Seltsame Begründung

Behinderter Politiker darf nicht mitfliegen

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Der NRW-Landtagsabgeordnete Stefan Fricke

Paris - Der NRW-Pirat Stefan Fricke ist auf dem Weg in den Urlaub am Flugpersonal von Cathay Pacific Airways gescheitert. Die Fluggesellschaft weigerte sich, den contergangeschädigten Politiker zu befördern.

Stefan Fricke sitzt im Rollstuhl. Er ist eines von rund 2400 noch lebenden Contergan-Opfern. Das hindert den 51-Jährigen jedoch nicht daran, regelmäßig ins Flugzeug zu steigen. Das Nachrichtenportal derwesten.de beschreibt den selbstständigen Programmierer und Systemadministrator, der außerdem für die Piratenpartei im Landtag von Nordrhein-Westfalen sitzt, sogar als Vielflieger.

Pirat musste Nacht am Flughafen verbringen

Als Fricke am Wochenende jedoch in seinen Urlaub auf den Philippinen starten wollte, machte ihm die Fluggesellschaft Cathay Pacific Airways am Pariser Flughafen Charles-de-Gaulle einen Strich durch die Rechnung. Das Flugpersonal verweigerte dem 51-Jährigen wegen seiner Behinderung den Zutritt zum Flieger. Dem Bericht von derwesten.de zufolge wurde die Entscheidung mit der Sorge begründet, den behinderten Passagier nicht ausreichend versorgen zu können. Die Beteuerungen des Politikers, dass er während des Fluges für sich selbst sorgen könne, blieben angeblich ungehört.

Ein Absperrband der Fluggesellschaft Cathay Pacific Airways am Flughafen in Hong Kong

Als Alternative empfahl die Fluggesellschaft dem Politiker, er solle mit der Lufthansa zurück nach Frankfurt fliegen und von dort einen Direktflug nach Cebu auf den Philippinen nehmen. Fricke sagte man, es sei schon alles veranlasst und umgebucht worden. Der 51-Jährige hält das jedoch für eine Lüge, denn die Mitarbeiter am Lufthansa-Schalter seien nicht informiert gewesen. Für den Piraten bedeutete das, dass er eine Nacht am Flughafen verbringen musste - beim Sicherheitsdienst. Denn sein motorisierter Rollstuhl war irgendwo zwischen Frankfurt und Paris abhanden gekommen und mit dem normalen Ersatz-Rollstuhl kam Fricke nicht bis zum von Lufthansa angebotenen Hotel.

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Auf Nachfrage gab Cathay Pacific Airways gegenüber derwesten.de an, dass das Team vor Ort Bedenken hatte, ob der Passagier fähig sei, "sich im Falle eines Notfalls aus dem Flugzeug" zu evakuieren. Seltsam nur, dass die Fluggesellschaft offenbar davon ausging, dass dies bei dem Langstreckenflug mit Lufthansa von Frankfurt aus kein Problem mehr darstellen würde.

Fricke erhebt unterdessen schwere Vorwürfe: "Trotz eindeutiger EU-Vorschriften für den Flugverkehr werden Menschen mit Behinderungen nach wie vor diskriminiert und ausgrenzt. Mal abgesehen von diesem Fall, in dem sich grobes menschliches Fehlverhalten zu dieser immer noch misslichen Situation addiert, muss dieser Misstand endlich aufhören", sagte er dem Nachrichtenportal.

mm

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