Mit den Zeiten ändern sich auch die Weihnachtsrituale:

„Früher kamen immer alle zusammen“

Babenhausen - Die Zeiten ändern sich, was auch für das Weihnachtsfest gilt. So wurde Christi Geburt vor 50 bis 60 Jahren in den Familien noch ganz anders gefeiert als es heute der Fall ist.

Mitarbeiter Michael Just hat auf der Senioren-Weihnachtsfeier der katholischen Kirchengemeinde St. Josef mit Besuchern und Gemeindereferentin Claudia Czernek einmal die Zeit zurückgedreht und nachgefragt, welche Erinnerungen an jene Jahre erhalten sind, als die heutigen Senioren Kinder waren.

Klaus Kurbel (66), Rentner:

Klaus Kurbel -  Fotos:

Wir waren damals eine große Familie mit fünf Kindern, die in einer sehr kleinen Wohnung mit weniger als 70 Quadratmeter lebte. Dementsprechend eng ging es auch an Weihnachten zu. Das fiel uns aber nicht auf, da wir es nicht anders kannten. In eine klitzekleine Wohnung passte dementsprechend auch kein üppiger Christbaum. Der stand im Wohnzimmer und somit in der guten Stube. Geschmückt wurde er mit Lametta und Engelshaar, dazu brannten echte Kerzen. An Heiligabend wurde auch der Kohleofen angefeuert, der aus Kostengründen nur selten brannte. Zur Einstimmung für die Kinder lief im Radio „Wir warten aufs Christkind“. Als der Glockenschlag ertönte, durften wir ins Zimmer und es wurde beschert. Die Geschenke waren alle sehr klein und einfach.

Claudia Czernek (57), Gemeindereferentin:

Claudia Czernek

Einer der schönsten Erinnerungen für mich als Kind war zur Weihnachtszeit das Schaufenstergucken. Zusammen mit den Eltern haben wir gestaunt, was es in den Geschäften alles für tolle Sachen mit Blick auf das Fest zu kaufen gibt. Es blieb beim Gucken und Träumen, weil die meisten Dinge für uns nicht erschwinglich waren. Dennoch durften wir als Kind einen Wunschzettel schreiben und konnten uns sogar sicher sein, dass wir eine Sache davon bekommen. Es gab genau ein Geschenk zum Spielen, der Rest war immer jene Kleidung, die benötigt wurde. Einmal bekam ich eine Puppenstube und mein kleiner Bruder ein Parkhaus, was die Eltern selbst gebastelt hatten. Mit dem Parkhaus spielten sie nach dem Aufbauen sogar für einen Moment selbst. Im Sommer kam die Puppenstube dann weg, damit ich im Freien spiele. Ein Glöckchen hatten wir am Heiligabend nicht, dafür wussten sich meine Eltern anders zu helfen: Sie schlugen einfach zwei Sektgläser aneinander.

Heinrich Rhein (67), Rentner:

Heinrich Rhein

Weihnachten war bei uns ein Familienfest. Hier kamen von den Tanten bis zum Enkel alle zusammen. So entstand an Heiligabend ein großer Kreis von bis zu 15 Personen, der trotzdem Geruhsamkeit versprühte. Traditionell wurde Gans mit Kartoffelsalat gegessen. Für das Schmücken des Baumes war der Opa zuständig. Das geschah mit Lametta, Engelshaar und echten Kerzen. Die Jungs bekamen meist Autos und die Mädchen Puppen geschenkt. Gewünscht habe ich mir nie etwas. Die Geschenke haben sich bei uns sozusagen ergeben. Weihnachten war um einiges frostiger als heute: Fast ein Viertel Jahr lag Schnee und es war sehr kalt.

Christa Plamitzer (80), Rentnerin:

Christa Plamitzer

An Heiligabend ging es immer mit der Oma zuerst in die Kirche. Sie war eine sehr fromme Frau. Dann kam die ganze Verwandtschaft in der großen Stube zusammen. Natürlich wurden auch Weihnachtslieder gesungen, darunter Stille Nacht. Dieses Lied wurde nur an Heiligabend gesungen. Zum Essen gab es Kartoffelsalat und Bratwürstchen, am ersten Feiertag immer Gans und Thüringer Klöße. Der Christbaum wurde einen Tag vor Heiligabend ins Zimmer geholt, damit der Raum auch schön nach Nadeln duftet. Einmal bekam ich eine Puppe geschenkt, die ich aber nur ein Jahr behalten durfte. Bei sechs Geschwistern wanderte die Puppe Jahr für Jahr weiter. Dafür wurde sie mit neuen Kleidern ausgestattet. Mein Opa hat damals viele Geschenke aus Holz gemacht, darunter Pferdchen für die Buben. Die Herstellung fand natürlich heimlich statt. Es war eine Zeit, in der man Kinderherzen noch mit einfachen Sachen erfreuen konnte.

Rubriklistenbild: © dpa

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