„Liebe auf den ersten Blick“

Egelsbach/Dreieich/Rodgau/Langen - „Kleine Mimose“ nennen Renate und Klaus Schickedanz ihren Hund Sam liebevoll. „Liebe auf den ersten Blick“, so beschreibt Familie Sturzenegger ihre Begegnung mit den Katzen-Geschwistern Tamika und Milly. Von Cora Werwitzke

Im Terrarium von Christian Balbach kommt die Bartagame Lizzard in Gesellschaft von zwei Artgenossen wieder zu Kräften. Alles Erfolgsgeschichten, die das Leben fast von selbst schreibt. Mit freundlichem Anstupser der Offenbach-Post. Denn mit unserer Reihe „Ich bin ein Tier und will zu Dir“ bekommen Woche für Woche abgeschobene Hunde, Katzen, Vögel, Meerschweinchen oder Reptilien eine zweite Chance – auf Bindung, Vertrauen und Zuneigung. Die Vermittlungsquote kann sich sehen lassen: Seit Jahresbeginn haben von 50 vorgestellten Tieren gut die Hälfte ein neues Zuhause gefunden.

Tamika und Milly gehören zu den glücklichen Kandidaten. Als Katzenbabys fand man sie in einem Waldstück bei Rodgau. In der Rödermarker Tierpension Overländer wuchsen die Geschwister heran, dort konnten sie aber auf Dauer nicht bleiben. „Unser Entschluss, die Katzen zu besuchen, war eher spontan“, erzählt Sabine Sturzenegger aus Jügesheim. Ehemann Thomas hatte den Artikel über Hanni und Nanni – wie die Katzen zu diesem Zeitpunkt noch hießen – entdeckt. Gemeinsam schauten sie das Video auf op-online.de an.

„Eine echte Bereicherung“

Mit Tochter Christina (16) besuchten sie schließlich die Tierpension. „Eigentlich war Katzenzuwachs nicht unbedingt geplant, aber nach der ersten Begegnung wollten wir die beiden sofort bei uns aufnehmen“, blickt Sabine Sturzenegger zurück. Zumal die Familie vor etlichen Jahren schon einmal Katzen-Geschwister hatte. „Sie sahen sogar so ähnlich aus wie Tamika und Milly“, erinnert sich Thomas Sturzenegger.

Aus dem Augenwinkel beobachtet der Hausherr, wie die Stubentiger durchs Wohnzimmer tollen. Tamika taucht unter einem Sesseln hindurch, Milly balanciert auf dem Fernsehtisch. „Manchmal jagen sie sich auch gegenseitig, dann haben sie ihre wilden zehn Minuten“, sagt Tochter Christina schmunzelnd. In der Liste der beliebtesten Fleckchen im Haus rangieren das Waschbecken und die Computertastatur ganz oben. Auch hinaus in den Garten geht es ab und zu. „Aber sie sind äußerst vorsichtig, bleiben immer in der Nähe und kommen auch relativ schnell wieder rein“, erzählt Sabine Sturzenegger. Seit gut vier Monaten mischt das junge Katzen-Duo im Haushalt mit. „Eine echte Bereicherung“, versichert Sabine Sturzenegger. „Sie haben es ja auch gut bei uns.“

Harmonie bei den Echsen

Szenenwechsel: Im Haus der Balbachs in Sprendlingen fällt die neue Mitbewohnerin kaum auf. Hinter Glas faulenzen in Christian Balbachs geräumigem Terrarium bei mediterranen Temperaturen nun drei statt zwei Bartagame. „Ich hatte schon länger vor, aus dem Duo ein Trio zu machen“, erzählt der 21-Jährige. Über die Offenbach-Post erfuhr er von Reptil-Dame Lizzard, die das Tierheim Dreieich in einem kritischen Zustand aufgenommen hatte und Schritt für Schritt aufpäppelte. „Sie kam dort wohl völlig geschwächt mit einer zweiten Bartagame an“, schildert der Dreieicher. Die andere Echse habe nicht überlebt.

Christian Balbachs Bedenken, es könnte im Terrarium etwaigen Zoff geben, zerstreuten sich schnell: „Anfangs habe ich ein improvisiertes Gitter eingebaut, so dass sich die Tiere erstmal aneinander gewöhnen konnten.“ Als die alteingesessenen Bartagame Pinky und Brain auf der einen und Lizzard auf der anderen Seite jedoch begannen, sich über das Gitter hinweg gegenseitig zu besuchen, nahm die Dreiecksbeziehung einen denkbar harmonischen Anfang. Inzwischen hat sich Lizzard gänzlich erholt. „Sie ist eigentlich die Aktivste“, meint Christian Balbach. Völlig reglos nimmt die Reptil-Dame das Kompliment entgegen. „Naja, Vorführeffekt – die Betonung liegt auf eigentlich“, äußert der Dreieicher mit einem Augenzwinkern.

Straßenhunde aus Griechenland im Doppelpack

Nur einige Kilometer Luftlinie entfernt, flitzt Hund Sam in Langen durch den großen Garten von Renate und Klaus Schickedanz. Er ist fast so schnell und wendig wie Hündin Luna – und das, obwohl er nur auf drei Beinen unterwegs ist. Im ersten Beitrag des Jahres hatte die Offenbach-Post den inzwischen zweijährigen Schäferhund-Mischling vorgestellt, der als Jungtier in Griechenland angefahren wurde und seitdem ein Hinterbein nicht mehr gebrauchen kann. „Trotzdem ist Sam super mobil, er balanciert sich gut aus“, sagt Klaus Schickedanz.

Im Sommer holte das Langener Ehepaar gleich zwei ehemalige griechische Straßenhunde aus dem Tierheim Egelsbach zu sich: Sam, der zu diesem Zeitpunkt noch Little Dear hieß, und Luna. „Sam ist unser Sensibelchen, aber er ist unheimlich clever“, erzählt Renate Schickedanz. „Wenn sich Luna im Wohnzimmer die größere der beiden Decken gesichert hat, rennt Sam in den Flur und tut so, als gäbe es da etwas Tolles“, schildert sie. „Sobald ihm Luna folgt, rennt Sam an ihr vorbei und breitet sich auf der großen Decke aus.“ Sams Lieblingsbeschäftigung ist es, im Garten Löcher zu buddeln und sie aufopferungsvoll zu bewachen.

Bein-Amputation steht an

Beide Hunde hatten anfangs vor Straßen und Autos Angst, Mülltonnen waren dagegen ein immer sicher anvisiertes Ziel. Ein Überbleibsel aus der Zeit in Griechenland, schätzt Renate Schickedanz. Inzwischen fährt Sam gerne im Auto mit, hat schon einen Kurs bei der Hundeschule gemacht und ist auf Gassi-Runden zwischen Langen und Egelsbach bekannt wie ein bunter Hund. Demnächst heißt es allerdings nochmal kürzer treten, denn Sam muss unters Messer. „Direkt nach dem Unfall wurde er wohl drei Mal auf katastrophale Weise operiert“, erzählt Renate Schickedanz.

Die Tierärztin hätte nun dringend zu einer Amputation geraten. „Sam hat in dem Bein kein Gefühl, deshalb bleibt er damit manchmal hängen“, erläutert Klaus Schickedanz. In den Weihnachtsferien soll es soweit sein. „Dann haben wir auch Urlaub“, meint Renate Schickedanz und schmunzelt. „Damit Luna nicht die Fäden zieht.“

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