Babenhäuser Weihnachtsmarkt

Maronenduft zum Drehorgelklang

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Heidi und Theresa Geis gehörten zu den beiden wenigen Beschickern auf dem Markt, die Weihnachts- und Winterschmuck in der Auslage hatten.

Babenhausen - Zum 46. Babenhäuser Weihnachtsmarkt lud am Wochenende der DRK-Ortsverband in die Altstadt ein. Während das Wetter am Samstag konstant blieb, trübten gestern Regenwolken die Freude. Trotzdem ließen sich die Besucher die vorweihnachtliche Stimmung vor historischer Kulisse nicht entgehen. Von Michael Just

Wer von der Platanenallee in die Bummelgass‘ kam, dem fiel alsbald die kleine Bude mit dem Schriftzug „Heiße Maronen“ auf. Darin saß ein Italiener aus Seligenstadt. „Das ist ein Hobby von mir und meinem Schwiegervater. Auf den Weihnachtsmärkten in Groß-Umstadt und Seligenstadt sind wir ebenfalls“, berichtete der Beschicker, der seine Ware aus Italien bekommt. Laut dem Verkäufer gehe das Produkt aus der Nussfamilie von Jahr zu Jahr besser. „Zum Verzehr muss man die Edelkastanien vorher rösten oder kochen. Rösten schmeckt am besten“, erklärte der Experte. Ein Schild an seinem Stand besagte, dass die Marone einst durch die Römer aus Kleinasien nach Europa kam.

„Ich habe das noch nie gegessen. Heute will ich sie unbedingt probieren“, äußerte Hans Kehl aus Weiterstadt. Mit seiner Frau, die in Babenhausen arbeitet, hatte er kürzlich in der Pfalz deutsche Esskastanien gelesen, die ein wenig kleiner sind. Allerdings erlebte man beim Kochen eine Enttäuschung, da diese oben schwammen. Sind sie genießbar, setzten sie sich am Topfboden ab. So war für Hans Kehl in Babenhausen nun die erste Marone seines Lebens angesagt. „Oft isst man sie zu Gans. In der Winterzeit dient sie auch als Kartoffelersatz“, ergänzte der Verkäufer aus Seligenstadt.

Der Nikolaus und Drehorgelmann Norbert Herbert (Mitte) verstanden sich bei der ersten Begegnung auf Anhieb. Wo sie auftauchten, bildete sich meist schnell eine Menschentraube.

Insgesamt bot der Weihnachtsmarkt 75 Stände und 24 Hobbykünstler-Tische in der Stadtmühle. Dass am Wochenende nicht allzu frostiges Wetter herrschte, störte Marktmeister Helmut Fendt nicht. „Glühwein wird trotzdem getrunken. Das gehört einfach zu einem Besuch hier“, sagte er. Das Schlimmste waren für ihn die Regenwolken am Sonntag. Auch Schnee mag er nicht: Dann blieben die Besucher von Außerhalb wegen Rutschgefahr fern.

Einige Babenhäuser Vereine, wie beispielsweise der Tennis-Club oder die Handballer, präsentierten sich mit eigenen Ständen, andere sangen oder musizierten auf der Weihnachtsbühne vor der Stadtkirche. Dort war fast durchgehend Programm. Zum ersten Mal waren die Traktorfreunde mit auf dem Markt. An einer historischen Sägemaschine schnitten sie kleine Holzsterne zurecht. Die wurden gegen eine Spende für die Jugendwehr abgegeben. Die Nachfrage war so groß, dass Reinhard Geissler, Ernst Lang und Armin Kneisel mit dem Produzieren kaum nachkamen.

Bilder zum Dietzenbacher Weihnachtsmarkt

Die Traktorfreunde (unteres Bild) schnitten mit einer historischen Sägemaschine einfache Holzsterne aus und landeten damit einen Volltreffer. Gegen eine Spende für die Jugendwehr gaben sie diese ab.

Neben Maronen bot der Markt Vielfältiges für den Magen: Wer wollte, konnte Gyros essen, dies mit Obst, das zuvor in belgische Schokolade getaucht worden war, abrunden und dazu einen Granat-Apfel-Glühwein trinken. „Der Wandel der Weihnachtsmärkte besteht in erster Linie darin, dass es fast nur noch ums Essen und Trinken geht“, weiß Fendt. Das sei bereits ein Problem, da ein Markt nicht nur aus Glühweinständen bestehen könne. Im Gegensatz dazu sei Weihnachtsschmuck komplett auf dem Rückzug. Laut Fendt ist das nicht verwunderlich, da es derart selbst in Baumärkten schon zur Genüge gäbe. Auch sei vielen Beschickern mit Weihnachtsdeko der Auf- und Abbau für ein Wochenende zu intensiv. Viele würden sich Märkte suchen, auf denen man vier Wochen stehen kann.

Heidi Geis aus Groß-Umstadt gehörte in Babenhausen zu den wenigen Standbetreibern, die Handarbeiten mit weihnachtlicher Note vertrieben. Unter dem Stichwort „Gesägtes, Genähtes und auch Leckeres“ ließen sich hier Geschenke vom Wichtel bis hin zur Marmelade so allerlei finden. Ihre Beobachtungen machen sie derzeit nicht ganz glücklich: „Viele Besucher genießen nicht mehr den Anblick der Stände, sondern rennen einfach durch. WhatsApp und Black Friday scheinen immer mehr abzustumpfen und gefühlslos zu machen“, bedauerte die 55-Jährige. Die Hoffnung, dass sich das ändert, hat Geis noch nicht aufgegeben. „Ab und an treffe ich zum Glück noch ein paar junge Menschen, die sich für Naturbelassenes und Althergebrachtes begeistern können“, meinte sie. Und gerade das gehöre doch zu einem Weihnachtsmarkt.

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