Wege aus dem Niedrigzins-Tal

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Dreieich - Die niedrigen Zinsen machen den Sparern in Europa zu schaffen. Experten können dennoch Ratschläge für Anlagen geben. Vermögensverwalter von Merito Asset Management in Dreieich zeigen in einer neuen Serie Chancen und Risiken auf.

Des einen Freud ist des anderen Leid - so lässt sich wohl derzeit die aktuelle Lage am Zinsmarkt beschreiben. Die Niedrigzinsära ist ein paradiesisches Umfeld für Schuldner und Immobilienerwerber, Sparer verzweifeln jedoch an dieser wahrscheinlich noch länger anhaltenden wenig lukrativen Phase. Knapp 95 Prozent des Geldvermögens deutscher Sparer ist Jahr für Jahr dem Kaufkraftverlust ausgesetzt. Aber es gibt mehr oder weniger riskante Alternativen, um dem Dilemma zu entkommen.

Nach Daten des Statistischen Bundesamts lag die deutsche Inflation im vergangenen Jahr bei 1,5 Prozent. Die Unicredit ermittelte eine gefühlte Inflationsrate von 2,5 Prozent, die trotz der hohen Liquiditätsspritzen der Notenbanken immer noch niedrig ist. Gleichwohl stellt sich die Frage, wie sich anhand dieser Daten die Kaufkraft schützen lässt. Nicht einmal die Bundesanleihe wäre eine echte Alternative, um das Anlageproblem zu lösen, sagt Frank Haser von der Haser Vermögensverwaltungs GmbH. Eine zehnjährige Anleihe rentiere unter 2 Prozent pro Jahr. Einerseits könne der Anleger die Kaufkraft bei einer Inflation von 1,5 Prozent kaum sicherstellen, anderseits müsse er sich zehn Jahre binden und dazu einem hochverschuldeten Land vertrauen.

Gibt es also überhaupt keine Optionen mehr, um das Vermögen zu schützen? „Unabhängige Experten können je nach Anlegerbedarf aus einem Fundus an interessanten Lösungen schöpfen“, erklärt Guido vom Schemm, Geschäftsführer von Merito Asset Management in Dreieich. Sogenannte Hochzinsanleihen könnten seiner Überzeugung nach eine Alternative in einem gut gestreuten Portfolio sein. Aufgrund der sich wieder stabilisierenden Weltwirtschaft und der enormen Geldschwemme der Notenbanken fänden die Unternehmen mit unterdurchschnittlicher Bonität eine gute wirtschaftliche Grundlage vor, um zukünftig ihre Erträge zu steigern. Natürlich habe sich dieses Segment in den vergangenen Jahren ausgesprochen positiv entwickelt, aber die Renditeaufschläge im Vergleich zu Bundesanleihen seien immer noch signifikant. Hinzu komme, dass die Ausfallraten der Anleihen sich auf Tiefstniveau befänden, somit die Wahrscheinlichkeiten eines Verlustes also reduzierten.

Natürlich sei eine Investition in Hochzinspapiere mit Risiken verbunden, räumt vom Schemm ein. Das größte Risiko wäre eine Eintrübung der wirtschaftlichen Gesamtlage, denn die Unternehmen verfügten meistens nur über ein geringes Eigenkapitalpolster. „In solchen Fällen dürften die Insolvenzen deutlich zunehmen“, warnt vom Schemm. Neben dem Hochzinsbereich böten auch Banken und Versicherungen attraktive Zinsen, wenn der Anleger sich an diesen beteilige. Die neuen Eigenkapitalanforderungen nach Basel III machten es möglich, so vom Schemm. Diese hätten zur Folge, dass Banken bei der Kapitalbeschaffung umdenken müssten.

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Die früher begebenen Hybridanleihen würden immer weniger dem Eigenkapital und immer mehr dem Fremdkapital angerechnet. Hybridanleihen seien sogenannte Zwitterpapiere, die im Insolvenzfall nach den normalen Gläubigern, aber vor den Aktionären bedient würden. Somit sinke die Wahrscheinlichkeit einer Rückzahlung, sollte die Bank oder Versicherung zahlungsunfähig werden.

Durch die Neuregulierung von Basel III verbessere sich die Position der Hybridkäufer, bis sie letztendlich mit den „normalen“ Anleihegläubigern gleichgestellt würden. Der Vorteil der Hybridanleihe und seines höheren Zinses bleibe bestehen. „Dies offeriert dem risikobewussten und versierten Anleger heute noch einen guten Zins und zusätzliches Kurspotential, insbesondere bei Papieren die deutlich unter dem Rückzahlungskurs notieren,“ ist Frank Haser überzeugt. Banken und Versicherungen würden über die Jahre versuchen, diese Hybridanleihen aus dem Markt zunehmen, um Zinsen zu sparen.

Wer aufgrund des Misstrauens gegenüber dem Euro sein Vermögen diversifizieren möchte, für den können laut vom Schemm Fremdwährungsanleihen ausgewählter Länder interessant sein. Die fundamentalen Daten würden für ein Engagement sprechen. Vom Schemm zählt dazu eine niedrige Staatsverschuldung, eine wachsende, junge Bevölkerung, ein höherer Zins sowie eine stabile Politik. Sparer, die Aktienanlagen suchen, sollten den nächsten Teil der Serie lesen.

(ku)

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