Bierlikör und Mandelduft

Adventssamstag mit zwei Weihnachtsmärkten und Hirtenweihnacht

+
An einer Wäscheleine aufgehängte Kindersachen konnten Eltern und Großeltern beim Weihnachtsmarkt in Harreshausen erwerben.

Harreshausen - Die Vorweihnachtszeit mit allen Sinnen spüren und genießen – das war am Samstag gleich bei drei verschiedenen Veranstaltungen in Harreshausen möglich. Von Michael Just 

Neben der Hirtenweihnacht in der Kirche und dem kleinen Adventsmarkt im Seniorenzentrum Bethesda tat sich im Zentrum noch ein Weihnachtsmarkt mit Büdchen und Pavillons lokaler Vereine und Gruppen auf.

Auf dem Weihnachtsmarkt im Seniorenzentrum Bethesda ließen sich unzählige Dinge verkosten. Die Bewohner nahmen das Angebot gerne an.

Nicht wenige Weihnachtsmarktbesucher oder Beschicker setzten sich als Spaß eine rote Nikolausmütze auf. Anders bei Harald Weidler: Am Samstag trug der 51-Jährige eine schwarze Mütze mit der Aufschrift „Mitarbeiter des Jahres bei hr3“. Das gute Stück hatte der 51-Jährige aus dem Organisatoren-Team des Harreshäuser Weihnachtsmarktes von seinen Kollegen geschenkt bekommen. Mit der Eigenkreation war der Dank für einen perfekten Auftritt bei hr3 verbunden. Bei den Wochenendtipps hatte Weidler kräftig die Werbetrommel für den Markt im Heimatort gerührt. 30 Sekunden hatten ihm die Radiomacher live auf dem Äther eingeräumt, nachdem er zuvor dem Aufruf gefolgt war, die schönsten Weihnachtsmärkte Hessens zu melden. Die halbe Minute mit vielen Infos zu füllen verrichtete Weidler bravourös: Er lobte die malerische Fachwerkkulisse, das Selbstgebastelte in den Auslagen und die leckeren Wildschweinbratwürste.

Ein Hirtenspiel fehlte bei der Andacht in der evangelischen Kirche ebenfalls nicht.

Mit den Plakaten, die in den letzten Wochen gestellt wurden, schien die Werbung anzukommen: Gleich nach der Eröffnung um 15 Uhr füllte sich der Markt zusehends. Selbstverständlich war das nicht, denn das Angebot existiert erst seit einem Jahr. 2017 schlossen sich Vereine, die Kirchengemeinde, Gruppen, Gewerbetreibende und Privatpersonen zusammen, um eine alte, aber brachliegende, Weihnachtsmarkttradition im Dorf wieder aufleben zu lassen. Verbuchte man 2017 neun Stände, stieg die Zahl nun auf elf. Wichtig war, dass jeder der mitmacht, etwas anderes bietet. Spielraum bot sich bei den Getränken. Hier wurde offenbar, dass recht unkompliziert ein toller Weihnachtsmarkt-Trunk entsteht, wenn man ein Getränk, das die restliche Jahreszeit kalt genossen wird, einfach erhitzt.

An einem Stand versteckte sich hinter „Heißer Hasi“ ein warmer Haselnussschnaps, an anderer Stelle wurde Aperol, und damit das Lieblingsgetränk vieler Frauen im Sommer, Temperatur zugeführt. Dazwischen schlich sich immer wieder Ungewöhliches: Am Stand der Fastnachter vom CCH gab es Almkaffee, der aus Kaffee, Milch, Rum, Ei und Gewürzen besteht. Beim Kulturverein „Middedrin“ ließ sich dem Geschmack von „Bierlikör“ auf den Grund gehen. Er wird aus Dunkelbier, Korn und Vanillezucker gemacht. Der Freundeskreis „Die Vöchel“ verzichtete an seinem Stand bewusst auf Heißgetränke. In der Männerrunde wird ein Bier immer noch als das größte Glück angesehen. Ohnehin passte es am besten zu der ebenfalls veräußerten Wildschweinbratwurst.

Bilder: Babenhausen und Stadtteile

Wer den Samstag besonders abwechslungsreich genießen wollte, schaute zuvor noch bei der „Hirtenweihnacht“ in der Kirche oder beim Weihnachtsmarkt im Seniorenzentrum Bethesda vorbei. Die Hirtenweihnacht ist eine kleine Andacht, die Pfarrer Frank Fuchs in der Vergangenheit auch schon im freien Feld gestaltete. Auch diesmal gehörte ein kleines Hirtenspiel dazu, bei dem Emma Ranis, Timothy Jones, Emanuel Fuchs als Hirten sowie Laura und Hannah Schulz als Engel mitwirkten Die Andacht umrahmte Peter Wilhelm mit außergewöhnlichen Klängen an der Zither, wie man sie sonst nur im Alpenraum hört.

Im Seniorenzentrum Bethesda hatte wie gewohnt der Sozialdienst unter der Leitung von Debora Harbusch den Markt mit elf externen Beschickern, vor allem Hobbykünstler, organisiert. Wert wird dabei stets auf Vorführungen gelegt. Diesmal ließ sich unter anderem eine Stickmaschine bewundern, die Aufnäher und Patches herstellt. Durch das Foyer wehte der Duft gebrannter Mandeln, die an einer extra eingerichteten Kochstelle karamellisiert wurden. Der Weihnachtsmarkt im Haus Bethesda fällt alljährlich durch seine kleinen Preise auf. So liegt die meiste Ware zwischen zwei und fünf Euro. „Die kleinen Preise sind uns wichtig, damit die Bewohner mit ihrem Taschengeld möglichst viel einkaufen können“, erläuterte Harbusch. Bei der Kaffee- und Kuchentafel wurden Preise komplett abgeschafft. Hier funktioniert alles auf Spendenbasis. Und noch einen Vorteil bietet der Markt: Er ist komplett barrierefrei. „Mittlerweile haben wir schon eine Reihe von Rollstuhlfahrern, die uns von Außerhalb aufsuchen“, weiß Harbusch.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare