Keine Krise im Katalog

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Noch hat die Eurokrise den Urlaub nicht in den Sand gesetzt: Der schwache Kurs macht sich allenfalls bei den Nebenkosten in Dollar-Ländern bemerkbar.

Der Euro schwächelt zusehends. Günstige Umrechnungskurse zum Dollar, die deutschen Urlaubern bisher ein angenehmer Spareffekt waren, werden jetzt zur Ferien-Falle. Was Sie jetzt wissen müssen.

Fragen an Oliver Dörschuck, den Leiter der Abteilung Fernreisen und Ertragsmanagment Mittelstrecke bei der TUI, Deutschlands größtem Reiseveranstalter.

Herr Dörschuck, zunächst generell: Welche Urlaubsländer bzw. -regionen werden für den Katalog auf der Basis Euro kalkuliert, welche in Dollar?

Kalkuliert wird grundsätzlich alles auf Euro-Basis. Eingekauft werden rund 90 Prozent unseres Geschäfts auf Euro-Basis. Nur bestimmte Bestandteile wie die Unterkunft der TUI-Reise werden in Dollar eingekauft. Ausschließlich in Euro werden die EU-Länder eingekauft; außerhalb der EU werden die Hotels vorwiegend in Dollar eingekauft.

Für die Dollar-Länder: Muss man für den Winter mit teureren Katalog-Preisen rechnen, etwa in den USA oder in der Karibik?

Wir haben die Euro-Entwicklung vorausschauend berücksichtigt: Die TUI hat schon lange den Dollar zu einem besseren Kurs gesichert, um große Schwankungen abzufedern. Zu dem ist in den Verhandlungen mit den Hoteliers die Euro-Entwicklung und damit die Kaufkraft der Deutschen ein zentraler Bestandteil. Die Hoteliers haben ihre Preise in unseren Verhandlungen sehr weise angepasst. Auch langfristige Verträge mit den Hoteliers und Fluggesellschaften helfen, die Preise zu stabilisieren.

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Der in Euro zahlende Veranstalter- Kunde wird dadurch für den nächsten Winter preislich besser dastehen als direkt buchende Kunden. Generell wird es eine uneinheitliche Entwicklung bei den Reisepreisen geben. Viele Ziele werden günstiger, einige werden sich verteuern.

Zur aktuellen Sommersaison: Muss der Last-Minute-Bucher mit steigenden Preisen rechnen?

Im Last-Minute-Geschäft hängen die Preise stark an Nachverhandlungen mit Hoteliers und Fluggesellschaften und sind sehr dynamisch. Zudem bestehen ja langfristige Verträge mit uns, die eine Preiserhöhung nicht erlauben. Also, Preiserhöhungen wegen des Euro sind für den laufenden Sommer nicht zu erwarten.

Für das krisengebeutelte Euroland Griechenland hat die TUI gerade 100 Euro Rabatt in 70 Hotels angekündigt. Sind solche Urlaubs- Stützaktionen auch für andere Mittelmeerziele zu erwarten?

Es wird unterjährig auch Preisaktionen für andere Urlaubsländer geben.

Wer nicht All inclusive bucht, hat am Urlaubsort Nebenkosten. In welchen Ländern wirkt sich da der schwache Euro am meisten aus, wo ist mit steigenden Nebenkosten zu rechnen? Und: Rechnen Sie generell nun mit einer Steigerung der All inclusive-Buchungen?

All inclusive hat sich bereits vor der Euroschwäche zum Megatrend entwickelt. Im Sommer 2010 bieten 55 Prozent aller TUI-Hotels auf der Flugmittelstrecke Urlaub ohne Nebenkosten. Dieser Trend wird sich weiter fortsetzen. Mit höheren Nebenkosten müssen Urlauber in Dollar basierten Ländern rechnen.

