Hundehospiz für Versuchstiere

Hundehospiz: Ein würdiger Lebensabend für Vierbeiner

+
Im Hundehospiz können die Vierbeiner zumindest ihren Lebensabend genießen.

Oberpierscheid - Sie wurden bei Tierversuchen benutzt und sind nun todkrank. In einem Hundehospiz soll ihnen ein würdiger Lebensabend bereitet werden.

Sie wären längst tot, wenn sie nicht zu Inge Bassi ins Hundehospiz gekommen wären. Rocky, Jackson, Jay-Jay, Kira und wie sie alle heißen, die 19 Hunde, die in der „Tieroase am Regenbogen" im Eifelort Oberpierscheid leben. Die ehemaligen Labor- und Meutehunde sind alt und teils todkrank. „Hier ist Endstation", sagt Tierschützerin Bassi. „Manche haben nur noch ein paar Tage zu leben." Wie Jackson, der Lymphdrüsenkrebs hat und kaum mehr Nahrung zu sich nimmt.

Doch noch läuft der französische Laufhund - ein „Großer Dreifarbiger Anglo-Franzose" - schwanzwedelnd mit den 18 anderen im Rudel durch Bassis 6000 Quadratmeter großen Garten. Mal gibt es ein Leckerli, mal ein paar Löffel Quark. Dann wird sich auf einer der Matten und Decken im Haus oder auf der Terrasse abgelegt. „Das ist hier ein bisschen wie ein Paradies für Hunde", sagt die 66-Jährige. Was es auch sein soll: „Für mich ist es das größte Geschenk, dass ich wiedergutmachen kann, was früher an den Hunden verbrochen worden ist."

Tierversuche: Hunde im Hospiz

Sie sind todkrank und alt. Sie wurden als Versuchshunde für die Krebsforschung benutzt und werden nun nicht mehr gebraucht. In einem Hospiz für Hunde wird den Vierbeinern wenigstens noch ein würdiges Lebensende bereitet.

Zum Video

Jeder der Windhunde oder Anglo-Franzosen, die bei der gebürtigen Schwäbin wohnen, hat seine eigene traurige Geschichte. „Manche Hunde habe ich aus der Tumorforschung bekommen", sagt Bassi. Andere waren bei Herzversuchen eingesetzt: Man habe ihnen Herzschrittmacher oder -katheter eingesetzt, erzählt die Fremdsprachensekretärin. Die Meutehunde stammten aus Frankreich und seien nach ihrem Dienst in der Meute einfach nicht mehr gebraucht worden. „Wie ein ausgedientes Sportgerät eben."

Der Verein „Tieroase am Regenbogen" ist 2007 gegründet worden - mit einem Hundehospiz in der Südeifel und einem Gnadenhof in der brandenburgischen Gemeinde Am Mellensee. Dort seien auf 1,5 Hektar Fläche 16 Hunde, neun Katzen, fünf Schafe und sieben Minischweine untergebracht, sagt Beate Busse Bequet in Brandenburg. Die meisten von ihnen seien Versuchstiere und nicht mehr vermittelbar. „Die bleiben bei uns."

Wenn ein Hund neu ins Hospiz kommt, muss als Erstes Vertrauen aufgebaut werden, sagt Bassi. Meistens gehe das schnell, weil das Tier von den anderen lerne, dass es ihm in der „Tieroase" gut gehe. „Es ist erschütternd, wie demütig die Hunde dann sind - als wären sie dankbar", sagt Bassi. Sie lebt mit den Tieren im Haus zusammen - in fast allen Zimmern. „Das ist meine Familie", sagt sie. „Nur Küche, Bad und Gästezimmer sind für die Hunde tabu."

Rettung aus Tötungsstationen

Bassi wohnt seit 2005 im Eifelkreis Bitburg-Prüm. Vorher war sie im baden-württembergischen Trossingen zu Hause, wo sie sich auch um kranke Hunde gekümmert hatte. Aus einem Jahr in der Entwicklungshilfe in Bangladesch hatte sie drei Straßenhunde mitgebracht und aufgepäppelt. Als der letzte gestorben war, war ihr klar: „Ich will weiter helfen." Dann kaufte sie ein großes Haus in der Eifel.

Sie setzt sich heute auch immer wieder für die Vermittlung von Meutehunden aus französischen Tierheimen ein, die in Tötungsstationen sitzen. Gerade hat sie gut 30 von ihnen in Familien, Tierheime und auf Pflegestellen nach Deutschland vermittelt. „Jedes Jahr brauchen einige von ihnen ein neues Zuhause", sagt sie.

Eine der schwierigsten Entscheidungen in ihrem Leben sei, festzulegen, wann von einem Hund Abschied genommen werden müsse. Bei Jackson weiß sie, es dürfte noch diese Woche soweit sein: Dann, wenn er gar nichts mehr isst. 17 Hunde sind bereits bei ihr gestorben. Deren Asche bleibt in der „Tieroase" - in einer Sandsteinurne am Gartenteich.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare