Im Frühsommer

Eine steirische Weinreise

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Genuss zur rechten Zeit: Im Frühsommer ist die Südsteiermark das ideale Ziel für eine gemütliche Weinreise.

Herbstzeit ist Weinlesezeit. Wenn die Trauben reif und die Blätter bunt sind, ist aber entlang der Weinstraßen meist auch viel los. Ein Geheimtipp ist deswegen die Steiermark im Frühsommer...

Darum beschloss unsere Autorin Karin Neumeier, eine antizyklische Genuss­alternative auszuprobieren: eine Weinreise in die südliche Steiermark im Frühsommer.

Ein hiesiger Insider und gebürtiger Steirer, der Münchner Gastronom Andreas Derler vom Nymphenburger Hof, hatte uns den Tipp gegeben: „Jetzt haben die Winzer noch Zeit, es ist nicht viel los, und ihr könnt noch alle Weine verkosten – im Herbst sind viele schon nicht mehr lieferbar!“ Gesagt, getan: Nach Graz geflogen, Mietwagen genommen und aufgebrochen zu den bekanntesten Weinorten südlich der steirischen Hauptstadt wie Gamlitz, Ehrenhausen, Kitzeck, Spielfeld und Leutschach. Dort zeigen sich die Weinhänge der Südsteiermark auch jetzt von einer sehr ansehnlichen Seite: Das Auge schwelgt in satten Grüntönen, alles blüht üppig und saftig, zwischen den Rebstöcken stehen oft bunte Blumenwiesen und zwischendrin entfalten sich immer wieder Rosen.

Die werden nicht allein zur Zierde gepflanzt: „Rosen sind weit empfindlicher als Rebstöcke und werden in der Regel von Schädlingen zuerst befallen. Wenn also an den Rosen was nicht stimmt, können wir sofort reagieren und unsere Weinstöcke behandeln“, erklärt Christian Maurer vom Weingut Polz in Spielfeld. Auch im zugehörigen Buschenschank entfalten verschiedenste Rosenstöcke ihre Pracht.

Wolfgang Kohlenberger ist der Wirt (und Besitzer) vom Buschenschank Polz und serviert dort edle, selbstgemachte Jausengerichte zum Steirer Wein.

Die steirischen Klassiker wie Welschriesling, Muskateller, Weißburgunder, Sauvignon und Morillon erfreuen sich wachsender Beliebtheit, die einheimischen Winzer ernten internationalen Erfolg. Namen wie Polz, Sabathi, Tement, Potzinger, Gross oder Skoff sind über die Grenzen des österreichischen Bundeslandes hinaus bekannt. Und man sieht es den Weingütern selbst an: Schmucke und gepflegte Gebäude laden zu Führungen und Verkostungen ein. Zunehmend bieten die Winzer auch komfortable Zimmer direkt im Weingut an.

Ja, die Steirer verstehen es, gut zu leben. Wolfgang Kohlenberger, verheiratet mit einer Polz-Tochter, mit der zusammen er den Polzer Buschenschank und den hauseigenen Schmankerl-Verkauf leitet, hat Freude an unserer guten Laune: „Mei, ihr wisst’s ja gar ned, was für an Stress sich die Leit oft mach’n. Um Neune in der Früh scho die erste Kellerbesichtigung, dann Weindegustation, dann husch, ­husch weiter. Schee, dass ihr a bisserl Zeit habt’s.“ Wir haben ihm nicht gestanden, dass wir unsere Führung um neun Uhr bereits hinter uns hatten – im schattigen Buschenschank kann man dann leicht die Zeit vergessen.

Wolfgang Kohlenberger bringt uns verschiedene Kleinigkeiten zum Essen: würzige Ziegenkäsebällchen in Speck, geräucherte Forellenfilets mit leckerem Kren, luftgetrockneter Schinken vom Feinsten, Vogerl-Salat mit gerösteten Kürbiskernen und dem intensiven Geschmack des steirischen Kürbiskernöls und Gänseleberpastete mit Chardonnay-Gelee. Versteht sich, dass die Speisen mit den dazu passenden Weinen erst recht ihren Geschmack entfalten. Weil es erst früh am Mittag ist, fangen wir mit einem Klassik-Wein von 2010 an. Aber mit der guten Grundlage an Speisen trauen wir uns dann auch die gehaltvolleren Weine der Spitzenlage Hochgrassnitzberg zu.

