Elmo sieht eben alles

Thomas Holzamer

Er ist bunt gemustert, misst etwa 40 Zentimeter und wenn er gereizt ist, bläst er sich auf und faucht. Seit etwa drei Jahren wohne ich mittlerweile mit dem kleinen grünen Kerl unter einem Dach, der auf den Namen Elmo hört. Wobei das in Elmos Fall nicht ganz der Wahrheit entspricht, denn eigentlich hört so ein Chamäleon nicht gerade gut.

Dafür sieht er mit seinen um 360 Grad drehbaren Augen hervorragend. Und auch sonst kann Elmo tolle Dinge, wenn er zum Beispiel mit wippendem Gang, ein Blatt imitierend, durch sein Terrarium klettert. Oder eben nicht, denn gerade im Sommer frönt Elmo seinem liebsten Hobby: Da sitzt er gern stundenlang im Ficus auf der Fensterbank und beobachtet die Nachbarschaft. Denkt man sich dann noch ein kleines Kissen und eine verräterisch wackelnde Gardine dazu, fühlt man sich schnell an eine ältere Dame erinnert – natürlich nur, weil die ja auch nicht mehr so gut hört.

Ein Durchschnittshaustier ist so ein Chamäleon also nicht. Das müssen vor allem die Freunde feststellen, die den Versuch unternehmen, Elmo zu streicheln oder auf den Arm zu nehmen. Doch Elmo ist kein Hund. Denn spätestens, wenn der süße kleine Kerl dann mit weit aufgerissenem Maul faucht, treten die Hände schnell den Rückzug an. Und eine ausgewachsene Wanderheuschrecke – Elmos Leibspeise – trauen sich dann auch nur die wenigsten anzufassen.

thomas.holzamer@op-online.de

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