Musical der „Kirchenmäuse“

Maria, Josef und das It-Girl

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Wochenlang hatten die Kinder der Sprendlinger Kita „Die Kirchenmäuse“ für ihr weihnachtliches Musical geprobt. Erstmals unterstützt durch einen fünfzehnköpfigen Hintergrundchor aus Erwachsenen, brachten sie die Geschichte von Jesu Geburt auf die Bühne – mit aktuellen Bezügen und einer guten Portion Humor.

Dreieich - Wer vergessen haben sollte, dass es am Heiligen Abend eigentlich nicht um Geschenke und gutes Essen geht, den belehrten die „Die Kirchenmäuse“ am Wochenende eines Besseren. Von Sina Beck 

Denn das diesjährige Weihnachtsmusical „Himmel auf Erden“ der evangelisch-methodistischen Gemeinde und des Fördervereins der Sprendlinger Kita erzählte stimmungsvoll die Geschichte von Jesu Geburt.
Die flackernden Kerzen in den Laternen werden erst nach der Aufführung richtig zur Geltung kommen, wenn auch die Dunkelheit Einzug gehalten hat. Dennoch weisen sie den Besuchern den Weg in die Auferstehungskirche, vorbei an den Ständen, wo sich Klein und Groß schon mit Kinderpunsch und Glühwein versorgen können, bevor das einstündige Musical der „Kirchenmäuse“ beginnt. Zu Aufführungsbeginn sind dann die Bänke und Stühle voll belegt mit Eltern, die ihre Kinder auf dem Schoß haben, oder schon mal das Handy oder die Kamera bereit halten, um den großen Auftritt des Sprösslings zu dokumentieren.

Rund 55 Kinder zwischen drei und zwölf Jahren reihen sich auf der Bühne auf, wo es allmählich eng wird. Denn in diesem Jahr bekommen die kleinen Sänger und Darsteller erstmals Rückenwind von einem fünfzehnköpfigen Background-Chor aus Erwachsenen. Aber freilich richten sich alle Augen auf die Kinder, die beginnen, mitreißende Lieder zu schmettern. „Das ist die Volkszählung von ganz Israel“ intoniert der junge Chor und erzählt dabei charmant nach, warum Josef mit seiner hochschwangeren Frau Maria die Reise von Nazareth nach Bethlehem antritt.

Schwungvoll-poppige Songs und melodische, im Duett gesungene Balladen wechseln sich mit kurzen Spielszenen ab, bei denen eine gute Portion Humor durchschimmert. „Haben Sie Ihre Umsiedlungsgenehmigungspapiere in doppelter Ausführung dabei?“, fragen die kleinen Torwachen Bethlehems das heilige Paar in voller Rüstungsmontur bierernst und nehmen damit die Bürokratie bei der Flüchtlingsaufnahme auf die Schippe. Das bleibt nicht der einzige aktuelle Bezug, der aufgegriffen wird: Auf der Suche nach einem Zimmer werden Maria und Josef sowohl von einer geschäftigen Business-Dame („Bin ich die Sozialstation?“), einem It-Girl, als auch einer überforderten, alleinerziehenden Mutter abgewiesen. „Die Leute sind alle mit sich selbst beschäftigt“, lautet danach die humoristisch verpackte Kritik an der heutigen Zeit.

Bilder: Weihnachtsmarkt in Offenthal

Aber auch die Besinnlichkeit kommt bei der Aufführung der evangelisch- methodistischen Gemeinde nicht zu kurz. „Gloria“ wird erst auf Flöten gespielt und dann von dem liebevoll kostümierten Chor gesungen, nachdem der mit einer Lichterkette zum Leuchten gebrachte Engel den Heiligen aus dem Morgenland erschienen ist. Auch sonst wurde bei dem Musical auf dezente, aber wirkungsvolle Effekte gesetzt. So haben die Kleinen Choreografien einstudiert, bei denen auch mal bunte Tücher als gelungen eingesetzte Requisiten genutzt werden. Besonders stimmungsvoll wird es zum Abschluss, wenn jeder Sänger einen leuchtenden Stern in den Händen hält.

„Gott ist durch Jesus bei uns“, so lautet die Weihnachtsbotschaft des Musicals, das die Geschichte vom „Himmel auf Erden“ erzählt. Die wochenlangen Proben von kleinen und großen Darstellern haben sich gelohnt, mit dem gemeinschaftlich gesungenen Weihnachtsklassiker „O du fröhliche“ klingt die Vorführung gemütlich aus. Das nächste Projekt der „Kirchenmäuse“ steht schon in den Startlöchern – und das Publikum muss darauf kein ganzes Jahr warten: Bereits für den Frühling ist ein neues Musical geplant.

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