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Beschwingt verabschieden wir uns danach von unserem lauschigen Plätzchen und begeben uns durch die idyllische Landschaft zurück zu unserem Hotel, dem Wein Genuss Hotel Pössnitzberg bei Leutschach. Später am Nachmittag leihen wir uns eine der hoteleigenen Vespas und tuckern los auf die südsteirische Panoramastraße. Gewundene, kleine Straßen mit immer wieder sensationellen Aussichtspunkten führen uns durch lauschige, kühle Mischwälder, an schmalen Sonnengraten und kleinen Weingütern entlang bis hin zum südlichsten Punkt der Steiermark an der slowenischen Grenze. Wir kehren wieder um, schließlich haben wir noch einen Termin in der Schmankerlstubn Temmer.

Die liegt ein bisschen versteckt im Örtchen Tillmitsch. Monika und Sepp Temmer haben sich seit über zehn Jahren gut etabliert und sind inzwischen für eine Haube im Gault Millau gut. Der Patron erzählt, wie er sich vom Autoverkäufer zum Wirt im elterlichen Betrieb entwickelte. „Meine Frau und ich haben angefangen, einfach auszuprobieren, und meine Frau hat immer mehr Freude am Kochen entwickelt.“ Die Küche bietet ehrliche, geschmacksintensive Speisen mit hauptsächlich regionalen Produkten. Und einer Köchin, die sich noch freut über jedes Lob und es als nicht selbstverständlich hinnimmt.

Die Weine dazu werden vom Wirt selber empfohlen. Als eine von uns in der Runde dankend das Glas Wein ablehnt, mit dem Hinweis, dass sie noch fahren müsse, bekommen wir den trockenen steirischen Humor des Wirtes serviert: „Wenn die Gendarmen euch aufhalten, no sagt’s halt an scheena Gruß von der Schmankerlstubn.“ Wir mit ungläubigem Gesicht, zweifelnd: „Und das soll helfen?“ – „Naaaa“, grinst der Sepp breit, „es hilft nix. Aber a bisserl Werbung is’ halt…“

Karin Neumeier

DIE REISE-INFOS ZUR SÜDSTEIERMARK

REISEZIEL Der südliche Teil des österreichischen Bundeslandes Steiermark liegt klimatisch im Einflussgebiet des Mittelmeeres und ist ein bekanntes Anbaugebiet für Weißwein. Eine weitere lokale Spezialität ist das steirische Kernöl, außerdem gibt es diverse Thermen (z. B. Bad Radkersburg).

ANREISE Von München aus gibt es mit der Lufthansa mehrmals täglich direkte Flugverbindungen nach Graz. Preis: Hin- und Rückflug ab 179 Euro. Mietwagen: Bei Auto Europe kostet z.B. ein Fiat 500 ab/bis Graz vom 13. bis 16. Juli ab 83,25 Euro. Buchung auf www.autoeurope.de oder unter der kostenlosen Hotline 08 00/560 03 33.

Mit dem Auto von München über Salzburg, die Tauern- (A10) und Pyhrnautobahn (A9), weiter auf der B 69. Entfernung von München rund 450 Kilometer.

WEIN Neben Verkostungen lokaler Weine bietet der Buschenschank Polz regionale Jausengerichte. Geöffnet Montag bis Samstag von 11 bis 21 Uhr. Weingut Erich & Walter Polz, Grassnitzberg 54a, A-8471 Spielfeld, Tel. 00 43/ 34 53/23 01, www.polz-buschenschank.at.

ÜBERNACHTEN Das Wein-Genuss-Hotel Pössnitzberg hat 29 Zimmer und 11 Suiten. Übernachtung mit Frühstück ab 158 Euro pro Doppelzimmer. In dem Arrangement Genuss-Package sind zwei Ü/F, ein Vier-Gänge-Menü im Drei-Hauben-Restaurant Kreuzwirt von Gerhard Fuchs, eine Massage, Gratisnutzung von Fahrrädern und Rollern sowie eine Wein-Geschenkbox im Preis von 299 Euro pro Person enthalten sind. Weitere Info und Buchung: A-8463 Leutschach, Pössnitz 168, Tel. 00 43/34 54/205, www.poessnitzberg.at.

ESSEN Die Schmankerlstubn Temmer von Monika und Sepp Temmer orientiert sich bei ihrer Speisekarte stark am saisonalen und regionalen Angebot. Eine Spezialität ist das Backhendl aus dem Sulmtal (12,50 Euro pro Person, ab drei Personen und nur auf Vorbestellung). Montag und Dienstag Ruhetag. Badstraße 2, A-8430 Tillmitsch, Tel. 00 43/34 52/820 70, ­www.schmankerlstubn.at.

AUSKUNFT Tourismusverband Rebenland Südsteirische Weinstraße, A-8463 Leutschach, Hauptplatz 2, Tel. 00 43/34 54/70 70 10, www.rebenland.at.

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