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Weihnachtspakete zugunsten von Initiativen versteigert

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Eine wahre Win-Win-Situation: Die Bieter erstehen stressfrei Weihnachtsgeschenke – und der Erlös der Auktion geht an den guten Zweck.

Offenbach - Bei der traditionellen Päckchenauktion am Weihnachtsmarkt wird nicht geknausert. Wieso auch? Schließlich geht der Erlös an den guten Zweck. Außerdem steigern die Teilnehmer mit jedem Kauf ihre Chancen auf den Hauptgewinn. Von Sarah Neder

Knisternde Cellophan-Präsentkörbe, ordentliche Packpapierquadrate und festliche Glitzertüten stapeln sich bis unter die Krippendecke. 105 Geschenke und sieben Gutscheine, gespendet von Offenbacher Läden und Unternehmen, suchen an diesem sonnigen Vormittag neue Besitzer. Besser gesagt: Klaus Kohlweyer tut’s. Mit Marktschreier-Organ versteigert der Weihnachtsmarktausrichter auf der Bühne vorm Rathaus ein Geschenk nach dem anderen: „Wir haben 30 Euro. Wer hat 35? 35 zum Ersten. 40? 40 Euro zum Ersten, 40 Euro zum Zweiten, verkauft!“ Im Publikum hebt man fleißig die Hände, überbietet, ärgert sich manchmal ein bisschen. Während der Päckchenberg schrumpft, steigen die Einnahmen. Und das, obwohl keiner weiß, was in der Verpackung steckt. Der komplette Erlös der Auktion, die Gewerbeverein Treffpunkt Offenbach und Wirtschaftsförderung seit 1997 zusammen ausrichten, wird gespendet. Die Begünstigten in diesem Jahr sind die Schulinitiative „Von ich zu Ich“, das Musicalprojekt der Leibnizschule sowie die Hilfsaktion Essen und Wärme.

Viele haben wie dieser Mann fleißig mitgeboten.

Weniger als einer Dreiviertel Stunde nach Versteigerungsbeginn sagt Kohlweyer einen Meilenstein durch: „2000 Euro sind geknackt.“ Das liegt wohl nicht nur an Kohlweyers Verkaufstalent, sondern auch an den spendablen Teilnehmern. Wieso das Geld so locker sitzt, weiß Stammbieter Heinrich Michel: „Wir wollen ja, dass genug Geld reinkommt“, sagt er. Diesmal hat Michel, dem die Glühweinpyramide am Aliceplatz gehört, in Sekundenschnelle 160 Euro für eine blau-silbrige Geschenktüte ausgegeben. Den Inhalt kannte er vor dem Kauf nicht. Doch er hat Glück: in der unscheinbaren Tasche steckt ein brandneues Tablet. „Das hat sich gelohnt“, sagt er breit grinsend. Im vergangenen Jahr habe er fast 200 Euro geboten und ein Paar Steppdecken ausgepackt.

Während einige es kaum abwarten können, die Pakete aufzureißen, üben sich andere in stoischer Geduld. So Mutter und Tochter an einem Stehtisch, die das Ersteigerte erst an Heiligabend öffnen. Eine Überraschung für alle Beteiligten plant auch die Familie Hoefer. Wie in einem Zeichentrickfilm türmen sich Kartons in gemustertem Papier etwa einen Meter hoch. Mutter Franziska erzählt von der Tradition: „Wir losen an Weihnachten Geschenke unter acht Leuten aus. Damit’s eine richtige Überraschung ist, ersteigern wir die Sachen hier. Dann weiß wirklich niemand, was drin ist.“ Über Geld möchte die Besitzerin der Apotheke zum Löwen nicht reden. „Das geht ja alles an den guten Zweck“, betont sie. Aber der Auktionsrausch hat einen weiteren Bonus. Wer viel kauft, erhöht seine Chancen auf den Hauptpreis, der unter allen Päckchen-Erstehern verlost wird, in diesem Jahr ist’s ein iPad. Das kann sich Familie Hoefer zusätzlich unter den Weihnachtsbaum legen.

...und zum Dritten, verkauft! - Reiz von Oldtimer-Auktionen

Insgesamt sind durch die Päckchenauktion 6350 Euro zusammen gekommen. Den Betrag rundete das Rathaus-Café auf 6600 Euro auf. „Der Andrang war sensationell“, schwärmt Mitausrichter Kohlweyer. Doch nicht nur die Offenbacher Bieter erweisen sich als großzügig. Um Bedürftigen auch in diesem Jahr ein Weihnachtsessen bereiten zu können, haben die Weihnachtsmarktbeschicker zusammengelegt und zusätzlich 1000 Euro an die Initiative Essen und Wärme gespendet.

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