Playstation Natur

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Spannender als die Spielekonsole: lm Donaubergland lockt das Abenteuer in der Natur; da vermisst keiner Handy, Computer oder Fernseher.

Wenn Sie Ihre Kinder mal vom Computer oder der Glotze weglocken wollen, fahren Sie mit ihnen ins Donautal und machen Sie zwischen Tuttlingen und Sigmaringen eine Wanderung mit einem Guide.

Dabei gibt’s so viel Spannendes zu entdecken, dass die Playstation getrost ausgeschaltet bleiben kann.

Spurensuche: Donautal-Guide Armin Hafner zeigt, wie man erkennen kann, welche Tiere hier vorbeigekommen sind.

Wenn Naturschutzwart Armin Hafner heute durch das Donautal streift, fällt ihm eines auf: „Ich sehe keine Kinder mehr im Wald.“ Als er selbst zehn, zwölf Jahre alt war, gab es für den Buben aus Leibertingen keinen spannenderen Spielplatz als die Wälder, die Felsen, das Wasser, die Burgen und Ruinen sowie die Höhlen seiner Heimat. Fernseher, Computer und Spielekonsole bieten heutzutage anscheinend ein interessanteres Programm, die Natur zieht den Kürzeren. Auf einer Themenwanderung rund um die Burg Wildenstein, die der 40-jährige selbstständige Donautal-Guide anbietet, merkt man aber schnell, wie spannend es im Freien sein kann. Kaum hat Armin Hafner an einem Aussichtspunkt oberhalb des Flusstals davon gesprochen, dass es hier seit gut 40 Jahren wieder Gemsen gebe, sehen wir ein Pärchen der vierbeinigen Kletterer, das es sich auf einem Felsen gemütlich gemacht hat und frisst. Auf bis zu 100 Tiere schätzt Hafner den aktuellen Bestand. Die Aufmerksamkeit ist nun natürlich geweckt, es ist spannend und vor allem die jungen Teilnehmer sind voll dabei.

Wandern und Höhlen von Urmenschen entdecken

Auf einem Waldweg zeichnet der Donautal-Guide mit einem Stock Spuren in den weichen Boden und lässt die etwa 20 Kinder raten, von welchem Tier sie stammen könnten. Im Tobel zeigt er, wie sich der Seltenbach seinen Weg zur Donau bahnte, welche Höhlen sich bildeten und wo in der Steinzeit die Urmenschen Unterschlupf suchten. Er erzählt, dass im vergangenen Winter wochenlang ein Luchs in der Gegend war und später führt der Falkner die Gruppe noch zum Gehege mit den drei Uhus Lisa, Antonia und Bubi, der lebendigsten Station des Walderlebnispfades von Leibertingen, und präsentiert zum Abschluss seinen Wanderfalken Lenny. Natur kann spannend sein.

Feuchtes Vergnügen: Bei entsprechendem Wasserstand kann die Donau von Hausen bis Sigmaringen befahren werden.

Genauso spannend ist eine Tour durch die Burg Wildenstein. Armin Hafner, der im 15 Gehminuten entfernten Nachbarort Leibertingen aufgewachsen ist, kennt das trutzige Bauwerk, das auf einem Felsen über dem Donautal thront, in- und auswendig und weiß tolle Geschichten zu erzählen. Kein Wunder, dass ihm die Kinder gebannt zuhören, wenn er vom Bau der Burg erzählt, die auf Fundamenten aus dem 10. Jahrhundert errichtet wurde und nach dem Willen des Bauherrn uneinnehmbar sein sollte, im Jahr 1550 nach 30 Jahren endlich fertig war und bis heute nahezu unverändert blieb. Im Burghof, wo an warmen Tagen die Besucher auf Bänken die Sonnenstrahlen genießen, hätten früher Schweine gegrunzt und die Bewohner Gemüse angebaut, erzählt Hafner.

Kalt und einsam sei es hier oben gewesen, Wasser kam nur aus einer Zisterne. „Freiwillig wollte hier keiner leben.“ Heute sind vor allem im Sommer und Herbst die 156 Betten der Jugendherberge meist komplett belegt. Der spannendste Moment bei den Führungen ist jedes Mal der Besuch der Kapelle. Nicht nur weil das der einzige Raum ist, der sich noch im jahrhundertealten Originalzustand befindet, sondern wegen des Teppichs vor dem Altar. Darunter verbergen sich nämlich eine hölzerne Falltür und eine Treppe. „Es soll ein Gang sein“, sagt der Guide, „der angeblich bis ins Donautal hinunter führt.“ Nix Genaues wisse man nicht.

