Cocktails beim Sonnenuntergang

Ein Heiratsantrag ist etwas ganz Besonderes. Jeder erlebt ihn anders und jeder hat andere Vorstellung davon. Redaktionsvolontärin Katharina Platt verrät uns, wie sie ihren erlebte.

Ich gebe es zu: Wenn Kai Pflaume für romantische und originelle Heiratsanträge sorgt, wird mir immer ganz warm ums Herz, dennoch wollte ich nie zu den jungen Frauen gehören, die vor laufenden Kameras auf dem Eifelturm, unter Wasser oder bei dem Konzert meiner Lieblingsband von dem Liebsten einen Antrag bekommt. Ich dachte an kuschelige Zweisamkeit und einen Sternenhimmel. Daran dachte ich jedoch nicht die ganze Zeit und schon gar nicht am letzten Tag unseres Urlaubs auf Sansibar.

An diesem Tag dachte ich an den langen Flug und die kleinen Muscheln in meiner Hosentasche, die ich durch den Zoll schmuggeln wollte. Meinen Freund beschäftigten hingegen ganz was anderes. Seit über zwei Wochen trug er einen kleinen, funkelnden Ring mit sich. Immer sorgfältig darauf bedacht, dass er nicht geklaut wird, verloren geht oder von mir gefunden wird.

Hinter uns lagen 14 traumhafte Tage Urlaub an der afrikanischen Ostküste. Mindestens tausend wundervolle Momente hatten sich schon in unsere Erinnerungen gegraben: Zauberhafte Sonnenauf- und -untergänge am indischen Ozean und warme Nächte unter beeindruckendem Sternenhimmel am Strand. Doch der letzte Abend sollte ganz besonders werden. Mein Freund hatte im Reiseführer eine Bar gefunden, deren Terrasse einen besonders eindrucksvollen Blick auf den Sonnenuntergang versprach. Als wir dort ankamen standen wir jedoch vor verschlossener Tür. Die Bar gab es nicht mehr.

Spontan (schließlich lässt sich so ein Sonnenuntergang nicht verlegen) holten wir uns zwei fruchtige Cocktails in einem kleinen Restaurant und setzten uns auf einen Felsen direkt über die Wellen, die sanft die Insel umspülten. Mit jedem Millimeter, den sich die Sonne aufs Meer zu bewegte, wurde mein Liebster nervöser. Und irgendwann steckte er mich an. Was war los? Irgendwie wurde mir ganz schlecht vor Aufregung.

Als der goldene Ball schließlich das Wasser berührte, drehte sich mein Freund zu mir und hielt mir diesen kleinen Ring entgegen. Viele Worte brauchte er nicht. Und meine Antwort war eigentlich auch unnötig. Es vergingen einige lange Sekunden, bis ich schließlich das kleine aber bedeutungsvolle „Ja“ hervorbrachte.

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