aus Tirol und Böhmen angeheuert wurden. Ein Datum muss unser Führer noch loswerden: Im Jahr 1617 wurde hier zum ersten Mal in Europa mit Schwarzpulver Gestein aus dem Berg gesprengt. Wir malen uns aus, wie es da gekracht und gestunken hat.

Schokoladen-Künste aus Frankreich

Geräusche und Düfte ganz anderer Art empfangen uns dann beim nächsten Schlechtwetter-Programmpunkt: dem Besuch der Bonbonfabrik. Es riecht ein bisserl wie im Wald, weil gerade ein Block einer kristallisierten grünen Masse in mundgerechte Stücke zerkleinert wird. Es sei die Geschmacksrichtung „Tanne“, sagt die nette Frau an der Maschine, die den Bonbon-Bruch produziert. Die vielen Teile werden dann in Beutel gefüllt, gewogen und etikettiert. Fertig ist die süße Spezialität der Confiserie des Hautes-Vosges. Nebenan köchelt auf dem Gasherd ein Kupferkessel voll geschmolzenem Zucker. Behände kippt ein Mitarbeiter die Masse auf einen Metalltisch, verteilt sie gleichmäßig, tröpfelt ein bisserl Bergamotte-Aroma drüber und vermengt alles, bevor es abkühlt. Das seien 40 Kilogramm Bonbon in einem Stück, erklärt der Zuckerbäcker, mundgerecht aufbereitet werden daraus etwa 10 000 Angriffe auf den Zahnschmelz. Die noch warme Masse wird zerteilt, ausgerollt und durch eine Walze geschoben, in der eine Metallform dann die einzelnen Bonbons ausstanzt. Hinterher darf natürlich probiert werden, was da am Schluss in den großen Behälter plumpst. Süß geht’s weiter: Wir halten am Rückweg noch bei der Schokoladen-Fabrik Thil in Saulcy-sur-Meurthe. Leider sei eine Führung nur nach Anmeldung möglich, bedauert Verkäuferin Virginie und spendiert uns zum Trost einige Probier-Pralinen.

Es ist wohl besser für unsere schlanke Linie, dass die Schokoladen-Künstler in der Konditorei schon Feierabend gemacht haben. Die Versuchung zur Maßlosigkeit wäre groß gewesen, die Kinder sind so schon kaum im Zaum zu halten. So müssen wir dann bei den Wanderungen, die wir doch noch machen können, nicht gar zu viel von den genossenen Leckereien abtrainieren. Und der Regen hatte neben den Genuss-Touren noch etwas Gutes: Die Bäche sind so gut gefüllt, dass die Wassefälle, die es in den Vogesen zuhauf gibt, ihre volle Pracht bieten. Das ist Natur zum Genießen.

REISEZIEL VOGESEN 

Die Vogesen sind ein Mittelgebirge in Ostfrankreich. Höchste Erhebung ist der Große Belchen (1424 Meter). Im Sommer sind sie ein Ziel vor allem für Wanderer und Mountainbiker, im Winter sind mehrere Lifte geöffnet und Loipen gespurt.

ANREISE
Von München auf der Autobahn A 8 bis Karlsruhe, dort weiter auf der A 5 Richtung Basel bis Ausfahrt Appenweiher. Über Straßburg auf der mautfreien A 35 bis Colmar und über den Col de la Schlucht (1139 Meter) nach Gérardmer. Entfernung von München rund 500 Kilometer.

UNTERKUNFT
Wir übernachteten mit elf Personen in einem Ferienhaus (Gite Rural Nr. 12658) in der Nähe von Géradmer. Preis: ab 668 Euro pro Woche; Info und Buchung bei Gites de France Vosges-Meurthe & Msle, Epinal, Tel. 0033-329- 355034, www.vosges-gites.com

AKTIVITÄTEN N BOL D‘AIR
In dem Abenteuerpark in La Bresse kann man frei schwebend an einer 1330 Meter langen Seilbahn durch den Wald fliegen, vom 20 Meter hohen Turm einen Bungee-Sprung wagen oder diverse Klettergerüste erklimmen und sich an Hochseilartistik versuchen. Info: Bol d’Air, La Bresse, Tel. 0033- 329-256262, www.bol-d-air.fr

BONBON-FABRIK
Wie die traditionellen Bonbons der Vogesen in Handarbeit hergestellt werden, kann man live miterleben und darf natürlich auch probieren. Außerdem gibt’s ein kleines Museum und – logisch – einen großen Werksverkauf. Geöffnet Mo. bis Fr. von 10 bis 12 und 14 bis 18 Uhr; Eintritt frei; Info: Confiserie des Hautes-Vosges, Plainfaing, Tel. 0033-329-504456

MUNSTER-KÄSE
Dieses traditionelle würzig-herzhafte Milch-Produkt der Vogesen wird zum Beispiel von Eric und Cécile Bataille hergestellt, deren Bauernhof nur etwa zwei Kilometer von der Bonbonfabrik entfernt ist. Vormittags können die Käserei und der Stall mit den Kühen der Vogesen-Rasse nach Anmeldung besichtigt werden. Ferme de Xéfosse, Plainfaing, Tel. 0033-329-503653, E-mail: fermedexefosse@aol.com n

SCHOKOLADE
Der kleine Laden birst fast vor dem süßen Angebot, das von der 100-Gramm-Tafel über überdimensionalen Kunstwerken aus Kuvertüre bis zu scheinbar unzähligen Pralinensorten reicht. Geöffnet Mo. bis Fr. von 9 bis 12 und 14 bis 19 Uhr; Info: Chocolaterie Thil, Saulcy-sur-Meurthe, Tel. 0033-329-500031, www.chocolaterie-thil.com

KUPFERMINE
Im Ort Le Thillot ist im ehemaligen Bahnhof das neue, liebevoll gestaltete Bergbaumuseum, das auch für Kinder die harte Arbeit unter Tage sehr anschaulich präsentiert. Die Führungen durch die Stollen starten in etwa drei Kilometer Entfernung. Eintritt (Museum und Stollen): Kinder (ab 6 Jahre) 4 Euro, Erwachsene 7 Euro; Info: Les Hautes-Mynes, Le Thillot, Tel. 0033-329- 250333,

INTERNET
hautes.mynes.free.fr Auskunft n Comité Régional du Tourisme de Lorraine, Abbaye des Prémontrés, 54704 Pont-à-Mousson, Tel. 0033-383-800180,www.tourisme-lorraine.fr (auch deutsch). n Comité Régional du Tourisme Vosges, 7 rue Gilbert, 88008 Epinal, Telefon 0033-329-824993, www.vosges.fr (auch in deutscher Sprache).

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