Möglicherweise ende der verborgene Fluchtweg in der Maurus-Höhle – die ist aber seit Jahren aus Sicherheitsgründen zugemauert. Schade, meinen die Kinder, und sind kaum davon abzuhalten, die steilen Stufen hinunterzuklettern. Aber ein Geheimnis muss schließlich übrig bleiben.

Volker Pfau

REISE-INFOS DONAUBERGLAND

REISEZIEL Die Ferienregion Donaubergland liegt in Baden-Württemberg im Oberen Donautal rund um Tuttlingen.

ANREISE Mit dem Auto von München auf der A 8 bis Ulm, dort auf die B 10 und weiter auf der B 311 bis Tuttlingen (rund 250 Kilometer). Mit der Bahn dauert die Fahrt von München über Ulm (umsteigen) nach Tuttlingen knapp dreieinhalb Stunden.

Donautal

UNTERKUNFT Im Donaubergland gibt es vor allem Ferienwohnungen (z.B. 4 Personen ab rund 200 Euro pro Woche). Die Übernachtung mit Frühstück in Gasthöfen kostet ab rund 30 Euro pro Person. Ritter-Atmosphäre mit Jugendherbergs- Komfort bietet Burg Wildenstein, in der auch Familien übernachten können. Preis: Ü/HP ab 26,60 Euro (Erwachsene). Info und Buchung Jugendherberge Burg Wildenstein, 88637 Leibertingen, Tel. 074 66/411; www.jugendherberge- burg-wildenstein.de

DONAUTAL-GUIDE Armin Hafner bietet Wanderführungen, Burg- und Ruinenbesichtigungen sowie naturkundliche Themenwanderungen an. Info unter Tel. 075 78/23 70 oder im Internet unter www.donautalguide.de

WANDERN: Neben dem 70 Kilometer langen Donauberglandweg gibt es im Donaubergland rund 2000 Kilometer markierte Wangerwege. Radfahren: Es gibt rund 1000 Kilometer markierte Radwege. Klettern: Im Oberen Doanutal sind einige Felsen zum Klettern freigegeben; Infos dazu und die Kletterverordnung stehen im Internet unter www.naturpark-obere-donau.de

KANU: Zwischen Beuron und Sigmaringen kann die Donau bei entsprechendem Pegelstand befahren werden.
Bootsvermietung: u.a. Donautal Touristik, Tel. 074 66/15 25, www.donautal-touristik. de

TuWass: Dank diverser Becken (u.a. mit 34 Grad warmem Thermalwasser), Erlebnisrutschen und Wellnessbereich ist das Erlebnisbad in Tuttlingen ideal für Regentage. Preis: 3-Stunden- Karte 6,50 Euro, Tageskarte 9,50 Euro. Info: Tel. 074 61/966 55 66.

SEHENSWERT Kloster Beuron: Die Erzabtei wurde 1077 als Augustiner Chorherrenstift gegründet, seit 1863 ist sie als Benediktinerkloster wiederbesiedelt. Ziel vieler Besucher ist die Kirche. Klostermetzgerei und -Gärtnerei verkaufen Produkte aus eigener Herstellung. Info: Klosterpforte, Tel. 07466/170; Internet: www.erzabtei-beuron.de
Freilichtmuseum Neuhausen ob Eck: Aus über 20 originalen Häusern wurde ein Dorf geschaffen, in dem das Leben in früheren Zeiten gezeigt wird. Tägliche Handwerkervorführungen, an Wochenenden finden Veranstaltungen statt. Geöffnet Di. bis So. von 9 bis 18 Uhr (bis 2. November), Eintritt: 5 Euro. Tel. 074 61/926 32 05, Internet: www.freilichtmuseum-neuhausen.de

HAUS DER NATUR: Im ehemaligen Bahnhofsgebäude von Beuron wird die einzigartige Natur des oberen Donautales sehr anschaulich erklärt. Eintritt frei. Telefon 074 66/928 00; Internet: www.naturpark-obere-donau.de Auskunft Donaubergland Marketing und Tourismus, Bahnhofstr. 123, 78532 Tuttlingen, Telefon 074 61/780 16 75; Internet: www.donau bergland.de

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