Karneval ohne Kater

Saarbrücken - Dröhnende Kopfschmerzen, großer Durst und Übelkeit: Das sind die typischen Begleiterscheinungen eines Katers. Besonders an Karneval machen sich die unangenehmen Folgen einer feucht-fröhlichen Feier bemerkbar. Mit ein paar Tricks lassen sie sich lindern. Von Eva Neumann

Für viele Jecken bringt die Karnevalszeit mindestens eine feucht-fröhliche Party oder Sitzung mit sich. Oft folgt am nächsten Morgen der Brummschädel. „Ein Kater ist das Symptom einer leichten Alkoholvergiftung“, erklärt der Ernährungswissenschaftler Jan Prinzhausen von der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement in Saarbrücken.

Die Palette der Begleiterscheinungen ist vielfältig. „Häufige Beschwerden sind Kopfweh, trockener Mund, starker Durst, Übelkeit und Schlappheit“, erklärt Jutta Saumweber, Ernährungsberaterin bei der Verbraucherzentrale in München. Hinzu kommen oft Gliederschmerzen und Konzentrationsschwierigkeiten, manchmal auch Fahrigkeit, Redseligkeit oder Aggressivität.

Mit einfachen Mitteln Risiko reduzieren

Das Tückische ist allerdings: „Bis der Alkohol ins Blut gelangt ist, dauert es ein bis zwei Stunden“, erläutert Saumweber. „In dieser Zeit merkt der Trinkende keine Wirkung - und trinkt entsprechend oft weiter.“ Wenn die Beschwerden jedoch erst einmal da sind, ist es zu spät. Dabei lässt sich mit ein paar einfachen Mitteln das Katerrisiko erheblich reduzieren.

Kater reduziert Leistungsfähigkeit

Dass ein Kater nicht nur Übelkeit verursacht, sondern auch das Verhalten beeinträchtigt, das Reaktionsvermögen und die gesamte körperliche Leistungsfähigkeit schmälert - das wird oft vergessen. „Wer mit einem Kater Kraftfahrzeug fährt oder eine komplizierte Kontroll- und Aufsichtsarbeit ausführt, stellt ein erhebliches Risiko für sich und für andere dar“, warnt Peter Hilden von der Techniker Krankenkasse. Am Tag danach ist damit die Verantwortung jedes Einzelnen gefragt - sich selbst und anderen gegenüber.

Dieses Risiko hängt zunächst von der Menge des konsumierten Alkohols ab: Wird zu viel Alkohol in kurzer Zeit getrunken, kann der Körper diesen nicht schnell genug abbauen. In der Leber entsteht ein Rückstau an Acetaldehyd. Dieses Abbau-Zwischenprodukt ist giftig - und hauptsächlich für den Kater verantwortlich.  Was zu viel Alkohol ist, das ist wissenschaftlich ermittelt: „Untersuchungen zufolge haben etwa 50 Prozent der Trinker einen Kater, wenn sie mehr als 1,5 Gramm puren Alkohol pro Kilo Körpergewicht konsumiert haben“, erläutert Peter Hilden, Beratungsarzt im Ärztezentrum der Techniker Krankenkasse in Hamburg. Wer 70 Kilo wiegt, riskiert also mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Kater, wenn er einen Liter Wein trinkt.

Das richtige Getränk macht den Unterschied

Neben der Menge spielt auch die Art des Alkohols eine Rolle. „Der Kater kann durch Inhaltsstoffe der Getränke wie Kohlensäure oder Glukose verstärkt werden“, sagt Saumweber. Die in Sirup oder Likör enthaltene Glukose hemmt nämlich den Abbau des giftigen Acetaldehyds. Hilden ergänzt: „Je mehr sogenannte Fuselöle ein alkoholisches Getränk enthält, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es einen Kater nach sich zieht. Diese Stoffe sind vor allem in dunklem Alkohol und in minderwertigen Produkten enthalten.“

Schließlich können auch die Rahmenbedingungen des Alkoholgenusses das Entstehen eines Katers begünstigen: „Alkohol wirkt harntreibend. Mit dem Wasser entzieht er dem Körper jedoch auch lebenswichtige Mineralien“, sagt Prinzhausen. „Gerät das Flüssigkeits- und Mineraliengleichgewicht des Körpers aus dem Lot, wird der Stoffwechsel gestört.“ Das lässt sich verhindern, indem im Laufe der Party immer wieder Mineralwasser getrunken wird.

Fetthaltige und salzige Nahrung bevorzugen

In Bezug auf Mineralien ist salzhaltige Nahrung eine gute Wahl. Ohnehin sollte vor oder während des Alkoholgenusses ausreichend gegessen wird. „Sinnvoll ist vor allem fettreiche Nahrung“, empfiehlt Prinzhausen. Sie bleibt lange im Magen und hält den Alkohol zurück, so dass er langsamer in das Abbausystem des Körpers gelangt. „Außerdem können im Magen bereits abbauende Enzyme wirken.“

Wenn sich im Laufe des Abends die ersten Anzeichen eines Katers einstellen, setzt manch ein Alkoholkonsument auf einen Kaffee oder Espresso. Doch der Glaube, damit den Kopf wieder freizubekommen, ist ein Trugschluss. „Kaffee beschleunigt den Alkoholabbau nicht“, warnt Saumweber. „Er raubt höchstens den Schlaf.“ Genau den sollte man jedoch spätestens bei den ersten Kater-Symptomen dem strapazierten Stoffwechsel gönnen.

Bewegung beschleunigt den Alkoholabbau

Gegen den Kater am Morgen danach gibt es zahlreiche Handlungsempfehlungen und Hausmittel. Ihre Wirkung ist nicht wissenschaftlich untersucht, aber durchaus einen Versuch wert. „Wer unter einem Kater leidet, sollte viel trinken, vermehrt Mineralsalze wie Natrium und Kalium zu sich nehmen und auf saure Speisen wie Essiggurke oder Rollmops setzen. Das begünstigt den Abbau“, empfiehlt Saumweber. Leichte Hühnerbrühe besänftigt das flaue Gefühl im Magen. Wer es verträgt, kann sich mit Müsli und Obst stärken.

Bei Kopfschmerzen hilft es, die Schläfen mit Metholbalsam einzureiben oder zur Not eine Kopfschmerztablette zu nehmen. Ansonsten gilt die Devise: raus aus den Federn! Durch Bewegung an der frischen Luft wird der Kopf klar und der Abbau des Restalkohols beschleunigt.

dpa/tmn

Rubriklistenbild: © dapd

Kommentare