Rechnen Sie mit einer Buchungs- Steigerung in den Ländern, in denen die Euro-Kaufkraft höher ist, wie etwa Kroatien (1,09 Euro) oder Ungarn (1,16 Euro) bzw. mit einem Einbruch in Ländern, wo sie rapide sinkt wie in der Schweiz (0,80 Euro) oder in Dänemark (0,79 Euro)?

Nein, der Kunde weiß, dass Länder wie die Schweiz und Dänemark ohnehin nicht zu den günstigsten Reisezielen zählen. Wer nur auf den Preis schaut, wird andere Reiseziele wählen. Wir merken da keine spürbaren Reaktionen auf den schwachen Euro im Buchungsverhalten.

Was raten Sie Urlaubern, die dennoch in Ländern wie der Schweiz oder Dänemark Urlaub machen wollen. Wie lässt sich am besten sparen?

Es gibt etliche Sparmöglichkeiten, auf die der Urlauber achten sollte. Hierzu zählen Frühbucherrabatte, die ab Buchungsbeginn einer Saison rund vier Monate gelten. Viele Hotels bieten zudem Spartermine an.

Dann gelten Angebote wie 14 Nächte bleiben, aber nur 12 zahlen. Reisende ohne Kinder sollten die Schulferien meiden, da die Zwischenzeiten wesentlich preiswerter sind. Die günstigsten Urlaubszeiten im Jahr liegen zwischen Anfang Dezember und Weihnachten, in der Zeit nach Ostern sowie zwischen Pfingsten und den Sommerferien.

Zwei weitere Sparmöglichkeiten: Best-Price-Zimmer: Reisende, denen Lage und Ausstattung ihres Hotelzimmers nicht ganz so wichtig sind, können mit dieser Buchungsvariante sparen. Bei diesen Best-Price- oder Low-Cost- Angeboten handelt es sich um Zimmer, die in Größe und Lage geringfügig vom Durchschnitt abweichen können. Sie bieten etwa keinen Meerblick oder haben keinen Balkon oder Kabelanschluss.

Oder Glückshotels: Abenteuerlustige Urlauber, die hinsichtlich Ferienort und Hotel flexibel sind, können mit der Buchung eines Glückshotels ihr Reisebudget schonen. Urlauber legen dabei vorab nur Ferienregion und Hotelkategorie fest, ihren genauen Aufenthaltsort und das Hotel erfahren sie erst im Reiseland.

Hat der schwache Euro auch Auswirkungen auf die Flugpreise?

Ja, denn vor allem das Kerosin wird in Dollar eingekauft. Wir haben hierbei aber sowohl den Dollar als auch das Kerosin zu einem besseren Kurs abgesichert, so dass wir mit einem guten Kurs kalkulieren können.

Hat der schwache Euro Auswirkungen auf die Mietwagenmarkt? Gibt es Länder, in denen besonders mit einem Preisanstieg zu rechnen ist?

Prinzipiell gilt: Bei gleicher Landeswährung (EU) gibt es keinen Einfluss. Auch für die laufende Sommersaison sind die Preise bereits seit letztem Oktober kalkuliert. Darüber hinaus gilt: Die Preisgestaltung in einem Urlaubsland ist nicht nur von der Währung, sondern auch von Saisonalität und dem damit verbundenen Angebot und Nachfrage abhängig. Das heißt: Ein schwacher Euro schlägt nicht 100 Prozent auf die Preise durch.

Kann man sich durch frühes Buchen wappnen?

Im Sommer ist wieder mit einer Mietwagenknappheit zu rechnen, es ist daher ratsam, sich sein Ferienauto rechtzeitig zu sichern.

Interview: Christine Hinkofer

GUT KALKULIERT

Oliver Dörschuck Leiter der Abteilung Fernreisen und Ertragsmanagment Mittelstrecke bei der TUI.

Oliver Dörschuck erklärt, warum sich der schwache Euro nicht auf die Pauschalpreise des Sommers auswirkt und auch für den Reisewinter nur bedingt Konsequenzen haben wird.

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